Kinderarbeit in der Feuerwerksindustrie - keine Seltenheit

Tödliche Explosionen in Chinas Feuerwerksfabriken - Der bittere Beigeschmack vom Feuerwerk

von Gastautorin Doro Schreier, Mittwoch, 30. Dezember 2015 22:22
Neben dem alljährlichen Sektkorkenknallen, Bleigießen und dem Verteilen von Glücksbringern darf bei den meisten Menschen wieder eines nicht fehlen: ein schönes, buntes, lautes und meist auch teures Feuerwerk. Rund 124 Millionen Euro geben die Deutschen fürs Feuerwerk aus.
Feuerwehrmänner versuchen die Brandherde nach einer in einer Feuerwerksfabrik in China zu löschen. Bei der Explosion in 2005 kamen 25 Menschen ums Leben.
Feuerwehrmänner versuchen die Brandherde nach einer in einer Feuerwerksfabrik in China zu löschen. Bei der Explosion in 2005 kamen 25 Menschen ums Leben.
Foto: China Photos/Getty Images

Am 29. Dezember beginnt in Deutschland offiziell der Verkauf von Silvesterfeuerwerk. Die Polizei warnt davor, so-genannte Polen-Böller zu kaufen. Diese sind oft qualitativ minderwertig, besitzen eine besonders große Explosionskraft und haben ein hohes Verletzungsrisiko.

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Nicht nur gefährliche Böller aus Osteuropa, die zum Teil manipuliert sind, um die Sprengwirkung zu erhöhen, sind auf dem Markt, die wenigsten wissen, dass Feuerwerkskörper unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen auch von Kindern hergestellt werden und der Umwelt schaden.

Mehr als 80 Millionen Kinder werden weltweit für gefährliche Arbeit eingesetzt. Auch in Feuerwerksindustrie arbeiten Kinder. Indien will nun die Kinderarbeit legalisieren, anstatt sie zu verbieten. Viele Familien nutzen die Lücken in der Gesetzgebung und lassen ihre Kinder arbeiten. 2011 ergaben die Daten der Volkszählung in Indien, dass etwa 4,4 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten – vor allem in der Landwirtschaft, Herstellung und im traditionellen Handwerk. Die Internationale Arbeitsorganisation setzt die Zahl höher an und schätzt sie auf 5,8 Millionen. Das wären 54 Prozent der Sieben- bis VierzehnJährigen. Viele Kinder armer Familien arbeiten für zusätzliches Einkommen in der Feuerwerksindustrie.

Unfälle in Feuerwerksfabriken fordern Menschenleben

Das wachsende Bewusstsein durch Kampagnen über nachteilige Auswirkungen von Feuerwerkskörpern auf die Gesundheit und Umwelt belastet die Industrie. Die Nachfrage nach Feuerwerkskörper sank um etwa 35-40 Prozent. Auch dieses Jahr explodierte eine Feuerwerksfabrik in Indien.

Anfang Mai riss eine Explosion mindestens zwölf Personen in den Tod. Bei dem Unfall im Gliedstaat Westbengalen wurden zudem sechs Personen verletzt. Eine Woche zuvor war im Westen Indiens eine Feuerwerkfabrik in die Luft gegangen. Dabei kamen elf Personen ums Leben.

Im September 2015 explodierte eine Chemiefabrik in Ujjain, Madhya Pradesh in Indien und löste einen Großbrand aus. In vielen indischen Fabriken werden Sicherheitsstandards nicht eingehalten. Feuerwerkskörper und Kracher werden häufig in improvisierten Fabriken hergestellt, häufig sogar in Wohnungen.

Feuerwerksfabrik in China expoltiert

Auch in China kam es vor zwei Tagen zu einer Explosion in einer Fabrik für Feuerwerkskörper. Die lokalen Medien berichten von mindestens drei Toten in der Provinz Henan.

Vier Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Auch in China kommt es vermehrt zu Explosionen, da wie in Indien die Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden.

Im Land des Feuerwerkes werden die Feuerwerkskörper nunmehr aufgrund des Smogs verboten. 

„Böllern“ verboten

Pyrotechnische Gegenstände können sehr leicht zu einer Gefahr für den Verbraucher werden. Jedoch besteht nicht nur für den Verbraucher ein Risiko, sondern auch für den Hersteller, den Handel und die Umwelt. Eigentlich sollte auf Feuerwerkskörper verzichtet werden. Bereits in vielen Städten ist das „Böllern“ verboten. In diesem Jahr schließt sich Mailand an und verbietet aufgrund von Verletzungsgefahr jegliches Zünden von Feuerwerkskörpern. Wer trotzdem böllert, dem drohen hohe Geldstrafen. In Paris ist Silvesterfeuerwerk bereits seit 2011 aus Sicherheitsgründen verboten.

Jedem ist es zwar selbst überlassen, ob er oder sie eine zusätzliche Belastung durch Verbrennen von Feuerwerkskörpern eine zusätzliche Umweltzerstörung verantworten kann, doch sollte einem auch bewusst sein, welches Leid sich hinter diesen Produkten verbirgt. Die Verwendung von nachgewiesenermaßen umweltgefährdenden Folgeprodukten wie Quecksilberchlorid, Zinnober und Cadmiumpulver als effektgebende Komponenten soll zwar vorbei sein, jedoch hat gerade Cadmium in der Umgebung von Liuyang, das ja in China auch als die Hauptstadt des Feuerwerks bezeichnet wird, eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Kontaminierte Ackerflächen, krebserkrankte Menschen, kontaminierter Reis und Gemüse in der Nahrungskette sind die entsetzlichen Folgen.

Blei und Bleioxide, Kupfer und Antimon spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in den Feuerwerksrezepturen, die ebenfalls als gesundheitsschädlich gelten und ebenfalls die Umwelt schädigen.

Obwohl mittlerweile die meisten Feuerwerkskörper ohne nicht verrottenden Kunststoff auskommen und fast vollständig aus Pappe bestehen, die leicht verrottet, werden einige immer noch mit Kunststoffen hergestellt. 

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Schlagworte

China, Silvester, Feuerwerk


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