Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
14.11.2008
Berlin – Wenn sich die Absatzkrise der Autoindustrie weiter verschärft, schließt Daimler Kurzarbeit an den deutschen Standorten nicht aus. Gegenüber der „Bild“ machte Vorstandschef Dieter Zetsche das Ausmaß der Probleme deutlich: „Eine Krise dieser Dimension habe ich noch nicht erlebt, und ich habe in den letzten Wochen auch niemanden getroffen, der etwas anderes behaupten konnte.“
Die Autobranche – auch die Zulieferer und die Händler – sind ganz massiv von den Folgen der weltweiten Finanzkrise getroffen. Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage und der enormen Energiepreisschwankungen ist die Neigung zum Neuwagenkauf bei den Verbrauchern sehr schwach.
Zetsche sagte dazu: „In fast allen Märkten gibt es hohe Rückgänge von bis zu 35 Prozent.“ Kein Hersteller könne sich dem entziehen. Daimler wolle aber zumindest versuchen, seine Marktanteile zu verteidigen. „Das beste Rezept in schwierigen Zeiten sind überzeugende Autos“, sagte der Vorstandschef weiter.
Was diese wirtschaftlichen Verwerfungen für die Arbeitsplätze bei Daimler bedeuten, konnte Zetsche noch nicht vorhersagen. „Wir wissen nicht, wie hart uns die Krise erfasst.“ Deshalb könne er auch nichts zu etwaigen Stellenstreichungen sagen. Insgesamt gelte: „Wir müssen unsere Produktion der gesunkenen Nachfrage ständig anpassen. Es macht keinen Sinn, Autos auf Halde zu produzieren.“ Daimler sei dank Arbeitszeitkonten schon flexibel: „Je nachdem wie es weitergeht, könnten Arbeitszeitverkürzungen ein weiterer Schritt sein.“
Trotz des gesunkenen Börsenwertes des Konzerns macht sich Zetsche derzeit keine „großen Sorgen“ über eine feindliche Übernahme von Daimler. „Wir stehen in dieser Entwicklung nicht alleine da, alle Konzerne haben deutlich an Wert verloren.“ Gleichzeitig sei es schwieriger und teurer geworden, Kredite zu bekommen. „Das Risiko einer Übernahme ist nicht gewachsen“, wurde er zitiert.
Die Annahme staatlicher Hilfen schloss Zetsche nicht aus. Auch das gesündeste Unternehmen müsse sich am Finanzmarkt mit Kapital versorgen, sagte er der „Bild“-Zeitung. Wenn dies längerfristig nicht möglich sei, wäre es auch für die Automobilindustrie notwendig, den Staat um Unterstützung bei der Finanzierung zu fragen. Vorerst will Daimler jedoch keine Hilfe in Anspruch nehmen. „Wir wollen die Krise allein meistern“, sagte Zetsche.
Zetsche lobte, dass die Bundesregierung die schwierige Lage der Autoindustrie erkannt habe. Kritisch äußerte er sich jedoch über die geplante Kfz-Steuerbefreiung von Neuwagen, um den Absatz anzukurbeln: Die Höhe der Entlastung sei sicher zu gering, um dem Markt richtig Schwung zu verleihen. Auch Rabattaktionen lehnte er ab: Das werde die Kunden nicht auf Dauer überzeugen. Das beste Rezept in schwierigen Zeiten seien überzeugende Autos. (AP)