Aktuelle Nachrichten – Menschen
12.11.2012
Foto: dapd/Michael Gottschalk
Berlin – Der ZDF-Journalist Claus Kleber will mit seinem neuen Buch die Diskussion über die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels vorantreiben. In der angelsächsischen Welt werde dieses Thema viel intensiver debattiert, sagte Kleber am Montag bei der Präsentation von "Spielball Erde - Machtkämpfe im Klimawandel" in Berlin. Mit seinem Buch wolle er die "Aufmerksamkeit auch in Deutschland für dieses Thema wecken".
Unterstützung bei der Buchvorstellung erhielt der "heute-journal"-Moderator vom ehemaligen Chef des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau. Kleber beleuchte in "Spielball Erde" die strategische Bedeutung knapper Ressourcen, sagte Uhrlau. Er analysiere "eine komplizierte, fragile Gegenwart" und lasse "einen beängstigenden Blick auf die nächsten Jahrzehnte zu". Dabei stelle er die Ressource Wasser in den Vordergrund.
"Spielball Erde" beruht zum Teil auf der von Kleber produzierten ZDF-Dokumentation "Machtfaktor Klima", die im vergangenen Jahr ausgestrahlt wurde. Als Co-Autorin des Buches fungierte die kanadische Journalistin Cleo Paskal. Für seine Recherchen reiste Kleber nach Nord- und Südamerika, Asien, Afrika, in die Arktis und den Südpazifik. Er thematisiert unter anderem, dass China riesige landwirtschaftliche Flächen in Entwicklungsländern übernommen habe und sich so langfristig im weltweiten Wettbewerb um Agrarprodukte uneinholbare Vorteile verschaffen könnte.
Kleber sprach sich dafür aus, dass sich Deutschland und Europa "positiv einmischen". In den meisten europäischen Staaten habe man - anders als in den USA, Großbritannien oder China - noch nicht erkannt, dass die klimatischen Veränderungen auch Sicherheitsprobleme mit sich brächten, sagte Kleber im dapd-Interview. "Die Verantwortung, solche Probleme anzupacken, überlassen wir gerne der Weltpolizei Amerika."
"Ich finde, wir haben eine Verantwortung über unsere Grenzen hinweg", fügte Kleber hinzu. Dafür wolle er in seinem Buch werben. "Es ist kein Buch, das dafür wirbt, beim Zähneputzen das Wasser abzuschalten, sondern es soll ein Bewusstsein schaffen für die großen Zusammenhänge, die wir noch nicht gesehen haben."
Das Buch sei eigentlich nicht geplant gewesen, aber er habe über den zweiteiligen Film hinaus noch so viel zu erzählen gehabt, erklärte der Journalist. "Außerdem sind die Dinge mächtig in Fluss. Es hat sich schon wieder viel getan. Die Entwicklung wird immer spannender."
Auch als "heute journal"-Moderator profitiere er von seinen vielen Reportagereisen. "Das hilft mir auch, wenn ich morgen plötzlich wieder über Pakistan oder Indien in meiner Sendung berichte", sagte der 57-Jährige. So wisse er beispielsweise inzwischen, wie sich ein pakistanischer Nationalist anhöre, wenn er über Indien rede. Aus eigener Anschauung könne er ein ganz anderes Gefühl für die Länder entwickeln, als wenn er auf Archivtexte angewiesen sei.
dapd
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