Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Der Kampf um Angolas Öl – Khadija Sharife / Gastautorin
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Welt

China und USA Der Kampf um Angolas Öl

Khadija Sharife / Gastautorin

07.12.2009

Plattform auf offener See. Anders als in den anderen ölfördernden afrikanischen Staaten ist Angolas Öl größtenteils vor der Küste zu finden. Foto: Martin Bureau/AFP/Getty Images
Plattform auf offener See. Anders als in den anderen ölfördernden afrikanischen Staaten ist Angolas Öl größtenteils vor der Küste zu finden.

Foto: Martin Bureau/AFP/Getty Images

Das an Bodenschätzen reiche Angola war Schauplatz des längsten Bürgerkriegs in Afrika. Noch heute liegt dort die Lebenserwartung bei etwa 44 Jahren und entspricht somit der eines Briten, der im 18. Jahrhundert lebte. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut. Das Land hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten der Welt. Und der seit 30 Jahren herrschende Diktator auf Lebenszeit, José Dos Santos - Führer der sich permanent an der Regierung befindlichen Befreiungspartei MPLA - scheint seine Lust am Herrschen noch nicht verloren zu haben.

Unter der Aufsicht von Dos Santos sind seit 1993 Angolas Ölreserven in die Kisten der korrupten Wabenzi-Eliten des Regimes geflossen. Außerdem in die der multinationalen Konzerne über undurchsichtig strukturierte ölgestützte Darlehen. Die MPLA rechtfertigte am Anfang diese Darlehen als ein Mittel, Waffen und Einnahmen zu sichern, um mit der UNITA zu kämpfen. Die von dem Kriegsfürsten Jonas Savimbi angeführte, bewaffnete Bewegung wurde von den USA unterstützt, hatte zudem Verbindungen zu Portugals Geheimpolizei und dem Apartheidsregime in Südafrika. Heute verschlingt die korrupte herrschende Partei die Rohstoffe des Landes und dessen Zukunft.

Obwohl sich die USA während des Bürgerkriegs bemühten, die Regierung politisch zu destabilisieren, versorgte die MPLA die USA über US-amerikanische multinationale Konzerne wie Gulf mit preiswertem Öl. 65 Prozent von Angolas Exportertrag kam während der Regierungszeit von Reagan. Die MPLA investierte inzwischen 60 Prozent ihrer Öleinnahmen in Waffen, und von dem Rest ging viel in privaten Besitz über. Jetzt machen die Öleinnahmen 80-90 Prozent des gesamten Exportertrags aus. Das Öl fließt hauptsächlich nach China und in die USA. Das Woher und Wohin des Ölgeldes von Angola bleibt in Mysterien gehüllt.

Angola ist offiziell nicht mehr Kriegsschauplatz, aber die Wirtschaft bleibt abhängig von den Enklave-Industrien mit Öl und Diamanten, die 99 Prozent der Exporte umfassen. Obwohl die Regierung die Entwicklung der vom Krieg zerstörten Binnenindustrie, etwa Infrastruktur und Landwirtschaft, in Angriff genommen hat, scheint es am notwendigen politischen Willen zu fehlen. So hat die Mehrheit der Bevölkerung nichts von den Gewinnen aus den Exporten.

Durstiges China

China hat Afrika durch die Export-Import-Bank mehr als 24 Milliarden US-Dollar in Anleihen zur Verfügung gestellt, größtenteils durch bargeldlosen Tauschhandel mit besonderem Gewicht auf die Ressourcenförderung. Im Gegenzug hat China Facharbeiter und Materialien exportiert und in die Infrastruktur investiert, um den Ressourcenfluß zurück zu erleichtern. Tatsächlich sind mehr als 50 Prozent aller chinesischen Anleihen durch die Export-Import-Bank in Afrika investiert worden, insgesamt in 36 Staaten. Die Projekte erstrecken sich über Megadämme, Schienennetze und Häfen bis hin zu Bergwerkseinrichtungen. Sie sind ausdrücklich dafür gedacht, die ersten zwei Glieder der Warenkette, Förderung und Transport, zu verbessern. Diese werden mit der Produktion und dem Vertrieb, der taktisch nach Peking verlegt ist, verbunden, die fertigen Verbrauchsgüter werden dann in Staaten wie die USA transportiert.

