Wie ich in China verfolgt und gefoltert wurde
Ying Dai
Mein Name ist Dai Ying. Ich bin 48 Jahre alt und komme aus Norwegen.
Zuallererst möchte ich mich bei den internationalen Menschenrechtsorganisationen
für diese Möglichkeit bedanken, über meine Folter und Verfolgung
berichten zu dürfen, die ich in Chinas Strafanstalten, Gefängnissen
und Arbeitslagern erlebte.
Das kommunistische Regime in China verfolgt Falun Gong seit sieben Jahren.
In diesen sieben Jahren wurde ich zuerst rechtswidrig zu drei Jahren Arbeitslager
und dann zu weiteren zwei Jahren Umerziehungslager verurteilt. In den fünf
Jahren meiner Gefangenschaft wurde ich von der üblen Kommunistischen Partei
erbarmungslos gefoltert und verlor dadurch mein linkes Augenlicht, meine oberen
und unteren Zähne lockerten sich bzw. wurden herausgeschlagen.
Heute möchte ich der internationalen Gemeinschaft darlegen, wie die Kommunistische
Partei Chinas (KPC) ihre Autorität dazu benutzte, mich grausam zu foltern
und zu verfolgen. Ich hoffe, dass die internationale Gemeinschaft und die Menschen
auf der ganzen Welt sehen werden, wie die KPC Falun Gong verfolgt, dass sie
die wahre bösartige Natur der KPC erkennen und alle Illusionen über
die bösartige Partei durchschauen werden. Ich hoffe, dass Sie nicht durch
die Lügen der chinesischen Regierung getäuscht werden und die Freiheit
durch ihre Manipulation genießen.
Falun Dafa (Falun Gong) kennen lernen
Ich begann im Jahr 1997 Falun Dafa zu üben. Bevor ich mit der Praktik
begann, litt ich unter vielen Krankheiten, wie z.B. einer erosiven Magenschleimhautentzündung,
atrophische Magenschleimhautentzündung, Darmentzündung, Frauenkrankheiten,
Verstopfung und war psychisch krank. Ich hatte kaum Appetit und konnte nicht
gut schlafen. Mein ganzer Körper schmerzte. Ich suchte viele Ärzte
auf, doch vergeblich. Jeder Tag meines Lebens war eine Qual. Jeden Monat kostete
ich meinem Unternehmen 1.000 bis 1.5000 Yuan (1) für medizinische Behandlungen.
Die Unternehmungsleitung sah es gar nicht gerne. Sie sagten: „Sie gehören
zu den Jüngsten hier, doch wegen der medizinischen Ausgaben, kosten sie
uns am meisten.“
Im Oktober 1997 wurde meinem Mann Falun Dafa vorgestellt. Später schloss
ich mich ihm an. Nur eine Woche später, nachdem ich begann Falun Gong zu
üben, sagte eine Mitpraktizierende auf dem Übungsplatz zu mir: „Ihr
dunkler Teint ist rosa geworden.“ Ich erfuhr, wie ich von Kopf bis Fuß
mit Energie erfüllt war und keine Krankheiten mehr hatte. Solch eine Erfahrung
war wundervoll. In den letzten neun Jahren bin ich nicht mehr krank geworden
– seit dem Zeitpunkt, wo ich anfing Falun Gong zu üben.
Ich bewundere aus tiefstem Herzen Meister Li Hongzhi. Es war der Meister Li,
der mein Leben rettete. Auf unserem Übungsplatz kannte ich noch viele andere
Leute, denen es ebenso nach dem Praktizieren von Falun Gong erging. Doch nicht
nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Charakter hatte sich verbessert. Millionen
von Menschen in China haben durch das Üben von Falun Gong profitiert. Und
trotz seiner guten Natur führten Jiang Zemin und Luo Gan die landesweite
Verfolgung von Falun Gong, am 20. Juli 1999 ein.
