Hamburg – Die Bundesbürger essen so viel Fisch wie seit 100 Jahren nicht. „Nach vorläufigen Daten wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch und Fischereierzeugnissen im Jahre 2006 mit rund 15,6 Kilogramm den höchsten Stand seit 100 Jahren erreichen“, sagte Geschäftsführer Matthias Keller vom Bundesverband Fisch. Im Vorjahr waren es erst 14,8 Kilogramm.
Die deutsche Fischindustrie und der Fischgroßhandel zeigten sich sehr zufrieden mit der wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2006. „Der Umsatz mit Fischen, Krebs- und Weichtieren hat sich gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Prozent erhöht“, sagte Keller. Insbesondere eine kräftige Nachfrage aus dem Ausland habe zu diesem positiven Ergebnis beigetragen.
Vor allem Frische zählt bei den Kunden: 2006 waren Fischmarinaden, Frischfisch- und Tiefkühl-Fischerzeugnisse bei den Verbrauchern am häufigsten im Einkaufskorb, während Fisch-Dauerkonserven und Räucherfisch mengenmäßig weniger nachgefragt wurden.
Bei den Arten stehen nach wie vor Alaska-Seelachs, Hering, Lachs und Tunfisch an der Spitze der Kunden-Hitliste. Zunehmend beliebter ist laut Keller Seelachs, der 2005 die fünfte Position einnahm, und in diesem Jahr weiter Marktanteile gewinnen konnte. Eine große Dynamik weisen außerdem Fischarten wie Pangasius, Zander und Victoriasee-Barsch auf, die neben Tilapien und anderen Fischen wie Kabeljau und Heilbutt aus der Aquakultur neue Kaufanreize schaffen.
Die Industrie macht sich trotz der jüngsten EU-Beschlüsse zur Senkung der Fangquoten Sorgen um den Nachschub: „Für die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Unternehmen der Fischwirtschaft sind die Versorgung mit Fischereierzeugnissen aus bestandserhaltender Fischerei sowie die Erschließung bislang wenig bekannter Fischarten für den Konsumenten die beiden wichtigsten Herausforderungen des Jahres 2006 und der kommenden Jahre“, sagte Keller.
Die Fischwirtschaft arbeite daran, neben einer guten Qualität an konventionell gefangenen Fischen auch Fischereierzeugnisse anzubieten, die aus Fischereien und Aquakulturen stammen. Fischereierzeugnisse mit dem blauen Fischzeichen des Marine Stewardship Council (MSC) geben dem Konsumenten laut Keller die Gewissheit, dass das so gekennzeichnete Erzeugnis aus einer Fischerei stammt, die bestandserhaltend fängt und umfassend kontrolliert wird.
Die EU-Fischereiminister vereinbarten kurz vor Weihnachten eine Senkung der Fangquoten um 14 Prozent. Damit dürfen allein in der Nordsee 2007 rund 20.000 Tonnen des bedrohten Kabeljau gefangen werden. Die Umweltschutzorganisation WWF bezeichnete die EU-Entscheidung als „Kniefall vor der Fischerei-Lobby“.
(AP)
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