Aktuelle Nachrichten – Kultur
05.04.2010
Bremen (apn) Die Butterdose mit Cromargan-Untersatz, das Teeservice aus Jenaer Glas, die Bauhaus-Leuchte mit Kugelschirm aus weißem Glas: Zahlreiche Firmen verdienen bis heute Geld mit Produkten des Bauhaus-Schülers Wilhelm Wagenfeld, der als einer der bedeutendsten deutschen Industriedesigner gilt. Ab 15. April zeigt die Wagenfeld-Stiftung in seiner Heimatstadt Bremen eine Werkschau mit den zeitlosen Produkte des Designers. Der Tag der Eröffnung ist 110. Geburtstag Wagenfelds; er starb am 28. Mai 1990 in Stuttgart.
„Brauchbar sein heißt, auch schön sein, denn alles Brauchen muss schön sein können, anders erfüllen die Dinge nicht ihren Sinn“, beschrieb er seine Arbeit, die mehr als 1.000 Geschirrteile, Leuchten, Gläser, Bestecke, Kannen und mehr umfasst.
Nicht das exklusive Einzelstück, sondern „das anonyme Massenprodukt als bis ins kleinste durchdachte Spitzenprodukt war sein Anliegen“, sagt Beate Manske, die die Wagenfeld-Stiftung leitet. Zugleich seien seine Entwürfe so konzipiert gewesen, dass die Firmen sie günstig produzieren und vielfach in Millionenstückzahlen absetzen konnten. „Ich weiß sonst keine Haushaltswaren, die so lange am Markt sind wie die von Wagenfeld.“
Die Kunststoff-Firma Johannes Buchsteiner im württembergischen Gingen an der Fils zum Beispiel hat allein in den letzten fünf Jahren jährlich rund 250.000 Wagenfeld-Eierlöffel über Kaufhäuser und Supermärkte abgesetzt. Im Sortiment sind sie seit den Anfängen der Zusammenarbeit mit Wagenfeld in den 50er Jahren, berichtet Renate Buchsteiner. Bis heute finden auch ein Salatbesteck, ein Tortenheber und das mit 5,50 Euro teuerste Stück Abnehmer: ein Bowlenlöffel. Die ebenfalls zu den umsatzstärksten Produkten zählenden Salatseiher sind „wegen Abnutzung der Werkzeuge leider nicht mehr verfügbar“, bedauert die Firmenchefin.
Im Laufe der Jahrzehnte habe man immer wieder feststellen können, wie zeitlos schön und praktisch ein Wagenfeld-Design sei, so Buchsteiner. Das stellten auch andere Firmen fest. Für WMF zum Beispiel hatte Wagenfeld zwischen 1949 und 1977 nach Firmenangaben rund 300 Produkte entworfen, die Varianten mitgezählt. Neuerdings wieder gefragt sind zum Beispiel die Salzstreuer „Max und Moritz“.
Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg nahm ein Geschirr wieder ins Programm. Jenaer Glas, heute Tochter der Zwiesel Kristallglas AG, setzt auf ein 1931 entworfenes Teeservice und kaum jüngere eigenwillige Eierkocher, die sich auch für die Zubereitung von Pasteten, Soufflés oder Süßspeisen eignen sollen.
Anders als Buchsteiner sind diese Unternehmen schweigsam hinsichtlich Produktionszahlen und Umsätzen. Ein Indiz für die gute Resonanz: „Die zeitlose Formgebung von Wilhelm Wagenfeld ist nach wie vor sehr erfolgreich und aktuell“, sagt Katja Schneider von Zwiesel. Ob das Haus auch ein Aufbewahrungssystem aus Pressglas wieder herausbringt, ist noch in der Überlegung.
Angefangen hatte Wagenfeld mit einem edleren Stoff: Silber. Als 14-Jähriger hatte er eine Lehre bei der Bremer Manufaktur Koch und Bergfeld angetreten. Nach einigen Stationen lernte er von 1923 bis 1925 in der Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses in Weimar und wurde damit Mitglied der bis heute wohl wichtigsten deutschen Designschule. Unter anderem folgten viele freie Aufträge für Firmen, Hochschullehre, die Gründung einer eigenen Werkstatt.
Im hohen Alter hatte er erlebt, dass ein zuvor nie in Serie gefertigter Wagenfeld-Entwurf doch noch Kundschaft fand. Seit 1980 fertigt die Bremer Firma Tecnolumen Lampenvarianten aus Wagenfelds Zeit beim Bauhaus. Die Leuchten wurden zu Ikonen des Bauhaus-Stils mit seinen sachlichen, funktionsbetonten Linien. Heute liegt Tecnolumen im ständigen Kampf mit Kopisten, wie Geschäftsführer Carsten Hotzan berichtet. Massenware sind die lizenzierten Lampen bei einem Marktpreis von etwa 360 Euro nicht, dennoch verkauft das Haus sie in viele Länder. (AP)
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