Gefangenschaft
Am 21. Juli 1999 appellierten mein Mann und ich an die Kommunalverwaltung in
Shenzhen, Provinz Guangdong, für Falun Gong und wurden deswegen von der
Shenzhen Polizei festgenommen. Die Polizeibehörde sperrte meinen Mann an
einem geheimen Ort ein, bis ihm zehn Tage später die Flucht gelang.
Am 29. September 1999 verhaftete die Polizei in Shenzhen meinen Mann und mich
zum zweiten Mal gesetzeswidrig und brachten uns zur Futian Bezirksstrafanstalt.
Meine Familie versuchte uns aus der Haft herauszuholen. 15 Tage später
wurde ich auf Bewährung entlassen. Doch mein Mann musste weiterhin in Gefangenschaft
Verfolgung erleiden.
Mein Mann Li Jianhui, bestand darauf Falun Dafa zu kultivieren und seinen
Glauben an „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ beizubehalten.
Die Shenzhen Kommunalverwaltung meldete ihn an das „Büro 610“
(2) der Provinz Guangdong und an das „Büro 610“ des Zentralkomitees.
Die Verfolgung verstärkte sich. Ein Staatsanwalt der Shenzhen Staatsanwaltschaft
bestätigte die Unschuld meines Manns, doch das Gericht erhielt von höheren
Autoritäten den Befehl, ihn widerrechtlich aus politischen Gründen,
zu verurteilen.
Vor der Gerichtsverhandlung engagierte ich die Anwältin Qu Ci aus der
„Anwaltskanzlei des Neuen Jahrhunderts“ in Shenzhen, und mein Schwager
stellte die Anwältin Frau Xu ein, die beide die Verteidigung meines Mannes
übernehmen sollten. Nachdem sie sich die Akten durchschauten, waren sie
beide der Überzeugung, dass mein Mann unschuldig war. Die Anwältin
Qu Ci brachte die Akten nach Peking und lud maßgebliche Experten ein,
um in einem Forum diesen Fall zu diskutieren. Die Experten bestätigten,
dass mein Mann vom legalen und verfassungsmäßigen Standpunkt her,
unschuldig war. Also beschlossen Frau Qu und Frau Xu für die Unschuld meines
Ehemannes zu plädieren.
Zwei Tage vor der Gerichtsverhandlung erfuhr das Shenzhen Stadtgericht, dass
die Anwälte beabsichtigten, auf unschuldig zu plädieren. Daraufhin
bekam die Shenzhen Stadtpolizeibehörde von der Shenzhen Kommunalverwaltung
den Befehl, die Anwältin Xu davon abzuhalten meinen Mann zu verteidigen.
Das Shenzhen Justizbüro zwang auch die Anwältin Qu Ci dazu den Vertrag
mit mir zu kündigen, damit auch sie nicht mehr meinen Mann verteidigen
konnte. Weder die Anwälte noch die Familienangehörigen durften bei
der Gerichtsverhandlung anwesend sein. Das Gericht wählte einen anderen
Anwalt aus, der bei meinem Mann für schuldig plädierte.
Chinas Verfassung sieht vor, dass jeder Angeklagte und seine Familienangehörigen
das Recht haben, sich einen Anwalt ihrer Wahl auszusuchen, der im Namen des
Angeklagten handelt. Doch das Shenzhen Gericht verstößt gegen dieses
Gesetz. Mit anderen Worten: Die Regierung verfolgt Faun Gong und setzt dabei
Gesetze außer Kraft. Ende Februar 2000 verurteilte das Futian Bezirksgericht
in Shenzhen willkürlich meinen Mann zu vier Jahren Gefängnis. Der
ganze Gerichtsprozess verstieß gegen die Verfassung und konnte sich auf
keine rechtliche Grundlage berufen.
Weil die chinesische Verfassung jedem Bürger das Recht zum Appellieren
einräumt, beschloss ich nach Peking zu fahren, um an den Staatsrat zu appellieren.
