Aktuelle Nachrichten – Kultur
24.05.2006
Berlin - Meditation und Yoga zum Frühstück, tagsüber Diplomatie und am Abend Bossa Nova. Gilberto Gil ist nicht nur einer der bekanntesten Musiker Brasiliens und Grammy-Preisträger. Seit 2002 ist er Kulturminister im Kabinett von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Gil gilt als einer der wichtigsten Botschafter der brasilianischen Regierung. Er begleitete Präsident Lula auf Reisen nach Afrika und trat vor den Vereinten Nationen zusammen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan auf.
Zusammen mit Fußballer-Legende Pele initiiert Gil parallel zur Fußball-WM das Festival «Copa da Cultura». In mehreren deutschen Städten wird die brasilianische Kulturszene vorgestellt - von Hip-Hop über Kammermusik bis hin zu Funk, und natürlich auch durch heiße Sambarhythmen. Darüber hinaus gibt es Ausstellungen, Tanz- und Theater-Performances, Filme und Lesungen mit brasilianischen Künstlern. Ein Höhepunkt soll ein Konzert werden, bei dem der Meister selbst auftritt: Am Donnerstag im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.
Für den 63-Jährigen ist das Ministeramt kein Grund, die Musik an den Nagel zu hängen. Irgendwie müsse er ja überleben, sagte er nach seiner Ernennung. Reich werden können die brasilianischen Minister von einem Salär von umgerechnet etwa 3.000 Euro monatlich nicht. Noch bevor er entschied, der Bitte seines Freundes Lula zu folgen, handelte Gil aus, dass er auch künftig als Musiker auftreten kann.
Seine Stimme ist charismatisch. Meditation und Yoga gehören zum täglichen Ritual. Seit Jahren ernährt sich der umweltbewusste Musiker makrobiotisch und beschäftigt sich intensiv mit dem Zen-Buddhismus. Außerdem huldigt Gil, der aus dem schwarzen Nordosten Brasiliens stammt, der afro-brasilianischen Kultreligion Candomblé und trägt jeden Freitag weiße Kleidung, aus Respekt vor seiner Geschichte und Religion. So heißt einer seiner beliebtesten Songs auch «Andar com fé»(»Im Glauben gehen»).
«Brasilianischer Bruder» von Bob Marley
Als Kulturminister steht Gil für die brasilianische Identität. Die unterschiedlichen Einflüsse der afrikanischen Sklaven, Indios oder europäischen Einwanderer sind die Wurzeln der modernen brasilianischen Kultur. «Verschiedenheit» (»Diversidade») wurde zum Schlüsselwort seiner Amtsführung.
1942 geboren, gründete Gil mit 18 Jahren seine erste Band. Inspiriert vom Siegeszug des Bossa Nova in den 50er Jahren begann sich Gil voll und ganz dieser Musikrichtung zu widmen. Neben seinem Betriebswirtschaftsstudium fing er an zu komponieren. Zu seinen engsten Weggefährten und Freunden gehört der Musiker Caetano Veloso.
1968 wurde Gil wegen des politischen Inhalts seiner Songtexte von der brasilianischen Militärjunta verhaftet und ins Exil nach London abgeschoben. Dort lernte er den Reggae-König Bob Marley kennen und wurde zu dessen «brasilianischem Bruder».
http://www.cultura.gov.br/
http://www.gilbertogil.com.br/
http://www.brasilianische-botschaft.de/
(AP)
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