China behauptet auch, 60 Prozent der seltenen Erdmetalle in der Welt innerhalb seiner Grenzen zu haben. Diese strategischen Mineralien - Yttrium, Holmium, Lanthan, Thulium - sind für einen auf ungefähr 100 Milliarden US-Dollar geschätzten Endbenutzer-Markt essenziell, vor allem wenn er grüne Technologien umfasst. Peking hat das völlige Verbot des Exports von bestimmten Mineralien anberaumt, andere mit strengen Quoten belegt. Das ermöglicht es China, den vorrangigen Zugriff zu behalten und die Märkte zu beherrschen. Aber seine Politik gegenüber Afrika ist genau entgegengesetzt.

Chinas zwei Stützen auf dem afrikanischen Kontinent sind Angola und der Sudan. Es hat seine ölgestützten Anleihen und laufenden Kreditlinien in Angola auf mehr als fünf Milliarden US-Dollar erweitert. 2007 etwa hat China dem staatseigenen Mineralölunternehmen von Angola, Sonangol, durch das Erdgas- und Mineralölunternehmen China Petroleum & Chemical Corporation 1,4 Milliarden US-Dollar Betriebsanleihen angeboten. Seit 2000 hat sich der chinesische Handel mit Angola um das Vierzehnfache vergrößert. Chinas Politik der Nichteinmischung in den Umgang eines Staates mit den Menschenrechten zum Beispiel, ist genau der richtige Ton für ein Regime wie die MPLA.

Die Rolle der USA

Die USA wetteifern um die Position des Platzhirschs in Afrika. In ihrer neuen Anweisung für Afrika haben die USA erklärt, ihre Importe von Afrika bis 2015 auf 25-30 Prozent zu steigern. Mit dem Persischen Golf inmitten einer politisch unruhigen Region sieht Washington im Golf Guineas den „neuen Golf". Afrika trägt bereits mit fast 20 Prozent zu Amerikas Rohölimporten bei, die von ölproduzierenden Riesen wie Nigeria und Angola geliefert werden, zwei primär Begünstigte des afrikanischen Wachstums- und Chancengesetzes (AGOA), zusammen mit dem Tschad, einem weiteren Petrostaat, beherrscht von dem Diktator auf Lebenszeit Idriss Deby.

Die militärischen Beziehungen zwischen den USA und Angola sind enger geworden. Im vergangenen Jahr landete das US-amerikanische Marineschiff Elrod im Hafen von Lobito in Angola. Es soll die Marine- und militärische Verbindung zwischen den beiden Nationen fördern. Das Programm zur Förderung der Aus- und Weiterbildung ausländischer Militärs (IMET), eine von vier militärischen US-amerikanischen Hauptschlagadern in Afrika, hat unter der Obama-Regierung eine Erhöhung der Finanzmittel erhalten.

Die USA sind in Angola in der Landwirtschaft, der Wirtschaftsreform und der Gesundheitsfürsorge involviert. Ein Beispiel ist Angolas Partnerschaft mit der USAID (US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit), die Fördermittel dazu verwendet, US-amerikanische Multinationale wie Chevron zu fördern oder den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut. Anders als das ölreiche Niger-Delta, besitzt Angola keinen organisierten kollektiven Widerstand, der der mächtigen Kombination von Staat und multinationalen Konzernen drohen könnte. Im Gegensatz zum Delta, wo der Hauptteil des Öls im Binnenland gefördert wird, liegt Angolas erschlossenes Öl größtenteils vor der Küste.

Während des Kalten Kriegs war Angola Ausführungsort eines Stellvertreterkrieges, der von den USA, Kuba, und der Sowjetunion geführt war. Heute interessieren sich die Supermächte immer noch für das Land, aber jetzt kämpfen sie auf andere Weise um die Kontrolle über Angolas riesigen Ölreichtum. Ob Angola die stille Offensive der USA und Chinas gegeneinander zum eigenen Vorteil nutzen kann und ob der bereits größtenteils verpfändete Ölreichtum immer nur Vorteile für die angolanische Bevölkerung hat, bleiben die Schlüsselfragen der unbeantworteten Fragen in dieser Zeit nach dem Kalten Krieg.

Khadija Sharife ist Mitarbeiterin bei Foreign Policy In Focus, Journalist und Gastdozent am Zentrum für Zivilgesellschaft (CCS) mit Sitz in Südafrika. www.fpif.org

 

Originalartikel auf Englisch: The Battle for Angola's Oil

 

Webnews einstellen
 
Anzeige
Anzeige