Ich wollte mich für die Gerechtigkeit von Falun Gong und gegen die Verfolgung
von Falun Gong-Praktizierenden einsetzen. Am 5. März 2000 machte ich mich
auf den Weg. Doch leider wurde ich von der Polizei geschnappt, nach Shenzhen
zurückgeschickt und in der Futian Strafanstalt gefangen gehalten.
Folter und Verfolgung
Unter der Herrschaft der KPC gibt es keine Menschenrechte. Die Führer
der KPC behaupten oft in ihren öffentlichen Reden im Ausland, dass die
KPC über das ´Überlebensrecht` spricht, anstatt von Menschenrechten.
Das Recht, dass die KPC den Chinesen gewährt, ist das so genannte ´Überlebensrecht
der Tiere’. Die Rechte werden einem Bürger genommen, sobald er sich
weigert zu gehorchen. Das Gericht kann gegen die Verfassung und gegen die Gesetze
verstoßen und einen unschuldigen Menschen ohne Beweise für schuldig
befinden. So wurde es zu einem Verbrechen an die Regierung zu appellieren, als
ich mich für meinen Mann einsetzte. Ich wurde eingesperrt und musste das
Urteil des Gerichts abwarten.
Um den Protest gegen die Verfolgung fortzusetzen, blieb mir keine andere Wahl,
als in den Hungerstreik zu treten. Am dritten Tag meines Hungerstreiks begannen
die Aufseher der Strafanstalt mich „zwangszuernähren“. Zwangsernährung
ist für die Gefängniswärter eine Methode, Falun Gong-Praktizierende
zu foltern.
Sie schleiften mich aus meiner Zelle heraus. Vier oder fünf Leute drückten
mich zu Boden, damit ich mich nicht mehr bewegen konnte. Dann führten sie
über mein Nasenloch einen dicken Schlauch rein, wodurch meine Nase anfing
zu bluten. Als es nicht funktionierte, nahmen sie einen Schraubenzieher, um
meine Zähne aufzubrechen und einen dicken, scharfen Bambusrohr in meinen
Mund einzuführen. Es tat so weh, als ob der Mund zerriss. Die Nahrung bestand
entweder aus Lebensmitteln oder konzentriertem Salzwasser. Ich erstickte förmlich.
Nahrung und Blut sprudelten wieder aus meinen Mund und meiner Nase heraus. Nach
jeder Zwangsernährung hatte ich das Gefühl, als ob ich sterben würde.
Sie zwangsernährten mich jeden zweiten oder dritten Tag, jedoch nicht aus
Sorge um mein Leben, sondern um mich zu foltern und mich zu vernichten. Einmal
biss ich meine Zähne zusammen und hielt fest meinen Mund zu. Daraufhin
nahm der Arzt Zhou, von der Strafanstalt, den größten Schraubenzieher
und brach damit meine Zähne auseinander. Dabei haute er mir die zwei Vorderzähne
heraus und die restlichen oberen und unteren Zähne lockerten sich.
Die Mitpraktizierende Jiang Xiaowen wurde im Arbeitslager neben meiner Zelle
gefangen gehalten. Die Aufseher brachen ihre zwei Vorderzähne heraus. Die
Falun Gong Übende Xue Aimei wurde in derselben Zelle wie ich eingesperrt.
Ich sah mit eigenen Augen, wie die Aufseher sie brutal mit Chiliöl und
Chilipulver zwangsernährten. Jedes Mal wenn sie von der Zwangsernährung
zurückkam war ihr Gesicht und ihre Nase mit Blut bedeckt und Chiliöl
und Nahrungsmittel bedeckten ihren Körper.
Da wir unschuldig inhaftiert wurden, weigerten wir uns die Gefängnisuniformen
zu tragen. Über ein dutzend Polizeibeamte der Futian Bezirksstrafanstalt
stürmten herein und zwangen über 20 weibliche Falun Gong Übende
sich auszuziehen. Eine Praktizierende wurde nackt vor männliche Gefängnisinsassen
gezerrt, um sie zu demütigen.
