Ein New Yorker Unternehmen in China

  Seine Vorfahren gehen zurück bis zu den Cherokees. Geboren und aufgewachsen ist er in North Carolina. Er spricht fließend Mandarin, die chinesische Hochsprache, und tätigt seit Jahren erfolgreich Geschäfte …

 

Seine Vorfahren gehen zurück bis zu den Cherokees. Geboren und aufgewachsen ist er in North Carolina. Er spricht fließend Mandarin, die chinesische Hochsprache, und tätigt seit Jahren erfolgreich Geschäfte in China. Das will aber nicht heißen, dass er seine Wurzeln verloren oder seine Aufrichtigkeit eingebüßt hat, er bleibt Amerikaner.
Er ist begeisterter Fußballspieler und kam in die Auswahl für die Olympiamannschaft als Torwart in seinem Heimatort North Carolina. „Ich habe nie an den Olympischen Spielen teilgenommen, aber ich spielte auf diesem Level“, sagt der 34-jährige Unternehmer. Er wohnt zusammen mit seiner Frau, einer Tochter und einem Sohn, der noch ein Baby ist, in einem Apartment mit Garten in New York. „Mein Büro befindet sich ein paar Blocks weiter. In der Nähe werde ich noch einen Ausstellungsraum eröffnen. So hat alles kurze Wege“, sagt Jake Phipps.
Seine Frau wiegt ihr Baby in einem Tragetuch vor ihrer Brust und die Tochter unterhält sich mit Freunden. Jake hat eine unbekümmerte Art an sich, vielleicht das Ergebnis seiner südländischen Erziehung. Ein paar Minuten in seiner Firma und man hat das Gefühl, als wäre man ihn schon seit Jahren mit ihm befreundet.
Jake sagt: „Ich hatte zehn Jahre lang ein Büro und ein Apartment in China. Mein Mandarin ist sehr gut, nur lesen und schreiben kann ich es nicht.“ China ist für ihn wie eine zweite Heimat. „Wir zogen hinüber und arbeiteten uns selbstständig in das Import-Export-Geschäft ein“, erzählt er und greift nach der Hand seiner Frau.
Das Möbelgeschäft
„Ich ging nach China wegen ihrer Familie. Sie besitzen ihr eigenes Lampengeschäft. Wir begannen mit Innendekoration für Designer. Über uns können Sie direkt vom Produzenten beziehen.“ Er habe seine eigenen Architekten, Ingenieure und Qualitätskontrolle in Guangzhou in China, erzählt Jake. Als die Wirtschaft dort zusammenbrach, kam er zurück in die USA. Außerdem wurde seine Frau schwanger. „Ich habe mich nie selbst übernommen. So konnte ich das Ganze durchziehen“, sagt Jake.
Jake ist so offenherzig, dass man nicht nur sofort beim Vornamen ist, wenn man Geschäfte mit ihm macht, sondern wenn er beschließt, dass er jemanden gern hat, dann ist diese Freundschaft auf Vertrauen aufgebaut. Er ist natürlich auch stolz auf seinen Geschäftserfolg: „Von China aus kann ich die ganze Welt beliefern. Deshalb bin ich nach China gegangen.“ Der Name seiner Firma lautet: BCD, Buy China Direct (Kaufe direkt aus China) und Jake organisiert alles. „Der Kunde hat beispielsweise einen Raumausstatter, aber sie wollen den Preis nicht bezahlen“, erklärt Jake, „Buying direct kann ihm 45 Prozent Ersparnis bringen und ich liefere direkt zur Baustelle überall auf der Welt.“
Eine Besonderheit von BCD sind komplette Einheiten für Hotels oder Institute. Das können  komplette Badezimmer, Küchen, Möbel, Inneneinrichtung, Schlafzimmer, Beleuchtung, Bodenbeläge oder Marmorfließen sein. In der Kundenliste stehen Firmen wie das erste LEED zertifizierte Projekt in North Carolina für das Unternehmen Celadon. (LEED ist ein Zertifikat für günstige Energiebilanzen eines Produktes). Eine große Häuserbaufirma in New York, in der Lefferts Avenue in Brooklyn, bezieht von BCD sämtliche Fliesen, Küchen, Arbeitsflächen, Beleuchtung, Duschen und Wannen.
Lafayette in der Bronx wird von BCD mit Küchen, Badezimmern, Spiegeln, Beleuchtungssystemen und Accessoires beliefert. Für Meadow Wood Gateway in Brooklyn macht BCD dasselbe und liefert zusätzlich noch Bodenbeläge. Das sind keine kleinen Projekte, da es sich hauptsächlich um Möbelmengen zwischen 28 und 705 Einheiten handelt. Die gesamten Projekte von BCD sind einzeilig aufgelistet und füllen zwei Seiten auf der firmeneigenen Webseite.

