Aktuelle Nachrichten – Kultur
22.06.2012
Foto: Marco Borggreve
Mini-Kammerorchester mit weniger als zehn und Maxi-Sinfonieorchester mit mehr als achtzig Instrumenten - und beide nur getrennt durch eine kurze Pause. Das Lob Gottes, so zeigte ein weiterer Konzertabend in der Reihe „Internationale Orchester" in der Kölner Philharmonie, kann sich auf vielfältige Weise artikulieren. Diesmal musizierte das „Budapest Festival Orchestra" unter der Leitung von Iván Fischer, der mit seinem musikalischen Ansatz ein neues Hörerlebnis herbeizauberte.
Zu Beginn stand Johann Sebastian Bachs Kantate „Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht" für Soli, Chor und Orchester. Ein Werk, in dem Bach der Lutherischen Rechtfertigungslehre musikalisch Ausdruck verleiht. Dabei ermutigt Iván Fischer die Interpreten vom Cembalo aus, das flehentliche Zittern und Wanken des verängstigten Gewissens deutlich hervorzuheben. Beispielsweise in der Aria Nr. 3 für Sopran, Oboe und Streicher, in der die klagende Oboe die von Anfang an vorherrschende „Dies irae"-Stimmung noch verstärkt.
Und doch, auch darin entspricht er der Intention des Komponisten, werden die durch Schuldgefühle hervorgerufenen Gewissensqualen überführt in hoffnungsvolle Zuversicht. Und die hat ihren tieferen Grund allein im Glauben, mit dessen Hilfe „keiner soll verloren gehen", wie die vier Solisten Noémi Kiss (Sopran), Atala Schöck (Mezzosopran), Zoltán Megyesi (Tenor) und Peter Harvey (Bass) mit Streichern und Basso continuo im abschließenden Choral versichern.
Warum ein ernstes Stück wie dieses ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt, da es doch für den 9. Sonntag nach Trinitatis geschrieben wurde oder doch eher am Ende des Kirchenjahres seinen Platz hätte? Sollte angesichts der gegenwärtigen politischen Ereignisse tatsächlich die in der Tenorarie Nr. 5 anklingende Abrechnung mit dem „Mammon" und „dieser eitlen Welt" die Auswahl bestimmt haben? Ein Schelm, der Böses dabei denkt!
Lesen Sie auf Seite 2: Anton Bruckners Sinfonie Nr. 7 E-Dur - ein monumentales Werk
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
„Lucia di Lammermoor“ mit Diana Damrau und Joseph Calleja
(09.06.2012)
(02.06.2012)
Ein Wiedersehen mit Götz Friedrichs „Walküre“
(01.06.2012)
Publikum goutiert problematischen „Siegfried“ an der Bayerischen Staatsoper
(29.05.2012)
Shen Yun Performing Arts verlässt Europa nach erfolgreicher Tournee
(18.04.2012)
„Lohengrin“ an der Deutschen Oper Berlin
(16.04.2012)
Verdis „Il Trovatore“ in der Oper Bonn
(10.04.2012)
„Verrücktes Blut“ in den Bonner Kammerspielen
(10.04.2012)
Shen Yun zeigt, „dass es Dinge gibt, für die es sich zu leben lohnt“
(02.04.2012)
Leo Delibes „Lakmé“ in der Bonner Oper
(18.02.2012)