In der Strafanstalt wurden wir auch dazu gezwungen, jeden Tag Sklavenarbeit
zu verrichten. Mit der Hand mussten wir Lederschuhe nähen, bis sich auf
unseren Fingern Blutblasen bildeten. Alle fertigen Produkte wurden anschließend
nach Amerika und nach Europa exportiert. Wir mussten von 7:30 Uhr bis um 1.00
Uhr arbeiten. Hinzu kommt noch die Nachtschicht, die jede Nacht von ein bis
vier Stunden andauerte. Wir arbeiteten auch am Wochenende. In einem Raum, der
ca. 30 Quadratmeter groß war, wurden 30 Personen eingezwängt. Es
gab nur ein Plumpsklo. Wenn wir schliefen, mussten wir uns seitlich mit dem
Kopf zu den Füßen des Nächsten und umgekehrt legen, um Platz
zu sparen. Unser Essen bestand aus verschimmeltem Reis. Im Arbeitslager behandelte
uns niemand als Menschen.
Bald verurteilte mich die bösartige KPC zu drei Jahren Gefängnis.
Am 8. März 2001 wurde ich in das Shaoguang Gefängnis gebracht (auch
als das Frauengefängnis der Provinz Guangdong bekannt). Ich wollte meinen
Glauben an Falun Gong nicht aufgeben und lehnte es ab, mich als schuldig zu
erklären. Deswegen bekam ich jeden Tag abwechselnd von der Ausbilderin
Luo, der Direktorin Dai, der Leiterin Zheng Zhu’e, der Leiterin Cai Guangping,
den Sachbearbeiterinnen Lin und Yang Guangping, Vorträge zu hören.
Dabei sprachen sie Drohungen und Versprechungen abwechselnd aus. Sie drohten
mir, beschimpften mich und wollten mich einer Gehirnwäsche unterziehen.
Oft zwangen sie mich dazu, Programme anzuschauen, die Falun Dafa und den Meister
Li verleumdeten. Als ich mich weigerte, meinen Glauben an Falun Dafa aufzugeben,
bestraften sie mich, indem ich mit dem Gesicht gegen die Wand stehen musste.
Ich durfte mich nicht bewegen, hinsetzen oder schlafen.
Jeden Tag musste ich mir Vorträge anhören, Berichte schreiben und
Bestrafungen über mich ergehen lassen. Am dritten Tag konnten meine Beine
mich nicht mehr tragen. Sie weckten mich auf und ließen mich wieder stehen.
Ich fiel wieder hin und erneut wollten sie, dass ich stehe. Diesen Vorgang wiederholten
sie solange, bis ich nicht einmal in der Lage war, aufzustehen. Schließlich
erlaubten sie mir ein kurzes Nickerchen zu machen, doch kaum eingeschlafen musste
ich wieder gegen die Wand stehen. Für viele Tage durfte ich nicht mehr
als zwei oder drei Stunden schlafen. Sogar während den zwei oder drei Stunden,
befahlen sie Gefangenen mit ansteckenden Krankheiten, mich als „persönliche
Cangue“ (3) zu bewachen. Eine von ihnen hatte Lungentuberkulose (TB) und
die andere hatte eine Hautkrankheit. So wurde auch mein Nickerchen dazu benutzt,
mich mit den ansteckenden Krankheiten zu ängstigen und mir zu drohen.
Während einer großen Versammlung zerrten mich die Aufseher auf
die Bühne. Die Ausbilderin Luo erzählte jedem, dass ich Falun Gong
übte und dass niemand mit mir reden oder irgendetwas mit mir teilen dürfte.
Sie erlaubten mir nicht die alltäglichen Notwendigkeiten zu kaufen. Ich
durfte nur Wasser aus dem Badezimmer trinken.
