Universum - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Der Mann für lange Raumflüge – Joachim Sondermann
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Aktuelle Nachrichten – Universum

Der Mann für lange Raumflüge

Joachim Sondermann

18.12.2006

Reiter auf der Raumstation (AP Photo/NASA TV)
Reiter auf der Raumstation (AP Photo/NASA TV)

Köln – Thomas Reiter muss wohl zu besonderer Geduld veranlagt sein. Zwei Mal flog der 48-Jährige ins Weltall, beide Male zu Langzeitmissionen. Mit insgesamt rund 350 Tagen im All rückt er nach Flugdauer unter die Top 30 der Astronauten und Kosmonauten auf, Rekord für die europäische Weltraumorganisation ESA. Als erster Europäer war der Deutsche fast ein halbes Jahr lang Mitglied der ständigen Bordmannschaft der Internationalen Raumstation ISS. Ebenfalls als erster ESA-Astronaut verließ er die ISS zu Außenbordarbeiten.

Am (kommenden) Donnerstag wird er von seiner Mission voraussichtlich auf die Erde zurückkehren. Der 48-jährige Reiter war am amerikanischen Nationalfeiertag, dem 4. Juli, an Bord des Space Shuttle „Discovery“ zu seinem zweiten Flug in die Umlaufbahn gestartet. 1995/96 flog der ausgebildete Kampf- und Testpilot der Luftwaffe schon 179 Tage lang an Bord der russischen Station „Mir“.

Reiter führte in der ISS wissenschaftliche Experimente vor allem aus der Humanmedizin, aber auch aus Physik und Biologie durch. Zu seinen Aufgaben gehörte ferner die Wartung der Station, zusammen mit seinen Kollegen aus den USA und Russland. Mehrfach berichtete Reiter während der Langzeitmission über Videoschaltungen direkt aus der ISS zur Erde, wo unter anderem Schulklassen Fragen stellen und Experimente veranstalten konnten.

Formal war Reiter auf der ISS Mitglied des russischen Raumfahrtteams. Seit April 2001 hatte er sich auf den ersten Langzeitflug eines ESA-Astronauten in der Station vorbereitet. Das Training absolvierte er bei der NASA in Houston, Texas, ebenso wie im russischen „Sternenstädtchen“ bei Moskau und im ESA-Astronautenzentrum in Köln. Ursprünglich hatte er bereits im November 2005 zur ISS starten sollen, doch technische Probleme verzögerten den Flug.

Kochen und Fechten als Ausgleich

Reiter wurde am 23. Mai 1958 in Frankfurt am Main geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Hobbys sind Fechten, Badminton, Kochen und Gitarrespielen. Reiter erwarb einen Abschluss in Luft- und Raumfahrttechnologie an der Bundeswehr-Hochschule in Neubiberg bei München. Danach flog er „Alpha-Jet“-Jagdbomber, später stieg er auf den „Tornado“ um. In Manching und in der britischen Elite-Einrichtung Boscomb Down wurde er zum Testpiloten ausgebildet.

1992 stieß der Kampfpilot zum europäischen Astronautenkorps in Köln. Bei seinem Erstflug zur „Mir“ arbeitete er – neben den wissenschaftlichen Experimenten – als Bordingenieur und verließ die Kapsel zwei Mal zu Außenarbeiten im luftleeren Raum.

(AP)

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