Frankfurt/Main – Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland dürfte nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes drastisch zunehmen. Statt wie heute 2,1 Millionen könnten wegen des demographischen Wandels im Jahr 2030 dann 3,4 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen sein, was einem Plus von 58 Prozent entspräche, erklärte die Behörde am Mittwoch.
Die Behandlungsfälle in Krankenhäusern könnten um zwölf Prozent von 17 Millionen auf 19 Millionen zunehmen. Ursache ist die wachsende Zahl älterer Menschen bei sinkender Gesamtbevölkerung. Nach den Ergebnissen der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung wird die Zahl der 60-Jährigen und Älteren voraussichtlich um rund 38 Prozent auf 28,4 Millionen zunehmen. Die Zahl der über 80-Jährigen soll laut Bundesamt sogar um 73 Prozent von 3,6 Millionen auf 6,3 Millionen steigen.
Die Grünen warfen der Regierungskoalition vor, angesichts der drastischen Prognosen nicht ausreichend vorgesorgt zu haben. Die Finanzierung der Pflegeversicherung sei trotz der jüngsten Reform maximal bis 2015 gesichert, kritisierten die Sozialpolitiker Britta Haßelmann und Elisabeth Scharfenberg von der Bundestagsfraktion der Grünen. Statt der Trennung zwischen Sozialer und Privater Pflegeversicherung fordern sie eine solidarische Bürgerversicherung.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes dürfte die veränderte Bevölkerungsstruktur zu einem deutlich höheren Anteil älterer Pflegebedürftiger führen: Während heute 53 Prozent der Pflegebedürftigen 80 Jahre und älter sind, könnten es 2030 bereits rund 65 Prozent sein. Die Zahl der Pflegebedürftigen in diesem Alter steigt dabei von 1,1 Millionen auf etwa 2,2 Millionen. Bei dieser Berechnung wird angenommen, dass sich der Anteil der Pflegebedürftigen in jeder Altersgruppe bis 2030 nicht verändert.
Wird hingegen davon ausgegangen, dass sich das Pflegerisiko entsprechend der steigenden Lebenserwartung in ein höheres Alter verschiebt, läge die Zahl der Pflegebedürftigen ab 80 Jahren künftig nur bei zwei Millionen. Die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen würde in diesem Modell statt auf 3,4 Millionen nur auf 3,0 Millionen ansteigen.
Bei der Entwicklung der Behandlungsfälle in Krankenhäusern ergibt sich ein differenzierteres Bild: Bei gleich bleibender Behandlungsquote aller Altersgruppen ist wegen der sich ändernden Altersstruktur zwar ein Anstieg um insgesamt zwei Millionen Behandlungsfälle zu erwarten.
In einzelnen Krankheitsfeldern gibt es jedoch unterschiedliche Entwicklungen: So dürften typische Alterskrankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Krebserkrankungen mit einem Plus von 34 und 21 Prozent stark zunehmen. Dagegen dürften Krankenhausaufenthalte wegen Geburten um 22 Prozent zurückgehen.
Wird hingegen davon ausgegangen, dass altersbedingte Krankheiten wegen der steigenden Lebenserwartung erst später auftreten, erhöht sich die Zahl der Krankenhausbehandlungen statt auf 19 Millionen nur um knapp eine Million auf 17,9 Millionen. (AP)
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