Aktuelle Nachrichten – China - Politik
25.06.2011
London – Wenn der chinesische Ministerpräsident dieser Tage Europa besucht, dürften nicht zuletzt in Sachen griechische Schuldenkrise viele Hoffnungen auf Wen Jiabao ruhen. Immerhin erwarten Analysten, dass dieser die Unterstützung seines Landes für die europäische Währung bekannt geben wird.
Zwar hat China keine genaue Agenda der fünftägigen Reise nach Ungarn, Großbritannien und Deutschland verkündet. Doch während ganz Europa an einem Plan zur Bekämpfung der Schuldenkrise arbeitet, ist eine politische Stellungnahme Wens in Bezug auf die chinesische Unterstützung zur Stabilisierung des Euro mehr als wahrscheinlich.
Wen wird am Samstag aus Ungarn kommend, in Großbritannien eintreffen und am Ende Berlin besuchen, wo er voraussichtlich am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Krise sprechen wird.
Der chinesische Ministerpräsident, der als der proeuropäischster Führer im Politbüro angesehen werden kann, hat bereits den Willen seines Landes bekundet, den strauchelnden Volkswirtschaften in der Region zu helfen. So versprach er im Oktober während einer Reise in das schuldengeplagte Griechenland, dass sein Land eine ungenannte Zahl von Anleihen des südosteuropäischen Landes kaufen werde.
Am Mittwoch bestätigte der chinesische Botschafter in London, Liu Xiaoming, dass sein Land ein "langfristiger, verantwortungsbewusster und engagierter Investor in der EU" sein wolle. Dazu passt ein jüngst veröffentlichter Bericht der Standard Chartered Bank, wonach Peking weniger amerikanische Vermögenswerte zu erwerben scheine. Ein möglicher Hinweis also, dass das Land mehr Geld in europäische Anleihen stecken wird.
China strebe danach, seine ausländischen Anlagen zu diversifizieren und langfristig seine Abhängigkeit von US-Anleihen zu reduzieren, sagt Marie Diron vom britischen Beratungsunternehmen Oxford Economics. Es dürfte aber nicht bereit sein, das Risiko auf sich zu nehmen, und eine bedeutende Zahl griechischer oder portugiesischer Anleihen zu kaufen, schätzt Diron. China werde allenfalls eine geringe Menge europäischer Schulden erwerben, was eher einer moralischen Unterstützung gleich komme, als dass es eine Lösung für die strukturellen Probleme Europas darstelle, sagt die Expertin.
Neben der Schuldenkrise dürfte aber auch der Konflikt in Libyen zur Sprache kommen, wenn der chinesische Ministerpräsident am Wochenende den britischen Premierminister David Cameron trifft. Schließlich hatte sich China gegen NATO-Luftangriffe auf das Regime von Muammar al Gaddafi ausgesprochen und sich zudem im März bei der Abstimmung über eine UN-Resolution enthalten.
Der Asienexperte Kerry Brown von der Londoner Denkfabrik Chatham House ist sich deshalb sicher: "Wen wird voraussichtlich auf einen baldigen Waffenstillstand drängen." (dapd)
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