Jeden Tag wurde ich von drei oder vier „persönliche Cangues“
umringt. Ob ich aß, auf Toilette ging oder mich wusch, überall folgten
sie mir hin. Zudem bereiteten sie mir absichtlich Schwierigkeiten, misshandelten
und beschimpften mich. Hinzu kam noch, dass sie jedes meiner Worte und Handlungen
den ganzen Tag hindurch an ihre Leiterin meldeten.
Da ich die „Umerziehung“ (4) verweigerte, gaben die Aufseher mir
oft Elektroschocks. Sie drohten mir: „Wenn du dich nicht umerziehen lässt,
werden wir dich in den Nordwesten schicken.“ Der Nordwesten bezog sich
auf die Konzentrationslager in den entfernten, abgeschiedenen Regionen im Nordwesten
von China. Viele Inhaftierte dort verschwanden spurlos.
Nach nur einen Monat der Folter hatte ich einen Blutdruck von 220, der weiter
anstieg. Vorher hatte ich normale Werte gehabt. Ich war in einem tranceähnlichen
Zustand. Mein Blutdruck blieb hoch und trotzdem musste ich jeden Tag bis zu
14 Stunden Sklavenarbeit verrichten. Ich konnte keine Pause einlegen, bis ich
meine Aufgabe erledigt hatte. Wir stellten verschiedene Sorten Ledersandalen
und Lichterketten für die Weihnachtsbäume her. Die hohe Arbeitsintensität
und die extrem langen Arbeitsstunden erschöpften mich. Ich hatte das Gefühl,
als ob meine Gliedmaßen auseinander fielen.
Als die Ausbilderin Luo herausfand, dass ich mich immer noch weigerte Falun
Dafa aufzugeben, sagte sie eines Tages zu mir, dass sie zu nett zu mir wäre.
Dann drohte sie mir mich in einer Zelle mit einer psychisch kranken Patientin
einzusperren, damit diese ihre körperlichen Exkremente auf mich entleeren
könne. Sie gab mir 15 Minuten Überlegungszeit. Ich antwortete ihr:
„Ich habe keine Angst.“
Behinderte Sehkraft
Einige Tage später, um die 22.00 Uhr herum, kamen die Sekretärin
Lin und drei Schwerverbrecherinnen herein und zerrten mich in den Keller. Die
drei Gefangenen drückten mich zu Boden und hielten mich so fest, dass ich
mich nicht mehr bewegen konnte. Dann gab die Sekretärin Lin mir Elektroschocks.
Sie presste den Schocker auf meine Akupunkturpunkte und an die empfindlichen
Stellen, wie meine Schläfen, den Renzhong Akupunkturpunkt (Oberlippenrinne),
das zentrale Nervensystem am Halswirbel und an anderen Stellen. Ich schrie vor
Schmerz auf. Ich hatte das Gefühl, als ob mein Kopf durch die Elektroschocks
zerbersten würde. Ich konnte den Schmerz, der meinen Körper durchdrang,
kaum ertragen. Nach 30 oder 40 Minuten der Folter, hielt ich es nicht mehr aus.
Am nächsten Morgen konnte ich nur noch verschwommen sehen. Alles war dunkel.
Das war das Resultat der Elektroschocks. Erst unter eindringlicher Forderung
brachte die Leiterin Zheng und die Sachbearbeiterin Yang mich ins Lishi Krankenhaus
(außerhalb des Gefängnisses). Die Untersuchung ergab, dass meine
Sehnerven an vielen Stellen bluteten. Ich verlor meine Sehkraft auf dem linken
Auge. Der Arzt sagte, dass es nie wieder verheilen würde und ich bald blind
werden würde. Auch mein rechtes Auge war davon betroffen. Nun hat mein
rechtes Auge ein Sehvermögen von 0.1 und mein linkes Auge 0 (die normale
Sehkraft liegt bei 1.5).
Die Verfolgung von Falun Gong durch die KPC hat in meiner Familie großen
Schaden angerichtet. Mein Mann und ich wurden gefangen gehalten. Meine Tochter
war gerade mal 14 Jahre alt und hatte niemanden, der sich um sie kümmerte.
