Aktuelle Nachrichten – International
15.05.2008
Frankfurt/Main – Mehr als zehn Tage nach der Sturmkatastrophe in Birma wird die Lage in den betroffenen Gebieten immer dramatischer. Viele Opfer leiden nach Angaben von Hilfsorganisationen an Durchfällen und Hautkrankheiten, stillenden Müttern fehlt es wegen der traumatischen Erlebnisse an Muttermilch für ihre Säuglinge. In dem am schwersten betroffenen Irrawaddy-Delta müssen die Menschen Flusswasser trinken, in dem noch immer die Leichen schwimmen, wie das Johanniter-Hilfswerk am Donnerstag berichtete. Dennoch würden ausländische Helfer von der Militärjunta weiter massiv behindert.
„Um überhaupt helfen zu können, müssen wir uns nahe dem Konspirativen bewegen“, sagte Johanniter-Mitarbeiter Alexander Richter nach seiner Rückkehr aus Birma. Der 38-Jährige und drei weitere Helfer konnten demnach zwar einreisen, wurden bei der Arbeit vor Ort aber massiv behindert. Internetseiten zur Kommunikation mit Deutschland seien von der Militärjunta gesperrt worden, Satellitentelefone und Funkgeräte dürften nicht eingeführt werden, sagte Richter. Zugleich sei es Ausländern verboten, im Land Mobiltelefone zu kaufen: „Wir mussten uns in Rangun also immer wieder feste Treffen vereinbaren, um uns auszutauschen.“
Der Zugang zu dem am schwersten betroffenen Flussdelta wurde dem deutschen Helfer nach eigenen Angaben trotz mehrerer Versuche verwehrt. „Wir wurden auf dem Weg dorthin von einem Militärposten gestoppt, die Papiere wurden kontrolliert.“ Zunächst habe es geheißen, unter bestimmten Auflagen sei eine Weiterreise möglich, dann habe das Team aber doch umkehren müssen. Auch weitere Versuche blieben demnach erfolglos. Dabei habe bereits auf dem Weg in die Region ständiger Leichengeruch geherrscht, berichtete Richter.
Nach Angaben des Malteser-Hilfswerks leben allein innerhalb der Stadtgrenzen von Labutta mehr als 100.000 Obdachlose in 58 Flüchtlingslagern. Neben Durchfall und Hautkrankheiten würden in einer Notklinik der Hilfsorganisation zunehmend auch Verbrennungen behandelt, die sich die Sturmopfer beim Kochen mit offenem Feuer im Freien zugezogen hätten, berichteten Mitarbeiter der Organisation.
„Es fehlt an absolut allem“, betonte auch Johanniter-Mitarbeiter Richter: Lebensmittel, Zelte, Decken, Arzneimittel, medizinische Geräte und vor allem Wasser und entsprechende Aufbereitungsmittel. Der Ausbruch von Seuchen sei deshalb nur noch eine Frage der Zeit. Sanitäre Anlagen gebe es faktisch nicht.
Fast zwei Wochen nach dem Zyklon „Nargis“ konnte das Deutsche Rote Kreuz am Donnerstag seine erste Transportmaschine mit sechs mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlagen sowie 16 Tonnen Hilfsgütern nach Birma schicken. Mit den Aufbereitungsanlagen können 225.000 Liter frisches Trinkwasser pro Tag bereitgestellt werden. In den Paketen mit Hilfsgütern befinden sich nach DRK-Angaben Decken, Kochgeschirr, Zelte und Reinigungstabletten für Wasser. Die Hilfe sollen Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Birma in Empfang nehmen.
Bislang konnte das Internationale Rote Kreuz nur 17 ausländische Helfer nach Birma bringen, darunter einen Deutschen. Er soll die Trinkwasseranlagen aufbauen und betreiben. Die Technik soll später von angelernten einheimischen Helfern betrieben werden. (AP)
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