Berlin - Seine 15 Minuten Ruhm hat Alan Cairncross schon hinter sich. Als im Mai vergangenen Jahres beim DFB-Pokalendspiel im Berliner Olympiastadion plötzlich zwei Sprinklerdüsen überraschend ihren Dienst aufnahmen, schauten Millionen Fernsehzuschauer zu, wie Cairncross den Wasserfluss zu stoppen versuchte. Am Freitag und am 9. Juli steht der Greenkeeper noch einmal im Mittelpunkt: Zum Viertelfinale und beim Endspiel ist er für einen perfekten Rasen verantwortlich.
Der gebürtige Schotte erledigt seine Arbeit mit einer unerschütterlichen Ruhe. Er mäht und wässert den Stadionrasen, der extra für die WM neu verlegt wurde. Darüber hinaus muss er sich auch noch um die Rasenflächen rund ums Stadion kümmern.
Auch wenn der WM-Rasen für Fans sicherlich schon fast etwas Heiliges an sich hat - die Arbeit am Grün ist nicht anders als zu Bundesligazeiten auch, erzählte Cairncross einmal in einem Interview. Die 7.140 Quadratmeter große Fläche wird wie immer bewässert und gemäht - zwischen 2,5 und 3 Zentimeter ist die Ideallänge, weiß Cairncross zu berichten, der 1986 mit der britischen Armee als Soldat nach Deutschland kam und in Berlin heimisch wurde.
Nach dem Endspiel am 9. Juli hat Cairncross mit dem WM-Rasen auch schon nichts mehr zu tun. Der wird nach Angaben des Stadionbetreibers nämlich sofort fachmännisch abgetragen, eingelagert, präpariert, um ihn frischzuhalten, und in Stücke zerlegt. Ein großes Versandunternehmen hat sich die Verkaufsrechte gesichert und offeriert den Fans schon jetzt ein Stück vom grünen Glück.
Die größeren Rasenstücke mit ihren rund 30 mal 20 Zentimetern bleiben demzufolge unbehandelt. Die kleineren Stücke des Original-Rasens werden in einen Acrylblock von zirka 14 Zentimetern Breite, acht Zentimetern und fünf Zentimetern Tiefe gegossen. Außerdem wird eine Plakette mit der Aufschrift «Original-Rasen WM-Finale Berliner Olympia-Stadion 09.07.2006» eingearbeitet.
Innerhalb der FIFA wird bereits über die Möglichkeit nachgedacht, WM-Spiele nur noch auf Kunstrasen auszutragen. Gut möglich, dass Männer wie Cairncross einer aussterbenden Berufsart angehören.
(AP)
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