Trends – Der O-Bus – Neue Chance ohne Oberleitung? – Wolfgang Duveneck
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EU fördert Trolley-Projekt Der O-Bus – Neue Chance ohne Oberleitung?

Wolfgang Duveneck

04.08.2012

Stadtplaner wünschen eine Zukunft ohne Oberleitungen.  Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd
Stadtplaner wünschen eine Zukunft ohne Oberleitungen.

Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd

Berlin – Esslingen in Baden-Württemberg, Eberswalde in Brandenburg und Solingen in Nordrhein-Westfalen haben etwas gemeinsam: Sie sind die letzten Städte in Deutschland mit O-Bussen - auch Trolleybusse genannt – von ursprünglich rund 100. Doch die Technik, die in vielen Städten als veraltet gilt, rückt im Zeitalter der Energiewende wieder in den Blickpunkt.

"O-Busse – das 'O' steht für Oberleitung – sind absolut modern", glaubt Frank Wruck, der Chef der Barnimer Busgesellschaft in Eberswalde. Die Chance, dass die "gleislosen Straßenbahnen" bald wieder in mehrere Städte zurückkehren könnten, schätzt er als "relativ hoch" ein. Auch auf EU-Ebene wurde das Thema erkannt. Noch bis Anfang kommenden Jahres soll ein "Trolley-Projekt" die Elektrobusse "als sauberste und ökonomischste Verkehrsalternative für nachhaltige Städte und Regionen in Mitteleuropa" fördern. Aus Deutschland ist neben Eberswalde auch Leipzig als Partner im Projekt dabei.

Eine Erfindung von gestern mit Technik von morgen – so sehen viele Experten die Zukunft der Fahrzeuge, die wie ein klassischer Linienbus aufgebaut sind, aber mit Elektro- statt mit Dieselmotor fahren. Ihren Strom beziehen sie derzeit noch aus einer Oberleitung über der Fahrbahn – dem größten Handicap, wie Kritiker meinen. "Auf jeden Fall lohnt es sich überall dort, wo die Leitungen vorhanden sind, daran festzuhalten und das System weiterzuentwickeln", sagt der Verkehrswissenschaftler Antonios Tsakarestos von der Technischen Universität München. Elektrisch betriebene Mobilität werde immer wichtiger. Die Tatsache, dass es in Deutschland nur drei Städte mit O-Bussen gibt, bedeute keinesfalls, dass solche Technik keine Zukunft habe. Jedoch müsse jede Gemeinde prüfen, was sich unter den jeweiligen Voraussetzungen ökonomisch und ökologisch lohne.

Sven Klausner vom Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme sieht unterdessen Bestrebungen für fahrdrahtlosen öffentlichen Personennahverkehr weltweit auf dem Vormarsch, weil die Akzeptanz für oberleitungsgeführte Systeme mehr und mehr zurückgehe. Das betreffe auch Stadtbahnen. Grund seien neben Kosten für Erstellung und Unterhaltung vor allem die stadtplanerische Ablehnung.

Induktionsschleifen statt Oberleitung

Dem versucht die Technik entgegenzuwirken: So will zum Beispiel der einzige deutsche O-Bushersteller Viseon aus dem bayerischen Pilsting auf der Internationalen Automobilausstellung IAA für Nutzfahrzeuge in Hannover (20. bis 27. September) in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Bombardier einen O-Bus vorstellen, der ohne das "O" auskommt. Seinen Fahrstrom bezieht der Bus aus einem Speicher im Fahrzeug, der in regelmäßigen Abständen über ein Induktionsverfahren aufgeladen wird. "Dazu braucht der Bus keine Oberleitung mehr, sondern muss über eine unter der Straße liegende Induktionsschleife fahren. Dort nimmt er berührungslos den Strom auf", erläutert Viseon-Sprecher Andreas Lubitz.

Bis solche Technik in Serie gehen könnte, sieht Frank Wruck aus Eberswalde eine Kombination aus Oberleitungs- und Batteriebus als beste Lösung an. "Schon jetzt sind wir in der Lage, auch ohne Oberleitung mit eingezogenen Stromabnehmern und Batteriestrom mindestens fünf Kilometer weit zu fahren." So können künftig O-Busse kurze Strecken auch dort fahren, wo der Bau von Stromleitungen Probleme bereitet.

Weltweit 300 O-Bus-Betriebe

Dass sich die O-Bus-Technologie trotz endlicher Öl-Ressourcen und des Bemühens um Verringerung von Abgas- und Lärmemissionen noch nicht durchsetzt, ist für Wruck ein Rätsel. "Ärgerlich ist, dass in Deutschland nur Hybrid-Busse gefördert werden, O-Busse und Straßenbahnen dagegen nicht."

Weltweit gibt es nach Schätzungen derzeit noch mehr als 300 Verkehrsbetriebe mit O-Bussen, darunter vor allem in Russland und seinen Nachbarländern, aber auch in den USA und vielen europäischen Ländern. Neue Hoffnung für die O-Bus-Befürworter könnte das Trolley-Projekt der EU geben, in dem neun europäische Partner aus sechs Ländern zusammenarbeiten. "Das Projekt gibt uns vielfältige Möglichkeiten für Studien und Experimente", sagt Projektmanager Wolfgang Backhaus. Dazu gehöre auch das Bestreben, das Image von Trolleybussystemen neu zu definieren.

Ob die Aktivitäten Erfolg haben werden, bleibt offen. "Sicher ist: Es gibt nicht die eine Lösung für den öffentlichen Nahververkehr", sagt Verkehrswissenschaftler Tsakarestos. "Letzten Endes ist alles Patchwork."

(dapd)

 

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