Menschen & Meinungen – Deutsche Einheit war ein „unglaubliches Experiment“ – DAPD
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MDR-Intendanten Udo Reiter Deutsche Einheit war ein „unglaubliches Experiment“

DAPD

15.09.2010

Leipzig – Die deutsche Wiedervereinigung vor 20 Jahren ist nach Ansicht des MDR-Intendanten Udo Reiter ein "unglaubliches Experiment" gewesen. In kürzester Zeit seien zwei Staaten mit völlig unterschiedlichen politischen Systemen zusammengewachsen, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. "Im Großen und Ganzen ist die deutsche Einheit vollendet", erklärte Reiter, der seit der Gründung des Mitteldeutschen Rundfunks vor fast 20 Jahren Intendant der Dreiländeranstalt ist. Nur im sozialen und psychologischen Bereich gebe es seiner Ansicht nach noch Probleme.

"Die Ostdeutschen mussten eine Menge wegstecken und assimilieren. Sie waren in einer sehr viel schwierigeren Lage als die Menschen im Westen", erklärte Reiter. Noch bestehende Ost-West-Unterschiede würden sich erst über mehrere Generationen hinweg ausgleichen.

Anders als in den alten Bundesländern seien unter anderem die Gewohnheiten der Ostdeutschen beim Fernsehkonsum. Studien zufolge schauen sie im Durchschnitt täglich bis zu einer Stunde mehr fern als die Westdeutschen. Das hänge mit dem höheren Durchschnittsalter der Menschen im Osten, aber auch mit deren Lebenssituation etwa durch eine höhere Zahl von Arbeitslosen zusammen.

Der Mitteldeutsche Rundfunk widmet nach den Worten Reiters als einzige rein ostdeutsche ARD-Anstalt im September und Oktober dem 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung insgesamt mehr als 70 Projekte in Fernsehen, Radio und im Internet. Ein Schwerpunkt sei dabei die aufwendig produzierte, vierteilige TV-Dokumentation "Damals nach der DDR", die am Montag gestartet ist. Dafür seien 1.000 Menschen zu ihren Nachwende-Schicksalen befragt.

Weitere umfangreiche Projekte seien das "Gipfeltreffen Ost" von elf ehemaligen Ministerpräsidenten Ostdeutschlands mit dem Bundesinnenminister am Donnerstag im Berliner Bundesrat sowie ein prominent besetztes Ost-West-Fußballspiel am 20. November, das vom MDR live übertragen werde. "Der MDR ist ein Kind der deutschen Einheit. Wir fühlen uns dem Thema besonders verpflichtet", sagte Reiter. (dapd)

 

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