Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
03.11.2010
Foto: DAVID HECKER/AFP/Getty Images
Hannover – Der Autozulieferer Continental hat im vergangenen dritten Quartal von der überraschend schnellen Erholung der Branche profitiert und unerwartet starke Zahlen verbucht. Die Anfang Juli zum zweiten Mal erhöhte Prognose für das laufende Jahr ist damit schon wieder hinfällig. Conti kehre "schrittweise zu früherer Stärke zurück", sagte Konzernchef Elmar Degenhart am Mittwoch in Hannover.
Weltweit anziehende Autoverkäufe, ein starkes Reifengeschäft und der strikte Sparkurs haben dem MDAX-Konzern von Juli bis Ende September unter dem Strich einen Gewinn von 14 Millionen Euro beschert. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von mehr als 1 Milliarde Euro angefallen. Der Umsatz stieg von Juli bis Ende September auf 6,5 Milliarden Euro ein, gut ein Fünftel mehr als im schwachen Vorjahreszeitraum.
Gestiegene Rohstoffkosten vor allem für Naturkautschuk, die Schließung der Lkw-Reifenproduktion in Hannover, weitere Abschreibungen auf den Kaufpreis der einstigen Siemens VDO sowie hohe Zinsen für Kredite und Anleihen dürften Conti zwar weiter belasten. Für das Gesamtjahr 2010 rechnet Conti dennoch mit Einnahmen von mehr als 25 Milliarden Euro, 2 Milliarden Euro mehr als bislang erwartet. Auch unter dem Strich sollen nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten wieder schwarze Zahlen stehen.
Nach neun Monaten dieses Jahres beträgt das Nettoergebnis den Angaben zufolge 363 Millionen Euro. Ein Unternehmenssprecher führte den geringen Zuwachs im dritten Quartal auf höhere Steuerzahlungen zurück. Die Steuerquote des Konzern habe im dritten Quartal bei 50 Prozent gelegen. Bislang habe sie sich in der Regel um 25 Prozent bewegt. Grund für den Anstieg der Quote sei die Tatsache, dass die steuerlich absetzbaren Belastungen durch Zinszahlungen vor allem in den USA und Deutschland angefallen seien.
Erfolge konnten die Hannoveraner im bisherigen Jahresverlauf beim Schuldenabbau vermelden. Conti stand durch den VDO-Kauf Ende des Jahres 2009 mit knapp 8,9 Milliarden Euro bei den Geldgebern in der Kreide. Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung im Januar von gut 1 Milliarde Euro und Anleihen im Wert von 3 Milliarden Euro nutzte das Unternehmen aber zum Teil, um bis Ende September den Schuldenberg auf 8,1 Milliarden Euro abzuschmelzen.
Conti kündigte darüber hinaus an, seine Reifenproduktion in Brasilien ausbauen zu wollen. In den kommenden fünf Jahren werde die jährliche Kapazität von derzeit sechs Millionen auf zehn Millionen Reifen für Autos und Lastwagen erhöht, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer.
Der Konzern hatte bereits mitgeteilt, in Russland und Indien Autoreifen auch für die regionalen Märkte herstellen zu wollen. In China wird Conti ab Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres Reifen herstellen. Die Hannoveraner haben in den Wachstumsregionen im Vergleich zur Konkurrenz viel aufzuholen. Analysten haben stets bemängelt, dass Conti vor allem in Asien zu schwach vertreten sei. (dapd)
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