Kultur – Das London Symphony Orchestra in der Kölner Philharmonie – Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren
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Prokofjews Klangwelten Das London Symphony Orchestra in der Kölner Philharmonie

Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren

22.05.2009

(V. Baranovsky)
(V. Baranovsky)

Prokofjew vom Feinsten boten die Londoner Symphoniker unter ihrem Dirigenten Valery Gergiev in der Kölner Philharmonie. Einleitend stand die Sinfonie Nr. 1 D-Dur, die „Symphonie classique“, auf dem Programm, die trotz ihrer Kürze bereits im Allegro des ersten Satzes mit tänzelnden Geigen, hüpfendem Fagott und strahlenden Trompeten den für Prokofjew charakteristischen Musikkosmos durchmaß.

Die markante Melodik in der Gavotte des dritten Satzes muss bereits Prokofjew begeistert haben, scheute er sich doch nicht, sie in „Romeo und Julia“ erneut zu verwenden und ihr damit, so will es scheinen, zu unsterblichem Ruhm zu verhelfen. Bei langsamem und feinnervigem Spiel kosten die Symphoniker diese musikalische Kostbarkeit bis ins kleinste Detail aus und glänzen im Finale unter virtuoser und doch gezügelter Anleitung ihres Dirigenten mit einem wunderbar sensiblen Zusammenspiel von Streichern und Bläsern.

Eine gute Vorbereitung für das Violinkonzert Nr. 2 g-moll, bei dem der in Köln nicht unbekannte Geiger Vadim Repin seine in zahlreichen Einspielungen praktizierte Virtuosität erneut unter Beweis stellt. Im Allegro moderato des ersten Satzes gibt er das Thema vor und steigert sich zu unglaublich schnellen Läufen, um dann wieder – kraftvoll zupackend – die Klangfülle seines historischen Instruments vorzuführen.

Als besonders einfühlsam erweist sich Repin im Andante assai des zweiten Satzes, in dem sich die Solovioline kantilenenhaft einschmeichelnd in das Pizzikato der Bratschen einfädelt, um dann mit der Flöte in einen Dialog einzutreten. Ein eher verhaltenes Spiel im Vergleich zum abschließenden Allegro, bei dem schnelle Klangfiguren und virtuose Läufe auf einen begeisternden Höhepunkt zustreben.

Als Belohnung für den enthusiastischen Beifall erhält das Publikum den zweiten Satz aus Prokofjews Konzert für zwei Soloviolinen. Dabei bewährt sich an Repins Seite, ausdrucksstark noch in den schnellen Läufen, der Konzertmeister der Londoner Symphoniker, der mit dem Star-Interpreten auf künstlerischer Augenhöhe musiziert und damit Zeugnis ablegt von der musikalischen Klasse dieses Spitzenorchesters.

Wie sehr Prokofjew auch der weltanschaulichen Linie seines Heimatlandes Tribut zollen musste, zeigt sich in seiner Sinfonie Nr. 5 B-Dur. Nur wenige Monate vor Kriegsende wurde sie unter seiner Leitung uraufgeführt und gilt seither als der musikalische Höhepunkt seiner „sowjetischen Phase“. In heroischem Monumentalstil, in weiten Teilen der Militärmusik nicht unähnlich, hatte sie die politische Funktion, den „neuen Menschen“ des sich anbahnenden sozialistischen Zeitalters zu verherrlichen.

Diese Intention zeigt sich bereits deutlich im Andante des ersten Satzes, das mit Blechbläsern und Beckenschlägen, mit großer Trommel und Paukenwirbel einen ersten ekstatischen Überschwang erzeugt. Demgegenüber erscheinen – vom Dirigenten deutlich hervorgehoben – im Adagio des dritten Satzes auch lyrisch anmutende Passagen, die Prokofjews Distanz zur offiziellen Parteilinie erahnen lassen.

Und doch bleibt im Allegro giocoso des Schlusssatzes das prometheische Menschenbild jener Zeit unüberhörbar. In weiten Teilen klingt er wie das monumentale sich Aufbäumen eines überhöhten Selbstbewusstseins des Menschen, der in diesen Klängen selbst der Gottheit die Stirn zu bieten scheint. Eine in Noten gegossene heroische Illusion, mit der sich Prokofjew im Unterschied zu manch anderem zeitgenössischen Komponisten nie hat vollständig identifizieren können.

So vermag das Werk, dem auch Gergiev mit seinem Dirigat die ideologische Spitze nimmt, auch heute noch zu begeistern. Als Zugabe führt der Dirigent das Publikum hinein in zwei andere Klangwelten: den Marsch und Tanz aus „Romeo und Julia“ sowie eine Passage aus „Die Liebe zu den drei Orangen“. Ein außergewöhnlicher Konzertabend in der Kölner Philharmonie!

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