Wirtschaftsnachrichten - Aktuelle Nachrichten Wirtschaft – Das Lohnplus gibt es längst nicht für alle Metaller – Daniela Pegna
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Tarife Das Lohnplus gibt es längst nicht für alle Metaller

Daniela Pegna

14.11.2008

Düsseldorf – Der Tarifvertrag in der Metallindustrie ist unter Dach und Fach, doch längst nicht bei allen 3,6 Millionen Beschäftigten landet das mühsam ausgehandelte Lohnplus von 4,2 Prozent auch tatsächlich auf dem Konto. Bei den Autobauern Opel und Ford etwa werden die Tariferhöhungen bereits seit 2006 mit übertariflichen Zahlungen verrechnet. Viele Betriebe prüfen laut „Bild“ zudem, die für Mai vorgesehene zweite Stufe der Entgeltsteigerung später zu zahlen. Und der Münchener Chiphersteller Infineon ist gleich ganz aus dem Arbeitgeberverband geflüchtet, um die Lohnerhöhung nicht mittragen zu müssen.

Die IG Metall, die bei den Tarifverhandlungen bereits ordentlich Federn lassen musste, ist darüber nach eigenen Worten nicht besorgt: „Dass Unternehmen ausscheren, gibt es immer mal wieder und wird sicherlich nicht zum Massenphänomen werden“, sagte eine Sprecherin. Einige Betriebe versuchten aber, die momentan schlechte Stimmung für sich zu nutzen.

Ursprünglich hatte die IG Metall mit acht Prozent ihre höchste Lohnforderung seit 16 Jahren durchsetzen wollen. Nun sollen die Löhne in zwei Schritten um jeweils 2,1 Prozent steigen. Der zweite, für den 1. Mai vorgesehene Erhöhungsschritt kann dabei – je nach betrieblicher Vereinbarung – noch einmal um bis zu sieben Monate verschoben werden.

Neben der Heidelberger Druckmaschinen AG wollen dem „Bild“-Bericht zufolge mindestens fünf große Autolieferer, darunter Continental, mit ihren Betriebsräten entsprechende Gespräche führen. Ein Sprecher der Heidelberger Druckmaschinen AG erklärte auf AP-Anfrage, man werde sich den Tarifvertrag zunächst einmal anschauen, analysieren und dann über die weitere Vorgehensweise entscheiden. Auch Continental-Sprecherin Katja Mattel sagte, noch sei nichts entschieden. In der jetzigen schwierigen konjunkturellen Situation, würden solche Öffnungsklauseln jedoch genau in Betracht gezogen.

Mit Kurzarbeit Durststrecke überwinden

Der Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck, glaubt allerdings nicht, dass letztlich viele Unternehmen von der Verschiebung der Lohnerhöhung Gebrauch machen werden. „Im Endeffekt bringt den Betrieben das nichts, sie haben jetzt mit ganz anderen Problemen zu kämpfen“, betonte er. Viele seien erst einmal gut damit beschäftigt, zum Beispiel über Kurzarbeit ihre momentane Durststrecke zu überwinden.

Fest steht allerdings schon jetzt, dass bei Zehntausenden Opel- oder Ford-Beschäftigten die Tariferhöhung aufgrund so genannter Standort- oder Beschäftigungssicherungsverträge gar nicht oder nur in abgeschwächter Form ankommen wird. Seit dem im Jahr 2005 geschlossenen Zukunftsvertrag fällt die Lohnerhöhung in den Opel-Werken in Rüsselsheim und Kaiserslautern für die Beschäftigten stets einen Prozentpunkt geringer aus, als es der jeweilige Tarifabschluss vorsieht. Auch Ford hatte 2006 eine ähnliche Regelung getroffen.

Verzicht auf Lohnsteigerung

Die Opel-Beschäftigten in Bochum haben zur Sicherung ihres Arbeitsplatzes bis 2010 sogar ganz auf eine Lohnsteigerung verzichtet. Die Tariferhöhungen werden laut einem Sprecher komplett auf übertarifliche Entgeltbestandteile angerechnet. Da diese bei einigen Lohngruppen inzwischen jedoch weitgehend abgeschmolzen seien, solle nun mit dem Betriebsrat an einer „Lösung des Problems“ gearbeitet werden. Ebenfalls noch Verhandlungssache ist demnach, ob die in Baden-Württemberg ausgehandelten Einmalzahlungen von 510 Euro auf dem Konto der Opel-Beschäftigten landen.

Mit solchen, von der Tarifbindung abweichenden Sonderregelungen hat die IG Metall nach eigenen Angaben kein grundsätzliches Problem. Dies seien zeitlich befristete Ausnahmevereinbarungen für Unternehmen in schwierigen Situationen, sagte die Sprecherin. In den vergangenen drei Jahren habe es rund 1.000 abweichende Tarifregelungen gegeben, die in ihrer Ausgestaltung jedoch sehr unterschiedlich seien und nicht zwangsläufig einen Lohnverzicht beinhalten müssten.

Nicht zu befürchten ist nach Ansicht der Sprecherin auch, dass angesichts der nun vereinbarten 4,2 Prozent Gehaltssteigerung eine Welle solcher Sondervereinbarungen getroffen wird. Der Abschluss sei maßvoll und auch in der jetzt angespannten Wirtschaftslage durchaus verkraftbar. (AP)

 

 

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