Aktuelle Nachrichten – Umwelt
31.05.2007
Düsseldorf – Die deutsche Autoindustrie hat im Streit um gemeinsame CO2-Grenzwerte in Europa vor verheerenden Folgen für die heimischen Hersteller gewarnt. „Wenn wir auf eine segmentbezogene Regelung verzichten müssten und einen Einheitsbrei organisierten, wo der Kleinwagen genauso behandelt würde wie der Geländewagen, wäre die industrielle Existenz der deutschen Autoindustrie bedroht“, warnte der neue Chef des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe). Wissmann tritt sein neues Amt am (morgigen) Freitag an.
Deutschland liegt in Brüssel mit Frankreich und Italien im Streit über die Verteilung der Lasten. Die schärferen Umweltauflagen treffen besonders die deutschen Premiummarken, da ihre Modelle meist größer und stärker motorisiert sind als die der französischen und italienischen Konkurrenten. Die deutschen Autokonzerne wollen die Auflagen deshalb nach Größenklassen der Fahrzeuge differenzieren, während Franzosen und Italiener sich für die gleichen Grenzwerte für jeden Hersteller aussprechen.
Die EU will die Autokonzerne verpflichten, den Kohlendioxid-Ausstoß neuer Pkw bis 2012 auf durchschnittlich 130 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Weitere zehn Gramm sollen durch verbesserte Kraftstoffe und Reifen abgebaut werden. Zurzeit liegt der durchschnittliche Emissionswert bei 160 Gramm.
Wissmann kündigte im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ bereits für die im September geplante Automesse IAA in Frankfurt eine Neupositionierung des Verbandes in der Kommunikation an. „Wir werden bereits auf der IAA unsere Handschrift in der Kommunikationsstrategie des Verbandes sichtbar machen und das Thema nachhaltige Mobilität ins Zentrum stellen“, sagte er. Die nächste IAA werde das Umweltbewusstsein der Industrie transparenter und die bereits erzielten Fortschritte und die noch bevorstehenden Anstrengungen deutlich machen. „Es wird ein Feuerwerk an neuen Ideen auf der IAA geben, wie wir den Kraftstoffverbrauch unserer Fahrzeuge künftig weiter senken können“, sagte Wissmann.
Wissmanns Vorgänger Bernd Gottschalk, der den Vorsitz über einen der mächtigsten Industrieverbände Deutschlands über ein Jahrzehnt innehatte, war Mitte März überraschend zurückgetreten. Wie es in Medienberichten hieß, warfen die Chefs der deutschen Autohersteller ihm eine verspätete und lasche Reaktion in der Klimaschutz-Debatte vor.
Der Verband macht die anhaltende Debatte um CO2-Obergrenzen neben der Mehrwertsteuererhöhung sowie der unklaren Neuregelung der Kfz-Steuer mitverantwortlich für die Kaufzurückhaltung auf dem deutschen Markt, die der VDA mit Sorge beobachtet. „Wenn es bis Juni zu keiner Trendwende am deutschen Markt komme, werden wir uns neu positionieren“, sagte Wissmann. Bisher geht der Verband für das laufende Jahr von rund 3,3 Millionen Neuzulassungen in Deutschland aus. Dank des guten Exportgeschäfts könne 2007 aber wieder ein gutes Jahr für die deutsche Autoindustrie werden, sagte er der Zeitung zufolge. (AP)
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