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David Gilmour: Musik für die Insel

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11.03.2006

David Gilmour spielt zum Auftakt seiner Europa-Tournee am Freitag, 10. März 2006, im Konzerthaus in Dortmund. Es ist die erste Tour der Stimme und Gitarre der legendären Band Pink Floyd  seit 1994. Gilmour spielt zur Veröffentlichung seines neuen Soloalbums "On An Island Tour" in nur sieben europäischen Städten. (AP Photo/Martin Meissner)
David Gilmour spielt zum Auftakt seiner Europa-Tournee am Freitag, 10. März 2006, im Konzerthaus in Dortmund. Es ist die erste Tour der Stimme und Gitarre der legendären Band Pink Floyd seit 1994. Gilmour spielt zur Veröffentlichung seines neuen Soloalbums "On An Island Tour" in nur sieben europäischen Städten. (AP Photo/Martin Meissner)

Dortmund - Federnde, schwebende Rhythmen zu einem sphärisch schönen Gesang haben am Freitagabend im Dortmunder Konzerthaus ein jung gebliebenes Publikum verzaubert. David Gilmour, als «Stimme und Gitarre von Pink Floyd» angekündigt, riss mit seinem komplett gespielten aktuellen Soloalbum «On An Island» und einer schönen Liedauswahl seiner bis in die erste Hälfte der 90er Jahre aktiven Supergruppe 1.250 Zuschauer zu Ovationen hin. Es war der Auftakt einer Welttournee, die in bewusst kleinem Rahmen gehalten wird.

Die Insel, auf die Gilmour in der ersten Stunde des Konzertes strebte, ist auf dem Cover seines Albums gerade groß genug, um einen einzigen Mann aufzunehmen. Für niemanden sonst ist Platz, und auch Richard Wright, Urmitglied von Pink Floyd, hält sich selbst ganz zum Schluss bei den obligatorischen Verbeugungen zum Jubel der Zuschauer dezent im Hintergrund. Gilmour bricht mit dem Instrumentalstück «Castellorizon» zu seiner im «schamlos blauen Meer» liegenden Insel auf, auf der es sich bei Kerzenschein dann doch auch zu zweit wunderschön die Sterne betrachten lässt. Das rockigste Stück dieses Teils, «Take A Breath», lässt mit einem Lichtgewitter die Hektik und den Stress entstehen, denen er mit nunmehr 60 Jahren erkennbar entfliehen will.

«On An Island» lässt sich nach diesem Konzert als Neuanfang eines Musikers interpretieren, der aus dem Schatten von Pink Floyd treten will, ohne seine Vergangenheit zu verleugnen. Stimme, Gitarre und der Aufbau seiner Stücke werden immer mit Pink Floyd verglichen werden und werden dies auch aushalten. Gilmours neue Musik ist aber ungleich ausgeglichener, es gibt nicht mehr diese Zerrissenheit, das Leiden des Individuums an der Welt, das Pink Floyd und sein kreativer Widerpart und Gegenpol in den 70er und 80er Jahren, Roger Waters, damals für Generationen thematisierten.

Gilmourisiertes Pink Floyd

Im zweiten Teil lässt Gilmour mit seiner hervorragenden Band bei Stücken wie «Shine On You Crazy Diamond», einem «Echoes» in voller Länge und ausgiebigen Besuchen auf «The Dark Side of The Moon» Pink-Floyd-Fans eine Gänsehaut nach der anderen den Rücken hinunterlaufen. Auch «High Hopes» vom vermutlich letzten Pink-Floyd-Album «Division Bell» erklingt in einer perfekten, vom Klang her einmaligen Version.

Gilmour hätte mühelos eine Halle mit mehreren tausend Plätzen füllen können, hätte dann aber nicht eine solch ausgewogene Akustik gehabt, wie sie ein Ort wie das Dortmunder Konzerthaus bietet. Er nutzt dies, um seiner Musik Raum von leisen bis lauten, aber nie zu lauten oder gar übersteuerten Phasen zu geben. Sein Gitarrenspiel und sein Klanggefühl sind perfekt; seine Stimme strahlt vielleicht sogar mehr als früher noch diese menschenfreundliche Wärme aus, die völlig untypisch für Rockbands ist.

Gilmour spielt Pink Floyd in einer «gilmourisierten» Version, die die Band selbst nicht mehr wirklich braucht. Der Mann hat seinen Standort bestimmt, und er ist wohl nicht mehr bereit, im Kollektiv einer Band wie Pink Floyd zu arbeiten - weder mit noch ohne Waters. «Die Band ist mir eine Nummer zu groß, zu schwerfällig und aufgeblasen. Ich möchte mich lieber etwas mehr im Hintergrund halten. Ich will allerdings auch nicht ganz in Vergessenheit geraten», sagte er kürzlich in einem Interview. Den Dortmunder Konzertbesuchern hat der mittlerweile ein wenig untersetzte alte Herr mit wenigen Haaren ein unvergessliches Konzerterlebnis gebracht - Live-Musik als Unikat, nirgendwo sonst als in der individuellen Erinnerung reproduzierbar. (Uwe Käding)

Tourdaten: 11.03. Hamburg (Congress Centrum), 18.03. Frankfurt/Main (Alte Oper).

http://www.davidgilmour.com

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