Menschen & Meinungen – Deutsche Grundschulen in internationaler Spitzenliga – Holger Mehlig
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Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen

Deutsche Grundschulen in internationaler Spitzenliga

Holger Mehlig

28.11.2007

Berlin – Erfolg für das deutsche Bildungssystem: In keinem Land der Europäischen Union sind die Leseleistungen signifikant besser als bei den Viertklässlern hier zu Lande. Das geht aus der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) 2006 hervor. Insgesamt liegt Deutschland mit Platz elf im oberen Viertel der 45 Staaten. Platz eins erreichte Russland vor Hongkong und Kanada. 2001 noch hatte Schweden den ersten Platz belegt, das nun auf Rang zehn absackte.

Im Vergleich zur ersten Iglu-Studie seien in Deutschland in allen Dimensionen der Lesekompetenz bessere Ergebnisse erzielt worden, heißt es in der Studie. Die Zahl besonders schwacher Schüler sei gesunken, während die der starken Leser zugenommen habe. Insgesamt erreichte Deutschland 548 Punkte (2001: 539). Russland lag bei 565 Punkten. Die Bundesrepublik hatte bereits 2001 gut abgeschnitten. Bei damals allerdings nur 36 teilnehmenden Ländern war ebenfalls der elfte Platz erreicht worden.

Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg spielt aber bereits in den Grundschulen in Deutschland eine große Rolle. Schüler aus den unteren und oberen sozialen Schichten unterscheiden sich in ihren Leseleistungen erheblich, wie aus der Studie hervorgeht. Die Differenz liege in Deutschland bei 67 Punkten und damit über dem internationalen Mittelwert. Darüber hinaus sind die weitaus schlechteren Leistungen von Migrantenkindern in Deutschland auffallend. Gegenüber 2001 seien die migrationsbedingten Ungleichheiten jedoch zurückgegangen.

In Deutschland sank laut Studie der Anteil der Schüler, die nicht in der Lage sind, relevante Informationen in Texten aufzufinden und miteinander in Beziehung zu setzen, auf 13,2 Prozent. Nur in zwei Ländern, in Hongkong und den Niederlanden, sei der Anteil der Schüler in der sogenannten Risikogruppe signifikant geringer. Der Anteil der Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe betrage 10,8 Prozent und entspreche damit dem Mittelwert der EU- sowie OECD-Staaten.

Deutsche Eltern lesen selten vor

Die Studie stellt fest, dass dem Elternhaus bei der Entwicklung von Lesefreude eine herausragende Rolle zukommt. Im internationalen Vergleich aber läsen deutsche Eltern seltener mit ihren Kindern. Allerdings gebe es in keinem anderen Land der EU mehr Kinder, die angäben, täglich zu ihre Vergnügen zu lesen.

Bildungsministerin Annette Schavan sagte, die Studie sei Ermutigung und stelle den Lehren ein gutes Zeugnis aus. „Deutsche Grundschulen spielen in der internationalen Spitzenliga. Wir haben die besten Grundschulen Europas“ Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Jürgen Zöllner, sagte, die angestoßenen Maßnahmen begännen zu greifen. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Der Deutschlandchef der Studie, Wilfried Bos, sagte in der „Zeit“, ein entscheidender Grund für die Verbesserung Deutschlands im internationalen Vergleich sei, dass an den Grundschulen moderner unterrichtet werde als an den weiterführenden Schulen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärte, die guten Leseleistungen zeigten, dass Deutschland zur internationalen Bildungselite gehören könnte, wenn der „Unfug“ mit der frühen Aufteilung der Kinder in unterschiedlich anspruchsvolle Schulformen endlich aufhöre.

Die Iglu-Studie testet international vergleichend alle fünf Jahre das Leseverständnis von Schülern der vierten Klasse. Zuletzt stand das deutsche Bildungssystem massiv in der Kritik. Bei den ersten beiden internationalen Pisa-Studien hatte Deutschland in den Bereichen Lesekompetenz und Mathematik schlecht abgeschnitten. Am (kommenden) Dienstag wird die dritte Pisa-Studie veröffentlicht.

http://www.bmbf.de/

http://www.kmk.org/ (AP)

 

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