Aktuelle Nachrichten – Kultur
14.09.2011
Foto: Steffi Loos/dapd
Berlin – Ein modern geschwungener Bau mit breiten, hellen Fensterfronten: Der Widerspruch zwischen Gestaltung und Zweck des "Tränenpalastes" hätte größer kaum sein können. Von 1962 bis 1989 diente der neben der Spree und dem Bahnhof Friedrichstraße stehende Glaspavillon im geteilten Berlin als Sieb zwischen West und Ost.
War die Abfertigungshalle an der zentralen Grenzübergangsstelle zwischen beiden Teilen der Stadt für die einen eine lästige und meist schikanöse Ausreise-Schleuse, so bedeutete sie für die anderen ein unüberwindbares Hindernis. Da die meisten DDR-Bürger keine Reisefreiheit genossen, war für sie an dem Kontrollpunkt Endstation. Herzzerreißende, tränenreiche Abschiedsszenen spielten sich vor dem Gebäude ab. Nun eröffnet im Bauch des in den vergangenen Jahren sanierten "Tränenpalastes" eine Dauerausstellung mit dem Titel "GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung".
"Der Tränenpalast erinnert wie kaum ein anderer historischer Ort an die Teilung Deutschlands und die damit verbundenen Schicksale", erläutert Hans Walter Hütter, Präsident der federführenden Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Auf 550 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigen insgesamt 570 Objekte den leidvollen Umgang der Deutschen mit der Trennung von Freunden und Familie.
Neben Fotos, Ton- und Filmdokumenten sowie mehreren biografischen Beispielen ist eine originale Abfertigungskabine einer der Höhepunkte. Mitsamt weiteren Teil-Imitaten erstreckt sie sich vor dem Ausgang zum Bahnhof über die ganze Breite des Gebäudes. Die schmale Kabine wurde von der Stiftung unmittelbar nach der Aufgabe des Kontrollpunktes abgebaut. Bislang stand sie im Museum der Stiftung in Bonn, erst jetzt hat sie den Weg zurück an ihren angestammten Platz gefunden.
Die Stiftung rechnet mit etwa 1.000 Besuchern pro Tag. "Erreicht werden soll ein breites Publikumsspektrum", erklärt Stiftungssprecher Peter Hoffmann. Die Ausstellung sei so konzipiert, dass sich sowohl Zeitzeugen, Touristen, die häufig nur wenig Zeit mitbrächten, und auch interessierte Bürger gut aufgehoben fühlten. Mithilfe der multimedialen Elemente sollten insbesondere auch Jugendliche angesprochen werden, die den "Tränenpalast" nicht mehr aus eigenem Erleben kennen.
"Die Ausstellung ist wirklich in Ordnung", lobt der Zeitzeuge Holger Klein, der nach langer Zeit erstmals wieder im "Tränenpalast" ist. "Zum Glück hat er halbwegs seine Fassade erhalten, der 'Tränenpalast' ist noch erkennbar." Klein hat die Grenzstation nach seiner Flucht von Ost nach West Mitte der 60er Jahre und der Teilamnestie von DDR-Flüchtlingen Anfang der 70er Jahre häufig durchlaufen.
Seine Eltern hatte er in der DDR zurückgelassen, daher nahm er die Prozedur auf sich, um sie in der Oranienburger Straße zu besuchen. Positiv findet Klein, dass sich die Ausstellung nicht allein auf die Geschichte des Hauses beschränkt, sondern auch einen größeren Bogen spannt und sich etwa den wichtigsten Etappen des Vereinigungsprozesses zuwendet.
Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 09.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
(dapd)
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