Universum - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Das Weltraumteleskop in der Thermoskanne – Susanne Hogl
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Aktuelle Nachrichten – Universum

Das Weltraumteleskop in der Thermoskanne

Susanne Hogl

19.09.2007

(AP Photos/Winfried Rothermel)
(AP Photos/Winfried Rothermel)

Immenstaad – Das größte Infrarot-Weltraumteleskop „Herschel“, das derzeit bei der ESA (European Space Agency) und Astrium in Immenstaad am Bodensee zusammengebaut wird, steht kurz vor seiner Fertigstellung. Nach Angaben der zuständigen Wissenschaftler soll das Teleskop mit einem Durchmesser von 3,5 Metern dann am 31. Juli 2008 mit einer Trägerrakete vom Typ Ariane 5 ins Weltall gebracht werden.

Mit Hilfe von „Herschel“, das seinen Namen dem britischen Astronomen und Entdecker des Planeten Uranus, William Herschel (1738-1822), verdankt, soll die Entstehung von Sternen und Galaxien besser erforscht werden. „Mit dem Infrarot-Weltraumteleskop Herschel, können wir in die Kinderstube der Sterne blicken“, erklärte Uwe Minne, Direktor des Erdobservatoriums bei Astrium.

Finanziert wird die etwa eine Milliarde Euro teure Mission von „Thales Alenia Space“ mit Sitz im französischen Cannes. Dahinter verbirgt sich ein Konsortium von Industriepartnern in verschiedenen Ländern. An der Entwicklung des Teleskops sind insgesamt 95 Unternehmen beteiligt.

Im Gegensatz zum bekannten Weltraumteleskop „Hubble“, soll es mit dem Infrarotteleskop „Herschel“ möglich sein, auch noch schwächste Wärmestrahlung von Sternen und Galaxien erfassen zu können. „Herschels“ Aufgabe wird es sein, den Wissenschaftlern dabei zu helfen, Milliarden von Lichtjahre hinaus ins Weltall und damit in die Kinderstube der Sterne zu schauen. Mit dem Teleskop soll es möglich sein, entstehende Sterne und Galaxien im Infraroten mit bis dahin unerreichter Auflösung zu betrachten. Der europäische Raumfahrtkonzern Astrium mit Sitz in Immenstaad entwickelt, montiert und testet für die ESA das Herzstück des Satelliten, das Nutzlastmodul mit eingebauter Superkühlung. Der Durchmesser des Hauptspiegels aus Siliziumkarbid beträgt 3,5 Meter.

Die Lebensdauer von „Herschel“ geben die Forscher mit bis zu vier Jahren an. „Wenn die 2.300 Liter superfluides Helium verdampft sind, dann funktionieren auch die Instrumente nicht mehr“, weiß Herschel-Wissenschaftler Thomas Passvogel.

Damit „Herschel“ seine Mission überhaupt erfüllen kann, müssen die empfindlichen Instrumente vor der Wärmestrahlung, die beim Betrieb des Satelliten entsteht, geschützt werden. Dies geschieht mit Hilfe von Detektoren im Innern des Kühlbehälters (Kryostaten), die auf minus 271 Grad Celsius gekühlt werden und damit knapp zwei Grad unter dem absoluten Nullpunkt liegen.

„Planck“ begleitet „Herschel“ auf der Reise

Das Kühlsystem nennen die Wissenschaftler schlicht Thermoskanne. Diese niedrige Temperatur wird mit 2.300 Litern Helium erreicht. Doch nicht nur diese Zahlen sind beeindruckend: Das Weltraumteleskop ist insgesamt 7,50 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 4,50 Metern. Sein Startgewicht liegt bei 3,35 Tonnen.

Wenn „Herschel“ im kommenden Jahr vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana aus mit Hilfe einer Trägerrakete vom Typ Ariane 5 ins Weltall befördert wird, geht es nicht alleine auf die Reise.

Mit dabei wird auch der bei ESA entstandene „Planck-Satellit“ sein, der zur Erforschung der beim Urknall entstandenen kosmischen Hintergrundstrahlung dienen soll. Nach drei bis sechs Monaten, so die Berechnung der Wissenschaftler, sollen die beiden Satelliten dann die Umlaufbahn erreicht haben und erste Bilder zur Erde schicken. Wenn alles nach Plan läuft, wird es Ende des kommenden Jahres möglicherweise spektakuläre, gestochen scharfe Bilder von der Geburt eines neuen Sterns oder einer neuen Galaxie geben. (AP)

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