Konjunktur – Der Inflation die Stirn bieten – Berrit Gräber
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Geldanlage Der Inflation die Stirn bieten

Berrit Gräber

20.07.2008

München – Anleger sollten angesichts kräftig gestiegener Inflationsraten umdenken und ihr Vermögen inflationssicher machen. Denn der Geldwertverfall hat mächtig an Tempo zugelegt. Im Juni war die Teuerungsrate mit 3,3 Prozent so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Wer Geld auf die hohe Kante legt, sollte jetzt auf Anlagen mit Renditen von etwa 5 Prozent setzen, rät Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau in München. Marco Cabras von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hält mindestens 4 Prozent für unabdingbar. In jedem Fall muss der Gewinn höher als die Inflationsrate liegen, sonst frisst die Teuerung die Rendite auf. Unterm Strich, nach Steuern, bedeutet das häufig Verlust statt Vermögenszuwachs.

Ein Beispiel: 10.000 Euro sind zum Zins von 2 Prozent angelegt. Macht am Jahresende 200 Euro Zinsgewinn. Bei 3 Prozent Inflation sind die 10.000 Euro dann aber nur noch 9.700 Euro wert. Diesen Verlust kann auch der Zinsertrag nicht mehr ausgleichen. Der Anleger ist im Minus.

Auch bestehende Investitionen sollten auf den Inflations-Prüfstand. Beispiel Garantiezertifikat: Wer hier investiert hat und glaubt, am Ende wenigstens seine Einlage zu 100 Prozent wieder zurückzubekommen, irrt gewaltig, so Beck. Das sei in Zeiten beschleunigten Kaufkraftverlusts ein „Risikopapier“. Aus 10.000 Euro unverzinster Anlage bei einer Inflationsrate von durchgehend 3 Prozent werden nach zehn Jahren 7.602 Euro.

Wie also lässt sich am besten der Inflation die Stirn bieten? Auf keinen Fall damit, dass das Geld auf mager verzinsten Giro- oder Sparbüchern liegt oder gar unterm Kopfkissen daheim. Deutlich besser gegensteuern lässt sich mit Tagesgeldkonten und kurzfristigem Festgeld. Allerdings nur mit gut verzinsten Bankangeboten zwischen 4 und 5 Prozent, damit ein Plus bleibt, betont Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Pfandbriefe und inflationsgeschützte Anleihen

Als Alternative seien derzeit besonders einjährige Pfandbriefe empfehlenswert, rät Fachmann Beck. Zu haben sind auch sichere Wertpapiere mit eingebautem Inflationsschutz, so genannte Linker. Die Bundesrepublik hat derzeit zwei solcher Anleihen herausgegeben, eine Bundesobligation mit einer Restlaufzeit von knapp fünf Jahren und eine Bundesanleihe mit knapp acht Jahren. Sie sind mit der Entwicklung der Geldentwertung „verlinkt“, also verknüpft: Sie passen die laufenden Zinszahlungen sowie die Rückzahlung automatisch der Inflation an.

Der kleine Haken daran: Die Papiere schützen zwar die Kaufkraft des Vermögens, mehren es aber kaum. Wer davon ausgeht, dass die Teuerungsrate wieder zurückgeht, solle sich keinen Linker anschaffen, meint Cabras. Wer meint, sie bleibe auf hohem Niveau, solle kaufen.

Gold gilt landläufig als sicherer Hafen bei Inflation. Mit der Rekordjagd des Ölpreises hat auch der Goldpreis in den letzten Monaten einen Höhenflug erlebt. Vom Gold am Stück in Form von Barren oder Münzen rät Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen allerdings ab: „Das wirft nichts ab, wenn ich es zu Hause habe. Viele Sparer sind aber darauf angewiesen, dass monatlich was bei der Geldanlage rumkommt.“ Außerdem ist der Ankauf sehr teuer.

Ein börsengehandelter Goldfonds könne da schon lohnenswerter sein, meint Cabras. Allerdings ist Gold bereits stark gestiegen und das Rückschlagpotenzial hoch. Brechen die Kurse ein, müssen Anleger mit schmerzlichen Verlusten rechnen.

Gefallene Börsen „ideal“ für Neueinstieg?

Auch „Betongold“, also das Investment in Immobilien, zählt zu den klassischen Fluchtburgen, um eine beschleunigte Geldentwertung auszugleichen. Der Kauf von Anteilen an einem offenen Immobilienfonds sei ein „schöner Inflationsschutz“, meint Beck. Auch Cabras hält einen guten deutschen Immobilienfonds mit Renditen um die 5 Prozent für sinnvoll. „Aber nicht das ganze Vermögen darauf setzen, nur einen Teil.“

Beim Thema Aktien sind sich die Experten nicht einig. Aktionärsschützer Gries rät angesichts der weltweiten Kurstalfahrt zur Vorsicht beim Neueinstieg. „Auch wenn langfristig eine Durchschnittsrendite von 8 Prozent drin ist, sind Aktien derzeit nicht geeignet, hohe Renditen zu erwirtschaften.“ Vermögensfachmann Beck hält den jetzigen Bärenmarkt dagegen für „gesund und ideal, um Aktien aufzubauen“. (AP)

 

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