Schlecht für Aktien, doch es gibt Hoffnung für den Konsumenten

So beeinflusst uns die China-Krise

von Valentin Schmidt, Samstag, 13. Februar 2016 11:22
Die Währungen aller Schwellenländer befinden sich im freien Fall, vor allem die türkische Lira und der südafrikanische Rand sind besonders angeschlagen. Aber auch der chinesische Yuan verlor in den letzten 12 Monaten rund 5 Prozent gegenüber dem Dollar.
Das Display zeigt den deutschen Aktienindex DAX an der Börse in Frankfurt am Main, am 24. August 2015. Der DAX fällt auf 15%, zeitgleich mit einem 15-Monats-Tief der chinesischen Aktien.
Das Display zeigt den deutschen Aktienindex DAX an der Börse in Frankfurt am Main, am 24. August 2015. Der DAX fällt auf 15%, zeitgleich mit einem 15-Monats-Tief der chinesischen Aktien.
Foto: DANIEL ROLAND/Getty Images

Bisher ist die chinesische Börse am meisten mitgenommen worden. Doch sowohl Finanzmärkte als auch die globale Wirtschaft sind so vernetzt, dass der Westen und Deutschland schon jetzt beeinflusst werden.

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Shanghais Börse ist dieses Jahr 22 Prozent im Minus, auch Japan hat ein Minus von 22 Prozent, aber danach kommt gleich Deutschland mit minus 17 Prozent. Die Deutsche Bank ist wegen ihres Asiengeschäfts und ihrer Spitzenposition im Währungshandel mitten drin statt nur dabei.

So überrascht es nicht, dass Europa und vor allem Deutschland dem Sog der fallenden chinesischen Wirtschaft nicht entkommen können.

Das Wachstum in China beträgt weit weniger als die offiziell veranschlagten 6.9 Prozent. Die Kapitalflucht beträgt etwa 100 Milliarden Euro jeden Monat, der Aktienmarkt baissiert und die Währung fällt.

Nur Amerika geht es relativ besser, der S&P 500 ist dieses Jahr bisher nur um 9 Prozent gefallen.

Der Geist von 1997

"Der Markt ist besorgt, dass sich die Asienkrise von 1997 wiederholt, eine Serie von Währungsabwertungen," sagt Sherle Schwenninger, Direktor des Think Tanks New America Foundation.

Die Währungen aller Schwellenländer befinden sich im freien Fall, vor allem die türkische Lira und der südafrikanische Rand sind besonders angeschlagen. Aber auch der chinesische Yuan verlor in den letzten 12 Monaten rund 5 Prozent gegenüber dem Dollar.

Wenn die Währungen dieser Länder gegenüber dem Dollar fallen, wird es schwieriger Dollarschulden zurückzuzahlen. China hat etwas $870 Milliarden an Dollarschulden laut Schätzungen der Bank of Interantional Settlements.

"Das Gros von Dollarschulden wird von asiatischen Ländern gehalten und der Westen ist über die Banken in Hong Kong, London und Europa beteiligt. Vor allem die Banken in Hong Kong sind sehr an den chinesischen Staatsunternehmen beteiligt", sagt Schwenninger.

Und natürlich die Deutsche Bank. "Sie sind das beste Beispiel, sie sind bis zum Hals bei diesem Zeug dabei," sagt Jeffrey Snider von Alhambra Investment Partners.

Die Deutsche Bank und Credit Suisse haben beide enorm in Asien, in Währungen und Dollarschulden investiert und leiden in diesem Jahr deshalb am meisten. Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist dieses Jahr bereits um 30 Prozent gefallen, der von Credit Suisse um 40 Prozent. Zum Vergleich ist die grösste amerikanische Bank JP Morgan 2016 nur um 13 Prozent gefallen. 

Aber die Banken sind über Unternehmensanleihen und Kredite auch bei den Rohstoffen dabei, deren Preisverfall sie sehr hart trifft.

Rohstoff Albtraum

"Da ist eine systemische Verbindung zum internationalen Finanzsystem. Grosse Rohstofffirmen könnten dieses Jahr pleite gehen. Die Risse in der Rohstoffwelt werden Schritt für Schritt zutage treten," sagt John Butler von GoldMoney in einem Interview mit James Turk.

Sowohl Öl als auch Rohstofflieferanten haben hunderte Milliarden investiert, um Kapazitäten zu erhöhen und glaubten, dass das Wachstum in China kein Ende nehmen wird. Als die Nachfrage in China dann um 2011 anfing nachzulassen, brachen die Preise ein. Kupfer fiel um mehr als 50 Prozent, Eisenerz um die 80 Prozent.

China ist nicht alleine für den Verfall des Rohölpreises verantwortlich, spielte aber sicher eine gewichtige Rolle. Das Fass West Texas Intermediate fiel von mehr als 100 Dollar in 2011 auf weniger als 30 Dollar in 2016. Dieser Trend trifft die Produzenten, Händler, Spekulanten und die Banken, die diese finanzieren.

"Öl und Kupfer wurden nicht wegen guter Fundamentaldaten gekauft, sondern weil man höheren Gewinn als bei Bundesanleihen oder Treasurys erwartete. Vieles von diesem Geld hat den Markt jetzt verlassen. Hedgefonds haben ihre Positionen in der China Wachstumsgeschichte liquidiert. Immer wenn es diesen abrupten Abfluss von Liquidität gibt, schwappt er in andere Märkte über," sagt Schwenninger.

"Viele von den Sicherheiten für Kredite sind schlecht, viele der Schulden sind Müll und überbewertet, sie werden alle abgeschrieben werden," sagt Butler.

Internationaler Sog

Deutsche Unternehmen sind direkt über den sinkenden Export nach China betroffen, Volkswagen, Daimler, Linde, sie alle generieren das Gros ihres Wachstums in China.

"Internationale Unternehmen, die auf globale Märkte wie China angewiesen sind, werden leiden, das haben wir schon mit Apple gesehen," sagt Schwenninger weiter. Apple hatte ein relativ schwächeres Quartal, vor allem weil sich weniger iPhones in China verkauften."

"Wir haben jetzt vier oder fünf Quartale von negativen Gewinnen," sagt Snider, der zudem betont, dass die Märkte den Glauben in die Zentralbanken verloren haben, dass sie eine erneute globale Krise abzuwenden können.

"Diese Idee, dass alles Negative nur vorrübergehend ist und schnell wieder verfliegt [eine zentrale These der Zentralbanken weltweit] hat ausgedient. Die Tatsache, dass die Probleme jetzt schon mehr als ein Jahr alt sind, macht diese These absolut unbrauchbar," so Snider.

Die Finanzmärkte und internationalen Firmen leiden, in Ordnung, aber was passiert mit dem Konsumenten, vor allem wenn er nicht für einen Ölmulti arbeitet und die Deutsche Bank im Portfolio hat?

Fallende Preise für Produkte aus China (interne Deflation und eine fallende Währung), sowie fallende Rohstoffpreise und ein stabiler Euro, führen zu einer Aufwertung der Kaufkraft des Durchschnittsbürgers sagt Charles Dumas, der Chefökonom von Lombard Street Research.

"Diese beiden Faktoren, Rohstoffe und China zusammen, sind sehr positiv für die Weltwirtschaft und ein zentraler Bestandteil von den Krisendislokationen wegzukommen."



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