Aktuelle Nachrichten – China - Politik
03.05.2012
Foto: The Epoch Times
Die Parteikader, die telefonisch Auskunft gaben – unter ihnen einige der mächtigsten Männer in der Kommunistischen Partei Chinas – wussten eigentlich, dass sie nicht über eine unsichere Leitung frei sprechen sollten. Denn die kurzen Antworten, die sie einem getarnten Anrufer einer Menschenrechtsgruppe gaben, sind eindeutige Geständnisse. Geständnisse, dass sie Mitwisser, in einigen Fällen sogar Mitwirkende, an der Entnahme von Organen von politischen Gefangenen aus der Falun Gong-Bewegung waren.
Die Weltorganisation zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong (World Organization to Investigate the Persecution of Falun Gong, WOIPFG), eine Menschenrechtsgruppe, veröffentlichte am 30. April Tonaufnahmen von sechs Telefonaten. Die zwischen 2008 und Mitte April 2012 entstandenen Aufnahmen enthüllen, dass die Kenntnis von Organentnahmen unter den obersten Parteikadern offenkundig weit verbreitet ist.
Wang Zhiyuan, der Sprecher der WOIPFG, machte keine Angaben darüber, wie die Gruppe an die Telefonnummern kam oder wer der Anrufer war. Experten, die die Aufnahmen anhörten, sind überzeugt, dass sie authentisch sind.
„Diese Telefonate beweisen eindeutig, dass das Komitee für Politik und Recht und sein Sekretär Zhou Yongkang unmittelbar an der Organentnahme bei lebenden Falun Gong-Anhängern beteiligt waren, wir haben diesen Beweis zum ersten Mal erbracht. Dies ist ein Völkermord“, so Sprecher Wang.
Im April 2012 fragte der Anrufer den Propagandaminister Li Changchun, ob er „Bo Xilais Beteiligung an der Ermordung von Falun Gong-Anhängern und der Entnahme ihrer Organe als Grund verwenden werde, um Bo zu verurteilen.“ Li Changchun antwortete: „Zhou Yongkang ist dafür zuständig, er weiß Bescheid.“
Im Mai 2008 wurde Zhou Yongkang zu einer Gruppe von Falun Gong-Anhängern befragt, die aus einem Militärkomplex in der Provinz Sichuan nach einem Erdbeben geflohen waren. Zhou fragte zurück: „Wieviele Menschen sind entkommen?“
Ein weiteres Telefonat im April 2012 wurde mit Tang Junjie geführt, der Vorsitzender der regionalen Zweigstelle des Komitees für Politik und Recht in der Provinz Liaoning war. Dieses Gespräch lässt erkennen, dass hochrangige Regierungsvertreter über die erzwungene Organentnahme diskutiert hatten.
Der WOIPFG-Anrufer fragte: „Welche Anweisungen gab Bo zur Entnahme von Organen an Falun Gong-Anhängern?“ Tang Junjie antwortete: „Ich wurde mit dieser Aufgabe betraut. Eigentlich kümmert sich die Parteizentrale darum ... Zu diesem Zeitpunkt haben wir hauptsächlich während der Treffen des Ständigen Ausschusses darüber gesprochen.“
Mit der „Parteizentrale“ sind die hochrangigen KP-Führer in Peking gemeint, der „Ständige Ausschuss“ bezieht sich in diesem Fall auf den Ständigen Ausschuss der Provinz Liaoning, die höchste KP-Vertretung in der Provinz.
Die Aufzeichnungen beantworten nicht die Frage, ob die Organentnahme bei Falun Gong-Anhängern Teil einer systematischen, hierarchischen Planung war oder ob sie eine örtliche, gewinnbringende Handelsmaßnahme war, die später von der Parteizentrale abgesegnet wurde.
Die Regierungsvertreter gaben zudem kein direktes Eingeständnis ab, am Organhandel beteiligt zu sein. Die Angerufenen wurden oft schnell misstrauisch und wollten über das „rote Telefon“ weitersprechen, eine sichere Verbindung, die für hochrangige Kader vorgesehen ist.
Allerdings zeugen die Antworten von Vertrautheit mit solchen Vorgängen. „Niemand streitet irgendetwas ab, alles stimmt mit unseren bisherigen Erkenntnissen überein“, sagte David Matas, Anwalt für internationales Menschenrecht und Co-Autor eines Berichts über Organentnahme an Falun Gong-Anhängern.
„Dies ist der auffälligste Aspekt der Aufnahmen“, erklärt Ethan Gutmann, ein investigativer Journalist, der zahlreiche Berichte über den Missbrauch von Organtransplantationen durch chinesische Sicherheitskräfte veröffentlicht hat. „Nicht ein Einziger der Befragten erwiderte: ‚Was soll dieser Unfug? Ich weiß nicht, wovon Sie reden.'“
Der Journalist Ethan Gutmann über die Telefonate auf Seite 2:
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