Peking – Chinas Probleme mit Blei in Alltagsprodukten gehen weit über den jüngsten Skandal mit verseuchten Spielwaren hinaus. Blei wird in der Volksrepublik in einer Vielzahl von Artikeln verwendet. Wie viele Chinesen durch den Umgang mit dem giftigen Schwermetall gesundheitlich belastet sind, ist unbekannt. Experten schätzen, dass vor allem Kinder betroffen sind.
Die chinesische Regierung hat viele Jahre lang die gesundheitlichen und ökologischen Probleme ignoriert, die der atemberaubende Wirtschaftsboom des Landes mit sich gebracht hat. In den vergangenen Jahren ist Peking aber dem Beispiel westlicher Industrieländer gefolgt und hat beispielsweise verbleites Benzin verboten und die Standards für andere Produkte verschärft.
Allerdings fällt es der Zentralregierung schwer, derartige Vorschriften in der Wirtschaft durchzusetzen, wo unzählige Fabriken der Schattenwirtschaft gefälschte Produkte und Billigware produzieren, wie Jamie Choi von der Umweltorganisation Greenpeace erklärt. Zudem setzten lokale Behörden Bestimmungen aus Peking, die den Unternehmen vor Ort schaden könnten, oft nur zögerlich um.
Die Gesundheitsschäden, die Blei bei Menschen anrichtet, sind weit verbreitet. Im bislang schlimmsten bekannt gewordenen Fall erlitten 877 Dorfbewohner, die in der Provinz Gansu in der Nähe einer Blei-Hütte lebten, nach Berichten staatlicher Medien Bleivergiftungen. Darunter waren 334 Kinder unter 14 Jahren. In der Stadt Dongguan nahe Hongkong wiesen laut einer Studie von 5.000 untersuchten Kindern 22 Prozent Blei über dem erlaubten Grenzwert in ihrem Blut auf. In der Boomtown fabrizieren Hunderte von Fabriken Billigmöbel, -spielwaren und andere Produkte, die in den Westen exportiert werden.
Im Südosten Chinas gibt es nach Angaben von Umweltschützern hohe Bleibelastungen in zahlreichen Dörfern, wo Bewohner mit der Hand alte Computer, Fernsehgeräte und anderen Elektroschrott aus den USA und Europa auseinanderbauen, um Metalle zu recyclen. Umweltschutzgruppen fordern die Regierung auf, die Verwendung von Blei in Gebrauchsgütern zu verbieten. Jamie Choi von Greenpeace verlangt, dass auch ausländische Konzerne ihrer Verantwortung gerecht werden und darauf achten, dass ihre Zulieferer die Vorschriften beachten. „Der starke Preisdruck, den die multinationalen Konzerne auf ihre chinesischen Zulieferer ausüben, führt oft dazu, dass sie Umweltvorschriften missachten“, betonte Choi. „Die Multis, die in China Geschäfte machen wollten, sollten das wissen.“ (AP)
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