Wie Stahlkrise und Immobilienblase Chinas Kreditvermittler killen

Chinas Finanzsystem geht’s nicht gut – und ein paar Unternehmen sind schon jetzt Opfer der nahenden Krise: Die Bürgschaftsvermittler. Diese Institute, die Kredite zwischen Unternehmen, Banken oder auch Schattenbanken vermitteln, …

Chinas Finanzsystem geht’s nicht gut – und ein paar Unternehmen sind schon jetzt Opfer der nahenden Krise: Die Bürgschaftsvermittler. Diese Institute, die Kredite zwischen Unternehmen, Banken oder auch Schattenbanken vermitteln, gehen gerade reihenweise Pleite – und das im ganzen Land.

2,8 Milliarden Miese am Shanghaier Bürgschaftsektor
Die chinesische „Wirtschafts- und Finanztageszeitung Nr. 1“ berichtete am 28. Oktober, das bis Ende Juni auf der gesamten Shanghaier Bürgschaftsbranche eine faule Kreditschuld von insgesamt 2,8 Milliarden Yuan lastete (350 Millionen Euro). Dieser Betrag entspricht rund 11 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens an vermittelten Bürgschaften.
Bis Ende Juni gab es in Shanghai offiziell 72 registrierte Bürgschaftsvermittler. Von diesen lizenzierten Instituten waren jedoch nur noch 30 effektiv in Betrieb, die anderen 60 Prozent sind bereits Pleite gegangen. 24 der Pleitekandidaten hatten Bürgschaften für die Stahlindustrie vermittelt und waren im Zuge der chinesischen Stahlkrise eingegangen.
Ein Experte aus der Kreditvermittlungsbranche sagte der Zeitung: „Die Bürgschaftsunternehmen, die zur Zeit noch laufen, wickeln meist strategische Finanzierungen ab oder Geschäfte mit staatlichem Hintergrund. Die privaten Institute sind schon größtenteils Pleite.“
Staatlicher Hintergrund heißt in diesem Fall, dass hier Kreditvermittler entweder mit Staatsunternehmen zusammenarbeiten oder politisch von einzelnen Parteifunktionären gestützt werden – und nur noch deshalb am Leben sind.
Schuld sind Immobilienblase und Stahlkrise
Grund für das Sterben der Kreditvermittler ist nach Meinung von Experten der Niedergang der chinesischen Immobilienbranche, weil die Immobilienentwicklung besonders stark mit Kapital und Investition verbunden ist und auf diesem Sektor besonders viele Kredite genommen werden.
Die Krise der Stahlunternehmen tut außerdem das ihrige: Durch die staatlichen Rettungspakete der vergangenen Jahre wurden in Chinas Stahlproduktion riesige Überkapazitäten aufgebaut, die gemeinsam mit der verschlechterten Wirtschaftslage und einem stark gesunkenen Bedarf die Unternehmen in den finanziellen Ruin treiben. Sowohl in Stahlproduktion und -handel flüchteten, viele Firmenchefs, wenn sie Kredite wegen gebrochener Kapitalketten nicht mehr zurückzahlen konnten, was Gerichtsprozesse gegen die Bosse nach sich zog in welchen auch die – eigentlich unschuldigen – Bürgschaftsvermittler angeklagt wurden. Dieser Dominoeffekt gab der Bürgschaftsbranche den Rest. Doch nicht nur in Shanghai – in ganz China zeigte sich ein ähnliches Phänomen.
Laut chinesischen Medien erwischte es mehrere Kreditvermittler in der Provinz Sichuan; in der südchinesischen Provinz Guangdong gaben laut offizieller Statistik zwischen Anfang 2014 bis Mitte Juni 30 Bürgschaftsfirmen ihr Geschäft auf; in Wenzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang raffte eine Konkurswelle im Mai viele Privatunternehmen dahin – mit ihnen verschwanden auch über 90 Prozent der regionalen Bürgschaftsfirmen; in Urumqi, Provinz Xinjiang, meldeten bis Mitte Mai über 90 solcher Institute Insolvenz an.
Wirtschaftskoryphäe warnt vor Immobilien-Crash

Die Entwicklung auf Chinas Immobilienmarkt deutet derweil weiter Richtung Krise. Eine offizielle Statistik vom September verzeichnete in über 80 Prozent der 70 wichtigsten Immobilienstädte eine Preissenkung bei Neubauwohnungen im September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. (Der September ist normalerweise der beste Monat im chinesischen Immobiliengeschäft). Im August 2014 waren nur 27 Prozent der Städte von Preissenkungen betroffen.
Der bekannte chinesische Wirtschaftswissenschaftler Ma Guangyuan sagte dazu auf einem Wirtschaftsforum am 25 Oktober: „Früher gab´s in China nicht genügend Wohnungen, heutzutage ist die Situation völlig umgekehrt. In über 80 Prozent der Städte besteht mehr Angebot als Nachfrage. Jetzt ist die Konkurrenz auf dem Immobilienmarkt schon sehr brutal und es geht für die Immobilienentwickler ums Überleben. In den nächsten 5 Jahren werden wahrscheinlich 80 Prozent der jetzigen Immobilienentwickler dicht machen und nur 20 Prozent überleben.“
Ma empfahl deshalb, Wohnungen nicht mehr als Wertanlage zu kaufen, sondern nur dann, wenn man sie wirklich braucht.

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