Kultur – Der Klimawandel kommt auf die Bühne – Sven Kästner
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Aktuelle Nachrichten – Kultur

Der Klimawandel kommt auf die Bühne

Sven Kästner

08.05.2008

Rheinsberg – „Wir greifen jedes Jahr in unserer Pfingstwerkstatt Neue Musik ein zeitgenössisches Thema auf“, sagt Bettina Bröder von der Rheinsberger Musikakademie. Diesmal ist besonders aktuell, was am Pfingstwochenende auf dem Spielplan der nordbrandenburgischen Kultureinrichtung steht: der Klimawandel. Im Mittelpunkt steht die Uraufführung des Musiktheaterstückes „KLIMA gefilde.vermessen“ am (morgigen) Freitag. Darin haben die Berliner Komponisten Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer versucht, das Thema musikalisch zu fassen.

Das ganze Stück besteht neben Musik und Gesang aus szenischen Abschnitten und Videoprojektionen auf eine effektvoll geraffte Leinwand. Die Bühne befindet sich genau in der Mitte des Schlosstheatersaales, so können die Zuschauer das Spektakel von allen Seiten beobachten. Tatsächlich lässt sich das Klima in seinen sehr unterschiedlichen Facetten von ausgeglichen bis ruppig und laut mit den Mitteln der Neuen Musik gut umsetzen.

Die atonalen Streicher, pulsierenden Blasinstrumente, pluggernden E-Gitarren und das zuweilen krachende Schlagzeug des Kammerensembles Neue Musik Berlin werden ergänzt von den Projektionen psychedelischer Blumenmuster und den fast ballettartigen Auftritten von zwei Bewegungskünstlern und Rappern, einer Sprecherin und zwei Sängern. Alles zusammen ergibt eine etwa eineinhalbstündige sinnliche Auseinandersetzung mit dem aktuellen Thema.

Weit gefasster Begriff

„Es geht um einen weit gefassten Begriff von Klima“, sagt Komponistin Stelzenbach. „Um Klimabeobachtungen, Klimawandel, aber auch um das Zwischenmenschliche.“ Dem Stück liegt die Annahme zu Grunde, das die Temperatur weltweit auf 23 Grad ansteigt. Eisschmelze, Stürme, versinkende Inseln, der zunehmende Anbau von Energiepflanzen und davon verursachte Hungersnot – das von Barbara Kenneweg verfasste Libretto lässt keines der Aspekte aus der aktuellen Diskussion aus.

Tragische Figur in dem Stück ist die Wetterfee Claudia. Modisch und mit Betonung der Weiblichkeit, aber seriös gekleidet, ertrinkt sie in der Flut von Katastrophennachrichten, ohne Zusammenhänge zu begreifen. Erst zu Beginn des Weltuntergangs wegen des verrückt gewordenen Klimas erkennt sie ihre eigene Tragödie. „Mit 37 sterben, ohne geboren zu haben“, haucht sie, bevor sie nach oben entschwebt.

Auf der politischen Agenda steht der Klimawandel erst seit dem vergangenen Jahr ganz oben, als Kanzlerin Angela Merkel das Thema für ihre internationalen Auftritte bei G-8 und und EU entdeckte. Im Gespräch aber ist er schon seit Jahren. „Wir hatten die Idee zu einem solchen Stück schon seit 2004“, berichtet Komponistin Stelzenbach. „Aber es war nicht so einfach, Geldgeber für eine Inszenierung zu finden.“ Die jetzige Aufführung ist als Auftragswerk der Musikakademie Rheinsberg entstanden.

Berufung auf Friedrich II.

Die Einrichtung neben dem malerisch am Rheinsberger See gelegenen Schloss pflegt seit ihrer Gründung 1991 neben der Klassik mit der Pfingstwerkstatt, eigenen szenischen Projekten, Kolloquien und CD-Produktionen auch die Neue Musik. „Damit versuchen wir Neugier bei aufgeschlossenen Menschen zu wecken, die dieses Genre bisher nicht für sich entdeckt haben“, erklärt Sprecherin Bröder.

Dabei beruft sich die Akademie auf niemand geringeren als Friedrich den Großen, der im benachbarten Schloss gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich einen Teil seiner Jugend als Kronprinz verbrachte. Beide betätigten sich schon vor mehr als 200 Jahren als Kunstmäzene. „Was heute die alte Musik ist, war ja damals die neue“, sagt Bröder. „Das wollen wir dies fortführen.“

Musiker, die sich den modernen Kompositionen verschrieben haben, können sich bei der Pfingstwerkstatt sogar noch interdisziplinär fortbilden. Jedes Jahr laden die Veranstalter Wissenschaftler zu Kolloquien über das jeweils aktuelle Thema ein. An diesem Wochenende sollen ein Astronom, ein Meteorologe und ein Philosoph Vorträge rund um das Klima halten. (AP)

 

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