Menschen & Meinungen – Christen in Bethlehem warten auf den Nikolaus – Diaa Hadid
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Christen in Bethlehem warten auf den Nikolaus

Diaa Hadid

05.12.2007

Bethlehem – Der Nikolaus in Bethlehem trägt zum roten Mantel und weißen Bart stets auch eine dunkle Sonnenbrille. Damit soll verhindert werden, dass die Kinder der kleinen christlichen Gemeinde in der Stadt den Überbringer der Geschenke womöglich erkennen. Schon seit Jahren bietet Hana Rischmawi, Besitzer des Spielzeug- und Geschenkeladens „Jasmina“, Eltern die Möglichkeit, die bei ihm erworbenen Waren von einem Nikolaus ausliefern zu lassen. Und in diesem Jahr wird davon besonders viel Gebrauch gemacht, denn die allgemeine Stimmung ist positiv.

Die jüngsten Bemühungen der Israelis und Palästinenser, den Friedensprozess wiederaufleben zu lassen, sind nicht ohne Auswirkungen auf Bethlehem geblieben. Die Stadt im Westjordanland, in der nach christlichem Glauben Jesus Christus geboren wurde, war schon immer vorrangig vom Tourismus abhängig. Dieser allerdings hat in den Jahren der Intifada, des Ende 2000 begonnenen Aufstands der Palästinenser, stark gelitten. „Wenn die Politik den Bach 'runtergeht, geht auch der Tourismus den Bach 'runter“, resümiert der Restaurantbesitzer George Dschuha die Lage.

Das Jahr 2007 gilt indessen als das seit langem beste Jahr für die kleinen Geschäftsleute von Bethlehem. Allein im Oktober kamen rund 40.000 Touristen – obwohl sie zunächst den Kontrollpunkt an der von Israel errichteten Sperranlage passieren müssen, was häufig mit Wartezeiten verbunden ist. Und zum bevorstehenden Weihnachtsfest wird mit einem wahren Boom gerechnet. Zwar bleiben die Besucher in der Regel nur zwei Stunden, um vor allem die Geburtskirche zu besuchen. Dennoch bleibt dann immer noch etwas Zeit für einen Snack oder den Kauf eines Souvenirs.

Wenn die Händler und Imbissstubenbesitzer aber genügend Einnahmen haben, dann sind sie auch in der Lage, ihren Kindern größere Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Davon wiederum profitiert Rischmawi. In diesem Jahr hätten manche Familien umgerechnet bis zu 35 Euro für ein einzelnes Geschenk ausgegeben, freut sich der Spielwarenverkäufer aus Beit Sahur, einer Ortschaft am Rande von Bethlehem. Und viele Eltern hätten zudem die Zusatzleistung gebucht, die Waren von einem Nikolaus ausliefern zu lassen.

Selbst Muslime greifen gelegentlich auf diese beliebte Tradition zurück, doch in der Regel sind es die Kinder der christlichen Familien, die vom Nikolaus aufgesucht werden. Deren Anzahl geht allerdings ständig zurück: Nur noch zwei Prozent der rund 2,5 Millionen Palästinenser im Westjordanland bekennen sich zum christlichen Glauben. Jahre des israelisch-palästinensischen Konflikts und daraus resultierende wirtschaftliche Not sowie ein wachsender Fundamentalismus auf Seiten der Muslime haben einen wahren Exodus der Christen ausgelöst.

Doch in diesem Jahr sieht die Lage hoffnungsvoller aus. Zudem hat die palästinensische Regierung unter Ministerpräsident Salam Fajjad den bedrängten Geschäftsleuten Hilfe versprochen. Sie sollen eine Bargeldzuwendung von umgerechnet 820 Euro erhalten, damit sie ihre Läden in den kommenden sechs Monaten auf keinen Fall schließen. In dieser Zeitspanne hofft man, den Tourismus weiter anzukurbeln. Außerdem sollen umgerechnet 70.000 Euro für die Weihnachtsdekoration und -beleuchtung in Bethlehem und den umliegenden Dörfern bereitgestellt werden. Unter der alten Hamas-Regierung gab es dafür nur die Hälfte.

Der Spielwarenhändler Rischmawi hat schon so viele Aufträge, dass seine Weihnachtsmänner, meist Familienangehörige, mit der Auslieferung von Geschenken zum Nikolaustag kaum noch nachkommen. Er hat deshalb als Alternative eine Halle angemietet und weihnachtlich ausgestattet. Da können sich Kinder in Begleitung ihrer Eltern die Geschenke direkt beim Nikolaus abholen. Und sie können sich mit ihm in seiner Grotte fotografieren lassen. (AP)

 

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