Morgan Stanley und Goldman Sachs: Schuld an Chinas Börsencrash?

Nachdem die Präsenz von Sicherheitsbeamten die Kurse der Shanghaier Börse wieder hat steigen lassen, ist klar, dass dem Crash der vergangenen Wochen keine normale Marktbewegung, sondern eine politische Intrige zu …

Nachdem die Präsenz von Sicherheitsbeamten die Kurse der Shanghaier Börse wieder hat steigen lassen, ist klar, dass dem Crash der vergangenen Wochen keine normale Marktbewegung, sondern eine politische Intrige zu Grunde lag. Sogar Premierminister Li Keqiang hatte in der Krisensitzung zur Börsenrettung mehrfach betont, dass „schwarze Hände“, sprich kriminelle Drahtzieher, den Absturz des SSE verursacht hatten.

Die koordinierten Leerverkäufe wurden offenbar von Personen innerhalb der Börsenaufsicht unterstützt. Ein Phänomen, welches auf das mafiöse Netzwerk von Ex-Staatschef Jiang Zemin als Urheber des Crashs verweist. Siehe dazu: Mächtige Manipulatoren: Chinas Börse ist jetzt politisches Schlachtfeld
Im chinesischen Internet üben Blogger nun harte Kritik: An Jiang Zemin, weil er es wagt, „aus Eigeninteresse 200 Millionen Anleger zu kidnappen und die gesamte chinesische Mittelschicht zu ruinieren!“. Und an Morgan Stanley und Goldman Sachs, weil sie Jiang bei seinem „Putschversuch per Börse“ geholfen haben sollen.
Laut hartnäckigen Internetgerüchten hätten die beiden Banken das Drehbuch des Crashs konzipiert und der Shanghaier Aktienhändler Guo Tai, über den viele Kleinanleger ihre Papiere handeln, habe es in die Tat umgesetzt. Alles zuliebe ihres „alten Freundes“ Jiang Zemin, dem sie milliardenschwere Geschäfte verdankten. Beweisen lässt sich das natürlich nicht, jedoch ist die gute Beziehung zwischen den US-Investmentbanken und Chinas 88-jährigem Ex-Staatsoberhaupt ein offenes Geheimnis und sogar Wikipedia weiß davon.
Marktbeeinflussung
Schon im Jahr 2011 gab es Berichte über organisierte Leerverkäufe durch Goldman Sachs (im folgenden GS), die im chinesischen Internet die Runde machten. In einem Artikel mit dem Titel „Hinter den Kulissen der Goldman Sachs-Leerverkäufe“ beschrieb die Website Business World Chinese, welche Tricks GS im Jahr 2010 und 2011 anwandte, um den chinesischen Markt zu beeinflussen.
Zunächst veröffentlichte GS einen Report, der die Entwicklung der A-Aktien pessimistisch einschätzte, was bereits am Folgetag zu einer Talfahrt von 160 Punkten führte. Daraufhin verkaufte GS sofort seine Aktien der Industrial and Commercial Bank of China. Diese Aktion inspirierte eine Welle von Leerverkäufen ausländischen Kapitals und am 16. und 17. Nov 2011 gab es in Shanghai einen Crash, von dem sich die A-Aktien wochenlang nur schwer erholten.
Besonders pikant ist die Verbindung zu Jiang Zemin.
Als Jiang 1989 als Nachfolger von Deng Xiaoping an die Macht kam, wusste die gesamte westliche Wirtschaftswelt, um wessen Gunst sie buhlen musste – und Goldman Sachs tat dies hemmungslos.
Die renommierte Wirtschaftsexpertin He Qinglian wies darauf hin, dass GS in Jiangs Ära den Titel „Guter Freund des chinesischen Volkes“ verliehen bekam und Steven Kuhn in seiner Zeit als GS-Chef von China sogar eine Jiang Zemin-Biographie schrieb (!), die in chinesischer Sprache auf Staatskosten millionenfach gedruckt und jedem Funktionär als lesenswertes Buch empfohlen wurde …
Das merkwürdige Verhalten von Morgan Stanley