Meine Mutter starb an der Verfolgung. Es gibt keine Entschädigung für
diese Verluste.
Der Gefangene Liu Cheng beteiligte sich im Gefängnis daran, mich zu verfolgen.
Er sagte zu mir: „Du bist nichts im Vergleich zu Song Ping. Sie wurde
noch schlimmer gefoltert. Was du erträgst ist nur 1/10 davon, was sie erlitten
hat. Als Song Ping mit Elektroschocks gefoltert wurde, schütteten sie Wasser
über sie, bis sie damit voll gesogen war. Dann legten sie mehrere Elektroschocker
auf einmal an ihren Körper an. Als der Strom ihren Körper durchdrang,
sprang sie gegen die Wand und dann zurück auf den Boden. Dann wiederholten
sie den Vorgang wieder. Frau Song hatte über ihren ganzen Körper Blutergüsse.
Sie sah sehr schlimm aus. Danach konnte sie nicht mehr essen und musste ins
Krankenhaus eingeliefert werden.“
Mein Auge war nach der Elektroschockfolter blind. Dennoch musste ich jeden
Tag übermäßige Arbeit verrichten, bis das Gefängnis mich
zwei Monate vorzeitig, auf Bewährung für eine medizinische Behandlung,
entließ. Meine Familie brachte mich nach Hause.
Doch nur zwei Monate nach meiner Rückkehr, brachen am 27. Februar 2003,
um 22.00Uhr, der Polizeibeamte Wang Xiang und über ein Dutzend Personen
vom Shenzhen „Büro 610“ in mein Haus ein und entführten
meinen Mann und mich. Sie brachten uns wieder zur Futian Strafanstalt. In der
Strafanstalt traf ich Frau Wang Suqin, eine 67-jährige Falun Gong-Praktizierende.
Sie erzählte mir, dass die Polizei vom Shenzhen „Büro 610“
sie verhört und in einer kleinen Einzellzelle eingesperrt hatte. Im eiskalten
Winter ließen sie für zwei volle Tage einen Ventilator gegen sie
blasen, entzogen ihr den Schlaf und ließen sie hungern.
Dann führte sie weiterhin fort, dass ihre Tochter Li Xiaoqiu auch in
der Futian Bezirksstrafanstalt gefangen gehalten wurde. Ihre Tochter wurde vom
Shenzhen „Büro 610“ erbarmungslos gefoltert. Sie bat jemanden
ihrer Mutter eine Nachricht zu überreichen, in der sie sagte, dass sie
nicht Selbstmord begehen würde und dass wenn sie sterben würde, die
Folter der Grund war.
Folter im Sanshui Arbeitslager für Frauen
Weil ich mich nicht „umerziehen“ lassen wollte, wurde ich nur
zwei Monate nach meiner Entlassung, rechtswidrig zu weiteren zwei Jahren Umerziehung
durch Arbeit verurteilt. Ich wurde in der dritten Brigade des ersten Bezirks,
im Arbeitslager für Frauen in Sanshui, der Provinz Guangdong, gefangen
gehalten.
Im Sanshui Arbeitslager wurde ich in eine kleine Zelle eingesperrt. Alle Fenster
und Türen waren mit Papier blickdicht bedeckt. Die Gefängnisaufseherinnen
Xie und Tang und die Leiterin Ge, die Abteilungsleiterin Chen, die Leiterinnen
Tang und Zhang und die Aufseherin Liu Ai, verfolgten mich. Sie erlaubten mir
weder meiner Familie zu schreiben, noch erlaubten sie meiner Familie mich zu
besuchen. Jeden Tag unterzogen sie mich einer Gehirnwäsche. Sie hielten
Vorträge, zwangen mich Programme anzuschauen, die Falun Gong und Meister
Li verleumdeten und ließen mich Berichte schreiben. Ich durfte nicht schlafen
und nicht auf die Toilette gehen.
