Aktuelle Nachrichten – Kultur
17.02.2012
Foto: Peter Schnetz
Synchrone Bewegungen in Perfektion sind eines der Markenzeichen, mit denen das Züricher Ballett sein Publikum stets neu zu verzaubern vermag. Gleich einem Fischschwarm im Wasser gleitet es, wie von unhörbaren Signalen geleitet, dahin und versteht dabei in jeweils wechselnden Formationen die Bühne als sein Element.
Und dies in einer schwebenden Leichtigkeit, die wiederum an einen Vogelschwarm erinnert, der sich in magisch anmutender Präzision über den Himmel bewegt. Nicht anders als „In den Winden im Nichts“, wie Heinz Spoerli seine Choreographie benennt, mit der er zwei Abende lang in der Bonner Oper gastierte.
Zur Leichtigkeit gesellt sich die Leidenschaft, die in intimen Paarfiguren bis hin zu energischen Ritualtänzen ihren Ausdruck findet, bei denen Spoerlis Choreographie gleich bis zu 36 Tänzerinnen und Tänzer gleichzeitig auf die Bühne bringt. In Posen und Figuren, die die hohen technischen und athletischen Anforderungen des Stückes nur erahnen lassen.
Eine ähnliche Herausforderung wie für den Impuls gebenden Cellosolisten Claudius Herrmann, der mit den Bach-Suiten Nr. 2 in d-Moll, Nr. 3 in C-Dur und Nr. 6 in D-Dur vom Schwierigkeitsgrad her – besonders in der Suite Nr. 6 – bis an die Grenzen der Spielbarkeit gelangt. Jeweils sechs Sätze sind es, die in ihrem unterschiedlichen Charakter als Prelude, Allemande, Courante, Sarabande, Menuet (Bouree, Gavotte) und Gigue die Vorlage bilden für die insgesamt achtzehn Episoden, mit denen Heinz Spoerli durch seine Tänzerinnen und Tänzer ein Feuerwerk des puren Tanzes abbrennen lässt.
Dabei verleiht das Bühnenbild von Sergio Cavero dem Tanzgeschehen an manchen Stellen zugleich etwas urzeitlich Atavistisches. Denn mit der Schlichtheit eines die Bühnenrückwand ausfüllenden gewaltigen Metallreifens wird gleichsam angesichts einer astralen Gottheit das gesamte menschliche Leben wie ein getanztes Opfer dargebracht, erinnernd an schamanistische Vermittlungspraktiken im Grenzbereich zwischen Himmel und Erde.
Diesen Eindruck verstärken die ausdrucksstarken Kostüme in rubinrot, smaragdgrün und meeresblau, vom Choreographen persönlich kreiert. Zusammen mit der von Martin Gebhardt entworfenen einfachen und doch wirkungsvollen Lichtgestaltung, verfehlen sie ihre Wirkung in der Bonner Oper nicht. Wenn beispielsweise sechs Tänzer in langen Röcken mit freiem Oberkörper ihre Arme in beschwörender Ekstase vor dem rauchenden Metallreifen nach oben recken und damit einer rauschhaften Stimmung Ausdruck verleihen.
Wenn es Heinz Spoerlis Anliegen ist, „Musik zu visualisieren und ihr eine zusätzliche Dimension zu verleihen“, dann ist es ihm mit dieser Produktion zweifellos gelungen. Dieser Meinung ist auch das Publikum, das sich am Ende der Aufführung zu einem wahren Beifallssturm hinreißen lässt. Das Züricher Ballett bildet damit einen brillanten Eckstein in den „Highlights des Internationalen Tanzes“, mit denen die Oper Bonn nun bereits seit mehreren Spielzeiten große Erfolge feiert.
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