Auch Morgan Stanley hat sich bereits durch Beziehungen und sonderbare Prognosen verdächtig gemacht. Am 3. Juli wies die Financial Times China in einem Artikel darauf hin, dass Morgan Stanley angesichts des Booms der vergangenen Monate einen möglichen Anstieg des SSE auf 16.785 Punkte prophezeit hatte und vor kurzem plötzlich seine Meinung änderte: Die 5178 Punkte vom 12. Juni seien der Höhepunkt des Bullenmarkts gewesen.
Beide Vorhersagen lagen nicht mal ein halbes Jahr auseinander. „Sind die dort wirklich so inkompetent, die Lage derart falsch einzuschätzen, oder steckt hinter der scheinbaren Inkompetenz eine heimtückische Absicht?“ fragte die FT, die vermutete, dass internationale Investmentbanker ein Eigeninteresse haben könnten, Chinas Aktienmarkt zu torpedieren.
Am Beginn von Jiangs Amtszeit war die chinesische Wirtschaft noch viel stärker staatskontrolliert als heute. In bestimmten Branchen durften Privatunternehmen gar nicht tätig sein. Diese Beschränkungen wurden zunächst nur für ausländische Unternehmen gelockert, denn ausländische Firmen konnten Chinas Machthabern bei der Geldwäsche behilflich sein.
Privatverhältnis zur Wallstreet
Unter den US-Politikern und Wirtschaftsleuten, die Jiang als Staatschef umwarben, war auch eine sehr entscheidende Person, welche für die China-Politik der Vereinigten Staaten verantwortlich war. Nennen wir ihn Mister X. Der Betreffende war Boss eines Wallstreet-Unternehmens und pflegte zu Jiang ein sehr enges Privatverhältnis.
Als 1995 Chinas erste und größte Investmentbank, die CICC gegründet wurde, war sie ein Jointventure zwischen Jiangs Regime und der westlichen Finanzelite: Das Kapital dafür kam von China Jianyin Investment (43,35 %) und Morgan Stanley (34,3 %).
Die CICC bot chinesischen Staatsunternehmen Services an, um im Inland und Ausland Kapital zu beschaffen. In der Tat diente sie Mister X und westlichen Großbanken dazu, um aus China Schwarzgeld abzuziehen. So wurde die CICC zu einem Kanal, über den Jiang Zemins Clan astronomische Summen ins Ausland transferierte.
Die CICC hatte außerdem eine Monopolstellung im chinesischen IPO-Geschäft, was Morgan Stanley im Vergleich zu anderen Unternehmen bei Börsengängen chinesischer Staatsunternehmen einen unverhältnismäßigen Wettbewerbsvorteil verschaffte.
Im September 2007 wurde mit chinesischen Währungs-Reserven die China Investment Corporation (CIC) gegründet und die CICC wurde ihr als 100-prozentige Tochter einverleibt. Das Startkapital der CIC lag bei 200 Milliarden US-Dollar und damit war sie einer der größten Sovereign Wealth Funds der Welt. Drei Milliarden Dollar steckte die CIC kurz nach ihrer Gründung in die Investmentgruppe Blackstone, 5,6 Milliarden in die US-Bank Morgan Stanley – beide stürzten in der Finanzkrise 2008 phänomenal ab. Trotzdem investierte die CIC nochmals 1,2 Milliarden USD in Morgan Stanley.
Ein lukrativer Dreieckshandel
Das ganze war nichts anderes gewesen, als eine lukrative Dreiecksbeziehung zwischen Morgan Stanley, der CIC und Jiang.
Und was hat Blackstone damit zu tun? Ähnliches: Blackstone hat eine enge Beziehung zu Boyu Kapital, der Firma von Jiangs Enkel Alvin Jiang, der nach Abschluss seines Harvard Studiums bei Goldman Sachs gearbeitet hatte.
Boyu Capital hat sowohl Blackstone als auch die CIC als einen der wichtigsten Kapitalgeber und so wanderten die 3 Milliarden Dollar, welche die CIC am Anfang in Blackstone investiert hatte, zu Boyu.
Interessant ist auch, was sich der Blackstone-Mitgründer Stephen A. Schwarzmann im Jahr 2004 leistete: Als er zum Vorstandsvorsitzenden des Washingtoner Kennedy Centers gewählt wurde, spendete er der Kulturstätte nach seiner Wahl sofort 10 Millionen Dollar und in den Jahren darauf gab die chinesische Sängerin Song Zuying, berüchtigt als Jiang Zemin-Mätresse, dort öfter Solokonzerte.