Wenn er gefragt wird, wie er an seine Kunden kommt, antwortet er: „Hauptsächlich von Mund zu Mund. Die Leute handeln gerne mit mir, weil ich etwas von westlicher Qualität verstehe. Ich stehe hinter dem Produkt, nicht die Herstellerfirma in China.“ Jake hat in China auch Anwälte, da die Gesetze sehr komplex sind. Jakes Kunden wollen wissen, um welche Art Bodenbelag es sich handelt, welche Art Marmor verwendet wird. Sie möchten sich nicht mit den Schwierigkeiten auseinandersetzen, die oft bei Produkten, die in Übersee gefertigt werden, auftauchen. „Ich stelle sicher, dass sie ein gutes Produkt bekommen,“ sagt Jake. „Sie halten mich für jemanden, bei dem man kaufen kann und verlassen sich auf mich.“
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Komplexe Geschäfte
Phipps begab sich also auf ein Gebiet das viele ruinierte, die in China Geschäfte machen wollten ohne Erfahrung oder Beziehungen zu haben. „Was nur meine Baufirmen wissen, ich nenne es die Universität von China“, sagt Jake und beschreibt die Jahre, die er brauchte, um die Kultur und die wirtschaftlichen Beziehungen zu verstehen, die man braucht, um erfolgreich zu sein.
„Die Leute denken, sie können ins Internet gehen und Dinge aus China bestellen und bekommen das, was sie bestellt haben. Das ist nicht die Realität“, sagt Jake. „Es ist schwierig, den Chinesen zu vertrauen. Es ist sehr schwierig, Firmen in Übersee zu vertrauen.“ Jake schließt Verträge ab. Die Chinesen unterschreiben nicht gerne, aber er verlangt, dass das Produkt am Anfang, während der Fertigung und am Ende kontrolliert wird. „Bevor es die Fabrik verlässt, stelle ich sicher, dass alles perfekt ist, dass es rechtzeitig geliefert wird und die Qualität stimmt“, sagt Jake.
Jakes umfassende Erfahrung China betreffend ist nicht anders als die vieler Unternehmer, die in Übersee ihre Lieferanten haben. Dasselbe trifft zu für Japan, die Philippinen, Thailand, Indien, überall hat die Billigarbeit es möglich gemacht, im Ausland einzukaufen trotz der zusätzlichen Kosten für Zölle, Verschiffung und Lieferung. Wenn eine Baufirma ein qualitativ schlechtes Produkt an die Baustelle geliefert bekommt, das zuvor mit riesigen Containerschiffen transportiert werden musste, ist normalerweise kein Rekurs möglich. In einem komplexen Rechtssystem im Ausland Recht zu bekommen und einen zufrieden stellenden Beweis an einen weit entfernten Ort zu liefern ist oft viel teurer, als die Niederlage einzustecken und einen anderen Zulieferer zu suchen. BCD macht diese Sorge unnötig und schafft es, direkt von der Fabrik zu liefern und dauerhafte Einsparungen zu kreieren.
Vertrauenswürdige Partner in Gesellschaften zu finden, wo die Bestechung zum täglichen Geschäft gehört, ist ebenso schwierig. „Ich habe Leute, mit denen ich schon sieben Jahre zusammenarbeite, Elektronikingenieure, Holzverarbeiter und Firmenbesitzer,“ erzählt Jake. Es habe ihn drei Jahre gekostet, Loyalität zu bekommen. Das Land lebe von Bestechung. Es sei schwer, vertrauenswürdige Menschen zu finden. Es sei schwer, ihr Vertrauen zu gewinnen. „Am Anfang meiner Geschäfte in China bestachen meine Unternehmer die Firmen und lieferten schlechte Qualität,“ so Jake.
Oft würde übersehen, dass in China der Inlandsverbrauch bei 80 Prozent liege. In unserer Wirtschaft seien es zuerst die Schuhe gewesen, die im Ausland produziert wurden, dann folgte die Textilindustrie und dann alles andere. Diese Ausstiegsstrategie der Unternehmen zielt darauf hin, die Produktion zu verbilligen.
BCD bringt auch Rohprodukte nach China zur Fertigung und zum Einbau in Möbel. Marmor aus der Türkei und Brasilien ist ein Beispiel. „Travertinmarmor aus der Türkei,“ so Jake, „Es gibt mehr Marmor in der Türkei als irgendwo anders. Ich habe 140 Farben von Marmor aus der Türkei in meinem Ausstellungsraum.“ Bambus ist die am schnellsten wachsende Pflanze auf der Erde. Er kann in LEED-Gebäuden eingesetzt werden für Wände und Böden. Jake kann eine ganze Reihe nachhaltiger Baustoffe empfehlen, aber nicht Bambus, denn Böden aus Bambus müssten schon nach einem Jahr erneuert werden. Bambus wäre zu weich, vor allem für Schuhe mit hohen Absätzen. Sein Enthusiasmus und sein Wissen über Konstruktionen befähigen ihn, das richtige Produkt zum richtigen Projekt auszuwählen.
Jake reflektiert einen Moment über seine Philosophie: „Unser Unternehmen ist ein Familienbetrieb. Ich arbeite gerne mit Menschen aus der eigenen Familie zusammen. Es ist gut, mit der eigenen Familie ein Unternehmen zu betreiben.“

John Christopher Fine ist Autor von 25 Büchern. Er ist Kolumnist für eine große Zeitungskette und arbeitet für die Epoch Times und bekannte Magazine und Zeitungen in den Vereinigten Staaten und Europa.

Original-Artikel auf Englisch: A New Yorher’s Business In China