Frankfurt/Main - Nicht nur in Deutschland, sondern in nahezu allen Industriestaaten altert die Bevölkerung. Selbst in den USA, wo die Geburtenrate mit 2,1 Kindern pro Frau deutlich höher ist als in den meisten europäischen Ländern, wird mittlerweile über die Folgen des demographischen Wandels für die Rentenversicherung diskutiert. Im Folgenden ein Überblick über die Situation in den Vereinigten Staaten und Japan.
USA
Mit einer Geburtenrate von durchschnittlich 2,05 Kindern pro Frau brauchen sich die USA eigentlich keine Sorgen zu machen. Denn sie erfüllen damit genau die Quote, mit der die Bevölkerung eines Industrielands in etwa stabil bleibt - für jedes erwachsene Paar wächst sozusagen ein neues nach. Trotzdem ist auch in den Vereinigten Staaten eine Debatte über den demographischen Wandel ausgebrochen.
Der Grund: Die vergleichsweise hohe Geburtenrate ist wesentlich auf die Gebärfreudigkeit von Einwandererfamilien zurückzuführen. Nach Zahlen des Nationalen Zentrums für Gesundheitsstatistik (NCHS) lag die Geburtenrate bei hispanischen, also aus Lateinamerika stammenden, Frauen im Jahr 2004 bei stolzen 2,82 Kindern. Für Afroamerikanerinnen und Weiße europäischer Herkunft wurden dagegen niedrigere Raten von 2,02 bzw. 1,85 Kindern registriert. Die Perspektive eines weiter wachsenden hispanischen Bevölkerungsanteils löst in den USA nicht unbedingt Begeisterung aus. Und trotz hoher Geburtenrate stecken Sozialversicherung und Rentensystem in einer Krise.
Familienpolitik spielt in den USA keine große Rolle: Eltern genießen zwar Steuervorteile, andere Beihilfen gibt es aber nur für bedürftige Familien. Sie werden eher als Maßnahme der Armutsbekämpfung denn der Familienförderung betrachtet.
JAPAN
Die Bevölkerung von Japan ist die älteste der Welt: Jeder fünfte Japaner ist mindestens 65. Das hat zunächst einmal einen erfreulichen Grund: Die hohe Lebenserwartung in Japan von durchschnittlich 83 Jahren (in Deutschland: 79 Jahre). Aber der hohe Anteil der Alten ist auch auf eine seit Jahren niedrige Geburtenrate zurückzuführen, 2005 lag sie bei 1,25 Kindern pro Frau. Als Gründe werden die hohen Lebenshaltungskosten und die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen bei gleichzeitiger Wahrung einer traditionellen Rollenverteilung vermutet: Mütter, die arbeiten, können bei der Kindererziehung auf wenig Unterstützung des Mannes zählen. Verstärkt wird dieses Problem noch durch die ausgesprochen langen Arbeitszeiten in Japan.
Die Betreuungsmöglichkeiten außerhalb der Familie sind begrenzt: Die Kindertagesstätten verfügen landesweit über rund 2,1 Millionen Plätze; es gibt aber allein in der Altersgruppe bis vier Jahre rund sechs Millionen Kinder. Für Nachwuchs bis zum Alter von zwölf Jahren erhalten Eltern Kindergeld, es beläuft sich auf monatlich 5.000 Yen (etwa 30 Euro). Für das dritte und jedes weitere Kind verdoppelt sich der Betrag auf 10.000 Yen. Kindergeld erhalten allerdings nur Eltern bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze, das Haushaltseinkommen einer vierköpfigen Familie etwa darf 8,6 Millionen Yen (rund 55.000 Euro) im Jahr nicht überschreiten.
(AP)
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