Berlin – Am 9. November 1989 öffnete sich die Mauer zwischen DDR und Bundesrepublik, kein Jahr später war Deutschland vereint. Eine Chronik zeichnet Ereignisse vor 20 Jahren nach:
- 1. November: Nach einem Treffen mit dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow in Moskau erteilt Honeckers Nachfolger Egon Krenz einer deutschen Wiedervereinigung eine Absage.
- 2. November: Volksbildungsministerin Margot Honecker, FDGB-Chef Harry Tisch, die Vorsitzenden von CDU und NDPD sowie die SED-Bezirksvorsitzenden aus Suhl und Gera treten zurück. Wieder demonstrieren Zehntausende in mehreren Städten für Reformen.
- 3. November: Das SED-Politbüro stimmt der direkten Ausreise von 6.000 Botschaftsflüchtlingen in Prag in die Bundesrepublik zu. Krenz beteuert in einer Fernsehansprache den Erneuerungswillen der SED (“Ein Zurück gibt es nicht“) und appelliert an die Ausreisewilligen, im Land zu bleiben. Er verspricht unter anderem die baldige Veröffentlichung eines Reisegesetz-Entwurfes und kündigt den Rücktritt von fünf Politbüro-Mitgliedern an.
- 4. November: Bei der größte Massendemonstration der DDR-Geschichte auf dem Berliner Alexanderplatz fordern Hunderttausende Reformen, freie Wahlen und Meinungsfreiheit. Viele Prominente ergreifen das Wort.
- 5. November: Über das Wochenende 4./5. November reisen insgesamt 23.200 DDR-Bürger über die CSSR in die Bundesrepublik aus. Bis zum Abend des 8. November sind es schätzungsweise 45.000.
- 6. November: Stasi-Chef Erich Mielke ordnet Aktenvernichtungen an. Die SED-Führung veröffentlicht den angekündigten Reisegesetz-Entwurf, der nur noch Empörung hervorruft. Auf der Leipziger Montagsdemonstration heißt es unter anderem: „Wir brauchen keine Gesetze, die Mauer muss weg.“
- 7. November: Der DDR-Ministerrat unter Vorsitz von Willi Stoph tritt zurück.
- 8. November: Auch das SED-Politbüro tritt geschlossen zurück. Im Bundestag erklärt Kanzler Helmut Kohl, wenn die SED auf ihr Machtmonopol verzichte, unabhängige Parteien zulasse und freie Wahlen verbindlich zusichere, sei er bereit, „über eine völlig neue Dimension unserer wirtschaftlichen Hilfe zu sprechen“. In der „Aktuellen Kamera“ des DDR-Fernsehens appelliert die Schriftstellerin Christa Wolf am Abend an alle Ausreisewilligen, zu bleiben und auf Demokratisierung hinzuwirken. Der von etlichen Künstlern und Bürgerrechtlern unterzeichnete Aufruf steht am nächsten Morgen auf der Titelseite des „Neuen Deutschland“.
- 9. November: Auf einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Politbürositzung gibt Günter Schabowski die neue Reiseregelung bekannt, wonach die Ausreise ins westliche Ausland ohne besondere Gründe möglich ist. Auf Nachfrage, wann die Regelung in Kraft treten solle, antwortet er: „Ab sofort, unverzüglich!“ Um 19.05 Uhr berichtet AP in einer Eilmeldung: „DDR öffnet Grenze“. Die Nachricht verbreitet sich über die Medien wie ein Lauffeuer, ein Ansturm auf die Grenzübergänge setzt ein. Vergeblich versucht die Staatsmacht zu erklären, dass vor der Ausreise noch förmlich ein Antrag gestellt werden muss. Gegen Mitternacht kapitulieren die Grenzwächter an allen Berliner Übergängen und öffnen die Tore. Ungehindert strömen die Menschen in Scharen nach Westen und feiern auf den Straßen.
- 10. November: Kohl bricht einen Besuch in Polen ab und kommt zu einer Kundgebung am Schöneberger Rathaus nach Berlin. Als erster neuer Grenzübergang wird die Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Westberlin geöffnet. Im übermütigen Jubel am Brandenburger Tor beginnen erste „Mauerspechte“ zu hämmern.
- 11. November: Weitere Übergänge in Berlin werden geöffnet. An diesem Samstag strömen weit über eine Million Menschen aus Ostberlin und dem Umland nach Westberlin. Der Verkehr bricht zusammen, auf dem Kurfürstendamm ist auch zu Fuß kein Durchkommen mehr. Lange Schlangen bilden sich vor den Banken, die 100 D-Mark Begrüßungsgeld auszahlen. Über die innerdeutsche Grenze rollen kilometerlange Trabi-Konvois, die Züge sind überfüllt.
- 12. November: Am Potsdamer Platz wird ein weiterer Übergang eröffnet. Eine Million DDR-Bürger besucht an diesem Sonntag Westberlin. Die Sperrzone entlang der Mauer und innerdeutschen Grenze wird aufgehoben.
- 13. November: In der DDR-Volkskammer kündigen die Blockparteien der SED die Gefolgschaft auf und fordern freie Wahlen. Stasi-Minister Mielke stammelt in einer Rede „Ich liebe, ich liebe doch alle Menschen“ und wird ausgelacht.
- 14. November: Die DDR richtet sich auf die Rückkehr von Übersiedlern ein, doch nur wenige melden sich.
- 15. November: Die DDR-Zentralverwaltung für Statistik erklärt das Ende „statistischer Schönfärbereien“. Allein in Westberlin werden bisher über 150 Millionen D-Mark Begrüßungsgeld ausgezahlt.
- 16. November: In Bonn debattiert der Bundestag über die Situation in der DDR und eine mögliche Wiedervereinigung. Kohl erklärt, die „Landsleute in der DDR“ müssten selbst entscheiden, welchen Weg sie in Zukunft gehen wollten.
- 17./18. November: Die Volkskammer wählt eine neue, „demokratische Koalitionsregierung“ aus SED und Blockparteien unter Ministerpräsident Hans Modrow.
- 19. November: Am zweiten Wochenende nach dem Mauerfall besuchen ADN zufolge über drei Millionen DDR-Bürger die Bundesrepublik und Westberlin.
- 20. November: Wieder Montagsdemonstrationen in zahlreichen Städten der DDR. In Leipzig heißt eine Parole jetzt „Deutschland – einig Vaterland“.
- 22. November: Das SED-Politbüro erklärt sich zu einem „Runden Tisch“ nach polnischem Vorbild mit Blockparteien und Bürgerbewegung bereit.
- 23. November: Der vormalige ZK-Sekretär für Wirtschaft, Günter Mittag, wird aus der SED ausgeschlossen. Gegen Erich Honecker wird ein Parteiverfahren eingeleitet.
- 25. November: In Plauen wird erstmals öffentlich die Wiedervereinigung gefordert.
- 26. November: Bürgerrechtler, Künstler und SED-Reformer plädieren in einem Aufruf „Für unser Land“ für einen reformierten Sozialismus und die Eigenständigkeit der DDR.
- 28. November: Kohl legt im Bundestag einen Zehn-Punkte-Plan zur schrittweisen Überwindung der deutschen Teilung vor. Er geht zu diesem Zeitpunkt noch davon aus, dass ein Einigungsprozess fünf bis zehn Jahre beanspruchen werde.
http://www.stiftung-aufarbeitung.de/
http://www.chronik-der-mauer.de/
http://www.dhm.de/lemo/html/1989/index.html (AP)
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