Aktuelle Nachrichten – Kultur
01.01.2012
Foto: Sebastian Willnow
Vierzig Trompeten, zwanzig französische Hörner, sechzehn Oboen, sechzehn Fagotte, acht Paar Kesselpauken und zwölf Trommeln waren es diesmal nicht. Im Unterschied zur Londoner Uraufführung der „Feuerwerksmusik“ Händels im Jahr 1749 unter der Regentschaft von König George II. kam die Aufführung in der Kölner Philharmonie geradezu leichtfüßig daher. In einer bestechenden kammermusikalischen Durchsichtigkeit, durch die die Interpretation des „Mitteldeutschen Kammerorchesters“ zu einem außerordentlichen Hörvergnügen geriet.
Zum Beispiel in den jubilierenden Fanfaren und energisch punktierten Rhythmen des Ouvertüren-Mittelteils, der an den Anlass des Feuerwerks-Spektakels im Londoner Green Park erinnert: das Ende des Spanischen Erbfolgekrieges, an dem England siegreich beteiligt war und dieses glorreiche Ereignis mit einer sinnlichen Überhöhung beging. Freude ist demnach angesagt, von der besonders im scherzhaften Suitensatz „La Réjouissance“ eine geradezu ansteckende Wirkung ausgeht.
Nicht weniger hinreißend gestaltet sich Händels Orgelkonzert op.4 Nr. 4 F-Dur. Einprägsam gibt die Orgel im einleitenden Allegro das Thema vor, wobei David Timm, betraut mit der musikalischen Leitung und dem Cembalo-Part des Abends, sich auch als einfühlsamer Organist erweist. Stets in präzisem Zusammenspiel mit dem Orchester, wobei Konzertmeister Andreas Hartmann naturgemäß die Koordinierungsfunktion übernimmt. So steht bei spielerischer Leichtigkeit die Balance zwischen Orchester und Soloinstrument stets außer Zweifel.
Da das Werk bei aller in ihm angelegten Farbigkeit jedoch nicht sämtliche Vorzüge einer großen Konzertorgel demonstrieren kann, kündigt Timm – ein vielfach bei Improvisationswettbewerben ausgezeichneter Organist – augenzwinkernd die Jazz-Version eines „fast vergessenen Stücks“ von Johann Sebastian Bach an - und überrascht mit nichts Geringerem als der hinlänglich bekannten d-Moll Toccata, die er in einem ungewohnten rhythmischen Sound zu einem neuen Hörerlebnis hochstilisiert. Nach einem knalligen Schlussakkord ist ihm frenetischer Beifall dafür sicher.
Die Wertschätzung Bachs war bereits zu Beginn des Konzertabends mit seiner Orchestersuite Nr. 3 deutlich geworden. Hier beeindruckt besonders die Gegensätzlichkeit der ersten beiden Sätze: zum einen die Ouvertüre, in der bei überschwänglichem Einsatz von Pauken und Trompeten die Erde zu beben scheint. Und zum anderen das streicherbetonte „Air“, bei dem unter Verzicht auf die Bläser eine lyrisch-besinnliche Stimmung herbeigezaubert wird.
Mit Joseph Haydn schließlich wird die Programmauswahl des Abends komplettiert. Als besonderer Leckerbissen erweist sich die Sinfonia concertante für Violine, Violoncello, Oboe, Fagott und Orchester B-Dur. Ein Werk, bei dem in allen drei Sätzen die Soloinstrumente vor dem Orchesterhintergrund miteinander kommunizieren. Geradezu belebend im einleitenden Allegro die gewohnte Spritzigkeit Haydns, wenn sich die Sologeige (Andreas Hartmann) mit einem betörenden Thema herausschält und Oboe (Brigitte Horlitz), Fagott (David Mathe) und Violoncello (Nikolaus Gädeke) einfädeln zu einem bezaubernden Solistenquartett.
Erstaunlich, zu welcher musikalischen Qualität das Mitteldeutsche Kammerorchester inzwischen herangereift ist. Im Jahr 1987 als studentisches Ensemble in Weimar entstanden, hat es sein Repertoire ständig erweitert und stellt bei zahlreichen Gastauftritten seine Vielseitigkeit unter Beweis. So bereits mehrfach in der Kölner Philharmonie, wo es wie an diesem Abend im Rahmen der Kontrapunkt-Konzerte „Metropolen der Klassik“ auf ein begeistertes Publikum trifft.
Bemerkenswert schließlich auch das Multitalent David Timm. Als einstiges Mitglied des traditionsreichen Leipziger Thomanerchores und nach seiner Ausbildung zum Organisten glänzt er vom Improvisator bis zum Dirigenten in den unterschiedlichsten Sparten des Musik- und Konzertgeschehens.
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