Aktuelle Nachrichten Europa – Coop darf Carrefour Verkaufsstellen übernehmen – DAPD
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Aktuelle Nachrichten – Europa

Coop darf Carrefour Verkaufsstellen übernehmen

DAPD

27.03.2008

Bern – Die Wettbewerbskommission (Weko) hat einer weiteren Bereinigung auf dem Schweizer Detailhandelsmarkt zugestimmt. Coop kann die zwölf Schweizer Carrefour-Verkaufsstellen übernehmen. Die gestellten Auflagen gegenüber Lieferanten und Konkurrenten stossen beim Detailhandelsriesen aber auf wenig Verständnis.

Vor gut einem halben Jahr hat die Weko grünes Licht für die Denner-Übernahme durch Migros gegeben, jetzt hiess sie grundsätzlich auch den Deal zwischen Coop und Carrefour gut. Das Duopol Migros und Coop werde zwar verstärkt, aber gesamtschweizerisch stehe der Markt auch nach dieser Übernahme unter dem Druck neuer Konkurrenten, sagte Weko-Präsident Walter Stoffel am Donnerstag vor den Medien in Bern. Damit diese sich positionieren könnten, hat die Weko die Übernahme an Auflagen geknüpft. Wie die Migros muss auch Coop die so genannten Exklusivitäten abschaffen, die Lieferanten vertraglich verbieten, gleichzeitig mehrere Detailhandelsunternehmen zu beliefern. Zudem wird Coop verpflichtet, für Lieferanten von Carrefour, die nicht übernommen werden und sich in einem Abhängigkeitsverhältnis befinden, eine individuelle Lösung zu finden. Konkret bedeutet dies, dass ihnen Zeit gegeben werden muss, sich aus der Abhängigkeit zu lösen, wie Stoffel ausführte.

Der Weko-Präsident fügte an, insbesondere in der Westschweiz, wo Carrefour vor allem präsent war, entstünden durch die Übernahme in einigen Regionen schwierige Situationen. Coop muss deshalb Verkaufsflächen im Gesamtumfang von 20.000 Quadratmetern anderen Interessenten anbieten. Zudem darf Coop in den nächsten sechs Jahren keine weiteren Unternehmen im Lebensmittel-Detailhandel übernehmen. Sollten sich die Verhältnisse im Schweizer Detailhandelsmarkt im Wesentlichen ändern und etwa Aldi und Lidl zusammen mindestens 250 Verkaufsstellen betreiben, hat Coop das Recht, ab 1. Januar 2010 bei der Weko die Abänderung beziehungsweise Aufhebung der Auflagen zu beantragen. Zur Zeit betreibt Aldi gut 50 Filialen in der Schweiz. Lidl plant den Markteintritt.

Nach Ansicht von Coop hätte eine vorbehaltlose Übernahme der Carrefour-Verkaufsstellen die bestehende dynamische und preisaktive Wettbewerbssituation im Schweizer Detailhandel nicht beeinträchtigt, wie das Unternehmen schreibt. Der bereits sehr harte Wettbewerb zwischen den beiden grossen Lebensmitteldetailhändlern werde auch in Zukunft durch die Aktivitäten von preisaktiven Discountern verschärft. Coop könne aus diesen Gründen die „interventionistische“ Haltung der Weko nicht nachvollziehen. Obwohl das Unternehmen für eine Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht gute Erfolgschancen sehe, werde Coop insbesondere im Interesse der Mitarbeitenden und Kunden sowie Lieferanten die Auflagen erfüllen und auf die Ergreifung von Rechtsmitteln verzichten.

Coop hatte vergangenen August angekündigt, dass er vom französischen Detailhandelsriesen Carrefour für 470 Millionen Franken die zwölf grossen Einkaufszentren übernehme. In den kommenden Wochen wird mit der Umwandlung in Coop-Megastores begonnen, wie der Konzern schreibt. Die 2.200 Carrefour-Mitarbeitenden werden übernommen und dem Coop-Gesamtarbeitsvertrag unterstellt. Die Gewerkschaften Syna und Unia begrüssten das Verdikt der Wettbewerbshüterin denn auch. Damit verbessere sich die Situation der Mitarbeitenden. Unia will die Carrefour-Beschäftigten beim Übergang begleiten und fordert verbindliche Besitzstandgarantien für Personen, deren Funktionen im Rahmen der Übernahme wefallen. (AP)

 

 

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