Die seelische Folter und die Gehirnwäsche war das Schlimmste von allem.
Sie zwingen einen, gegen sein Gewissen zu lügen, das Gute und Böse
zu verdrehen und Gottheiten und Buddhas zu verleumden. Der Schmerz der seelischen
Folter war unbeschreiblich. Ich habe gesehen, wie einige Praktizierende danach
ernsthaft krank wurden, nachdem sie „umerzogen“ worden sind. Einige
konnten noch nicht einmal gehen. Mehr als 30 Falun Gong Praktizierende wurden
verfolgt und bekamen infolgedessen oft hohen Blutdruck. Ich kannte eine Falun
Gong-Praktizierende, die verfolgt und danach psychisch krank war; das Gefängnis
informierte die Familie nicht. Einige Praktizierende bestanden nach der Folter
nur noch aus Haut und Knochen.
Einige Praktizierende mussten aus dem Gefängnis getragen werden, weil
sie bis zu einem äußerst kritischen Zustand verfolgt wurden. Wenn
das Gefängnis solche Praktizierende heraus transportieren ließ, trieben
die Aufseher alle anderen in andere Räume und verschlossen die Tür.
Die Aufseher und drogensüchtigen Gefangenen umwickelten die im Sterben
liegende Praktizierende in eine Decke, trugen sie herunter und brachten sie
im Geheimen woanders hin. Niemand weiß, wohin sie gebracht wurde. Welch
Gräueltat hatten sie mit ihr vor?
Bei unserer Sklavenarbeit mussten wir Müll sortieren. Der Müll wurde
aus Hongkong geliefert. Es war eklig und stank scheußlich. Wir mussten
aus dem Müll Plastik und Metall heraussuchen. Niemand außerhalb des
Gefängnisses, würde solch eine Drecksarbeit machen. Doch wir mussten
sie erledigen. Jeder hatte eine Tagesquote gehabt. Unsere Strafzeit wurde verlängert,
wenn wir die Quote nicht einhielten.
Eines Tages im Mai 2004, riefen sie etwa 160 Falun Gong Praktizierende zusammen.
Ärzte vom Volkskrankenhaus in Foshan kamen herein und verabreichten uns
eine Injektion. Wir wussten nicht, was für eine Injektion es war. Ich fragte
die Leiterin Sun, warum nur Falun Gong-Praktizierende, aber keine anderen Gefangenen
(wie die Drogensüchtigen) die Injektion bekamen. Sie erwiderte: „Wir
werden ihnen keine Injektion geben, auch wenn sie eine haben wollen. Dies ist
die Sonderbehandlung der Regierung für euch.“
Mehrere Wachen hielten eine Praktizierende fest und gaben ihr gewaltsam die
Injektion. Die Praktizierende fiel sofort in Ohnmacht. Als ich sah, wie viele
Praktizierende gegen die Injektion Widerstand leisteten, tat ich das Gleiche.
Trotz des Kampfes, schafften die Verfolger es bei vielen, gewaltsam die Flüssigkeit
zu injizieren. Doch im Großen und Ganzen gaben die Aufseher auf, wenn
wir uns der Injektion verweigerten.
Einige Tage später änderten sie ihre Taktik. Die Wachen brachten
einige Praktizierende in Gruppen zu der Klinik des Arbeitslagers. Dann kamen
die Ärzte des Volkskrankenhauses in Foshan herein und untersuchten sie
körperlich. Sie nahmen Blutproben, führten Elektrokardiogramme durch
und röntgen sie. Die Ausrüstung wurde vom Volkskrankenhaus zur Verfügung
gestellt und in einem großen Bus eingebaut.
