Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
07.12.2009
Sindelfingen – Daimler-Chef Dieter Zetsche hat nach tagelangen Protesten der Beschäftigten gegen die Verlagerung der C-Klasse-Produktion eine Jobgarantie für das Mercedes-Werk in Sindelfingen abgegeben. Zetsche sagte am Montag auf einer Betriebsversammlung vor rund 12.000 Mitarbeitern: „Niemand im Werk Sindelfingen wird durch die Entscheidung zur C-Klasse seine Arbeit verlieren.“ Das größte inländische Pkw-Werk des Autobauers sei das Herz von Mercedes. Durch die geplante Verlagerung der C-Klasse-Fertigung in die USA und nach Bremen ab 2014 sieht der Betriebsrat bis zu 3.000 Stellen in Gefahr.
Zetsche verwies darauf, dass der Zusammenbau des SL-Roadsters von Norddeutschland ins Schwabenland verlagert werde. Zusätzlich zu den Arbeitsplätzen, die durch die SL-Montage entstünden, würden in der Summe 2.000 Jobs in Sindelfingen alternativ angeboten, „also mehr als die 1.800, die notwendig wären, um alle Kollegen in Beschäftigung zu halten“, erklärte er.
Insgesamt würden also 200 Stellen mehr geschaffen, als durch den Abzug der C-Klasse verloren gingen. Daimler wolle dazu auch ausgelagerte Aufgaben in den Konzern zurückholen und die betroffenen Mitarbeiter für eine Tätigkeit im Planungs- und Entwicklungsumfeld weiterqualifizieren, kündigte Zetsche an.
Zugleich trat der Vorstandschef Befürchtungen entgegen, dass es zu weiteren Produktionsverlagerungen kommen könnte. „Die nächste Generation der E- und S-Klasse wird definitiv hier in Sindelfingen gebaut“, sagte der Vorstandschef, dessen Rede teilweise mit Pfiffen und Buhrufen quittiert wurde. „Dreh- und Angelpunkt für die 'zweite Erfindung des Automobils' ist und bleibt Sindelfingen“, sagte Zetsche.
Bereits am Sonntag hatten Unternehmensleitung und Vorstand Gespräche aufgenommen. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm forderte eine Beschäftigungssicherung für das Werk Sindelfingen bis zum Jahr 2020 „schriftlich und verbindlich“, wie seine Sprecherin sagte. Die Verhandlungen sollen noch vor Weihnachten abgeschlossen werden. Bislang wird die C-Klasse in Sindelfingen, Bremen, Südafrika und China gefertigt. In der gesamten Produktion in Sindelfingen arbeiten laut Daimler zurzeit 20.000 Beschäftigte, davon weniger als 4.000 für die C-Klasse. Zetsche verteidigte erneut die umstrittene Entscheidung. Jede fünfte C-Klasse weltweit werde heute bereits in den USA verkauft. Es habe unabweisbare Vorteile, wenn auch dort ab 2014 produziert werde.
Unterdessen steigerte der Autobauer seinen Absatz im November deutlich. Die Kernmarke Mercedes-Benz legte bei den Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent auf 88.600 Pkw zu und war damit die Premiummarke mit dem größten Wachstum weltweit, wie Daimler mitteilte. Das Plus im Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars betrug 16 Prozent auf 98.400 Fahrzeugen. Ursache waren den Angaben zufolge weltweit zweistellige Wachstumsraten bei der E-Klasse und der neuen Generation der S-Klasse sowie auch hohe Zuwächse in zahlreichen Regionen, beispielsweise in Westeuropa, Nordamerika, Asien/Pazifik.
Für das vierte Quartal insgesamt rechnet das Unternehmen mit einem Absatz deutlich über dem Niveau des Vorjahres, getragen insbesondere durch die neue E-Klasse und die neue Generation der S-Klasse. (AP)
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