Aktuelle Nachrichten – Verbraucherschutz
19.10.2008
Berlin – Nach der Telekom und der Call-Center-Branche hat es jetzt auch im Medienkonzern Axel Springer ein Datenleck gegeben. Bei den Wochenblatt-Verlagen in Hamburg und Berlin seien aufgrund eines Programmierfehlers im September ungewollt Kundendaten über das Internet einzusehen gewesen, teilte das Unternehmen am Sonntag in Berlin mit. Medien der Axel Springer AG oder weiterer Tochtergesellschaften seien von der Datenpanne nicht betroffen gewesen.
Wegen des Datenlecks ließen sich laut „Spiegel“ per einfacher Google-Suche sogar von Kunden, die anonyme Chiffre-Anzeigen etwa in der Rubrik „Heiraten und Bekanntschaften“ geschaltet hatten, komplette Datensätze mit Namen, Anschrift, Handynummer und den Kontodaten einsehen. Es seien zunächst „einige tausend“ derartiger Datensätze im Internet sichtbar gewesen, erklärte WBV-Geschäftsführer Peter Prawdzik.
Der Datenschutzbeauftragte des Springer-Konzerns hatte die zuständige Hamburger Datenschutzaufsicht kurz nach dem ersten Hinweis auf das Leck informiert. Dort wird der Fall derzeit untersucht. „Die Prüfung läuft noch, aber wir gehen davon aus, dass es sich hier um einen klaren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz handelt“, sagte Evelyn Seiffert, Referentin beim Hamburgischen Datenschutzbeauftragten dem „Spiegel“.
Jan Bayer, Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Regional und Abozeitungen der Axel Springer AG, erklärte: „Wir bedauern diesen Vorgang sehr und möchten uns aufrichtig bei allen betroffenen Kunden entschuldigen.“ Bayer versprach „konsequente Ursachenanalyse“. Gleichzeitig prüfe das Unternehmen, wie betroffenen Kunden geholfen und entstandener Schaden umfassend ausgeglichen werden könne.
Telekom-Chef René Obermann schließt nach den Pannen in seinem Unternehmen eine völlige Datensicherheit aus. „Hundertprozentigen Schutz kann kein Unternehmen versprechen. Auch nicht die Deutsche Telekom. Das wäre unseriös“, sagte Obermann der „Bild“-Zeitung (Montagausgabe). Jeder hinterlasse ständig und überall elektronische Spuren. Die Telekom habe die Schutzvorkehrungen nochmals verschärft, sagte der Vorstandschef, und regte eine Art TÜV-Siegel für Datensicherheit an.
Die Ombudsfrau beim Mobilfunkbetreiber Vodafone, Renate Schmidt, warf der Telekom ein fehlendes Sicherheitssystem vor. „Das ist mir völlig unverständlich, wie solche Pannen passieren konnten. Da wurden Datenvorschriften regelrecht missachtet“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete dem Nachrichtenmagazin „Focus“.
Vodafone-Chef Friedrich Joussen lasse Datenabläufe künftig TÜV-zertifizieren. Außerdem sei Datenschutz immer Chefsache bei dem Konkurrenten der Telekom, betonte die frühere Familienministerin. (AP)
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