Als mich ein Arzt untersuchte, wollte er detailliert über den Zustand
meines Herzens erfahren. Er fragte, ob ich vorher Herzprobleme hatte. Während
der körperlichen Untersuchung, drückte und fasste der Arzt an meine
Taille (der Nierenbereich) und fragte mich, ob es schmerzte. Jede Praktizierende
wurde körperlich untersucht und ihnen wurde Blut entnommen, auch die psychisch
kranken Praktizierenden. Nur die Gefangenen, die nicht Falun Gong übten,
wurden nicht untersucht. In Hinblick auf die neuesten Verbrechen des Organraubes
an Falun Gong Praktizierende durch die KPC, wird der Grund für die körperliche
Untersuchung ersichtlich.
Wenn Leute kamen, die das Gefängnis oder das Arbeitslager kontrollierten,
wurden alle Falun Gong Praktizierende, bis auf diejenigen, die aufhörten
sich zu kultivieren, in einen geheimen Raum eingesperrt. Die anderen wurden
interviewt und mussten die Lügen erzählen, die ihnen die Ausbilder
vorgaben.
Durch die langzeitliche Verfolgung im Sanshui Arbeitslager für Frauen,
war ich nahe dran zusammenzubrechen. Mein Blutdruck lag bei 250 und ich fiel
oft in Ohnmacht. Ich war ständig in einem lebensbedrohlichen Zustand. Und
da das Arbeitslager die Verantwortung für meinen möglichen Tod nicht
übernehmen wollte, entließen sie mich am 20. September 2004 auf Bewährung.
Aus den Fängen der KPC entkommen
Das gottlose Shenzhen „Büro 610“ startete wieder eine neue
Welle der Verfolgung. Am Abend des 7. Septembers 2005 wurden wir informiert,
bevor sie kamen. Wir flohen sofort von Zuhause. Wir konnten gerade noch entkommen,
als sie kurze Zeit später ankamen. Sie konnten uns nicht verhaften. Dennoch
gaben sie nicht auf und suchten an mehreren Orten nach uns und versuchten uns
mittels Telekommunikation und Videokameras, uns an den großen Eingängen
und Ausgängen der Stadt Shenzhen, aufzuspüren.
Fast zwei Monate lang lebten wir ohne Geld und ohne ein Dach über dem
Kopf. Unsere Ankunft in Thailand schafften wir erst durch unzählige, unbeschreibliche
Schwierigkeiten. Wir gingen zur Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen
und beschrieben ihnen unsere persönlichen Erfahrungen und legten ihnen
die wahre Situation von Falun Gong in China dar. Mit Hilfe der UN-Flüchtlingsagentur,
konnten wir schließlich den Fängen der KPC entkommen und kamen schließlich
in Norwegen an.
Mein Mann und ich möchten uns bei den Vereinten Nationen und der norwegischen
Regierung für ihre Unterstützung und Hilfe bedanken. Wir würden
auch gerne an alle gutherzigen und aufrichtigen Menschen auf der ganzen Welt
und an alle aufrichtigen Regierungen appellieren, zusammen gegen die Verfolgung
von Falun Gong durch die Kommunistische Partei in China, vorzugehen.
Anmerkungen:
(1) Yuan ist die chinesische Währungseinheit. Das durchschnittliche Monatseinkommen
eines Stadtarbeiters in China beträgt ca. 500 Yuan.
(2) Das „Büro 610“ ist ein staatliches Organ, das eigens für
die systematische Verfolgung von Falun Gong geschaffen wurde. Es untersteht
direkt dem Komitee für Politik und Recht des Zentralkomitees der KP Chinas
und besitzt uneingeschränkte Vollmacht gegenüber allen Verwaltungsbehörden
und Justizorganen.
(3) "persönliche cangues" (Es gibt „offene cangues"
und "geheime cangues") [Anmerkung: Cangue ist der Name eines Folterinstrumentes
und wird nun verwendet, um Personen zu bezeichnen, die auserwählt wurden
um das Verhalten der Praktizierenden zu beobachten].
(4) „Umerziehung“ ist eine oft verwendete Formulierung für
Folter und Misshandlung, eine übliche Taktik im Versuch Falun Gong Praktizierende
dazu zu bringen, ihren Glauben zu widerrufen.