Ulm – Es beginnt oftmals mit dem vergessenen Schlüssel, der verlegten Brille oder dem verschwitzten Termin für ein Treffen mit den Enkeln. Die frühen Hinweise auf eine Demenzerkrankung sind leicht zu verdrängen – verhindern lässt sich die aber Krankheit nicht. Demenz ist der Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit.
Die Erkrankung beginnt schleichend, und die Zahl der Betroffenen wird nach Auffassung von Experten in den nächsten Jahren rasant zunehmen. Für das Jahr 2050 werde mit einer Zahl von 2,3 Millionen Demenzkranker gerechnet, erklärte die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Cornelia Goesmann, am Mittwoch auf dem Ärztetag in Ulm.
Mit zunehmendem Alter nehme die Rate der Betroffenen zu. Die häufigste Ursache eines demenziellen Syndroms ist mit etwa 60 Prozent der Erkrankungsfälle Alzheimer. Medikamente oder Impfungen, die Alzheimer verhindern oder heilen können, gibt es bislang nicht.
Etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Angaben von Goesmann an einer demenziellen Erkrankung – 733.000 bekommen Geld von der Pflegeversicherung. Davon werden 400.000 ambulant versorgt und 330.000 sind in stationärer Betreuung. Etwa 25 bis 30 Prozent der Demenzkranken werden von Familienangehörigen versorgt. Hier werde Pflege geleistet, durch den die alten Ehepartner oder die Kinder oft überlastet und alleine gelassen würden.
Wohlhabenden Familien würden in manchen Fällen auf ausländische Pflegekräfte zurückgreifen, berichtet Goesmann. Das koste zwischen 1.000 bis 1.500 Euro im Monat. Oftmals blieben die Pflegekräfte nur wenige Monate. Mit der beschlossenen Reform bei der Pflegeversicherung will die Bundesregierung nun ab 1. Juli die Betreuung verbessern.
Demenzkranke, psychisch Kranke und geistig Behinderte erhalten für die Betreuung zu Hause statt 460 bis zu 2.400 Euro jährlich, auch wenn sie körperlich noch fit sind. In leichten Fällen wie bei beginnender Demenz gibt es 100 Euro monatlich, in schwereren Fällen 200 Euro. Auch für die aufwendige Versorgung Verwirrter in Heimen werden 200 Millionen Euro bereitgestellt. Damit können bis zu 4.000 zusätzliche Betreuungsassistenten bezahlt werden, die das übrige Pflegepersonal entlasten.
Demenz ist nach Angaben der Bundesärztekammer einer der wichtigsten Gründe für die Einweisung von älteren Menschen in Heime Doch auch da hakt es oftmals mit einer adäquaten Versorgung der Kranken. „Eine würdige und moderne pflegerische Versorgung im Heim wird sich nur realisieren lassen durch eine Aufstockung der derzeitigen Personalbudgets um rund 30 Prozent“, wie Goesmann sagt. (AP)
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