Aktuelle Nachrichten – Konjunktur
22.07.2008
Berlin – Deutschland Führungskräfte schätzen die Konjunktur so pessimistisch ein wie seit Herbst 2002 nicht mehr. Mehr als die Hälfte oder 52 Prozent befürchten einen Einbruch der Wirtschaft. Nur 15 Prozent gehen davon aus, dass es mit der Konjunktur weiter aufwärts geht. Das geht aus der aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für das Wirtschaftsmagazin „Capital“ hervor, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde.
Für das jüngste „Capital-Elite-Panel“ wurden 605 Manager aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in den ersten beiden Juli-Wochen befragt. Für 88 Prozent der Befragten liegt ein Hauptkonjunktur-Risiko im hohen Ölpreis. Die Finanzkrise führen 48 Prozent an, die Inflation 43 Prozent.
Dagegen ist die Lage in den Unternehmen laut Umfrage derzeit noch besser als die Stimmung: 67 Prozent der Top-Manager berichten von einer sehr guten oder guten Auftragslage ihrer Firma. Bei der vorangegangenen Befragung im März waren es allerdings noch 79 Prozent.
Auch die Beschäftigungspläne sind unterm Strich noch positiv: 31 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten neue Mitarbeiter einstellen. Allerdings planen auch schon 19 Prozent einen Stellenabbau.
Laut Umfrage erklären 54 Prozent der Führungskräfte, sie seien mit der Wirtschaftspolitik der Großen Koalition nicht zufrieden. Und nur noch 36 Prozent (März: 45 Prozent) bescheinigen der Bundesregierung, sie sei stark genug. 61 Prozent machen sich Sorgen, dass sie zu schwach ist.
Entsprechend gering ist auch die Begeisterung für eine Fortsetzung des jetzigen Regierungsbündnisses nach der Bundestagswahl 2009. Falls es dann erneut weder für ein Zweierbündnis von Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün reicht, wünschen sich nur noch 25 Prozent ein neue Koalition von Union und SPD. Sechs von zehn Befragten wäre dagegen eine „Jamaika-Koalition“ von Union, FDP und Grünen am liebsten. Eine „Ampel“ unter SPD-Führung wollen sieben Prozent.
Dagegen stößt ein schwarz-grünes Zweierbündnis ohne FDP bei den Befragten auf große Zustimmung: Auf die gesonderte Frage, ob sie es begrüßen würden, wenn nach der nächsten Bundestagswahl Union und Grüne zusammen die Regierung bilden, antworteten 68 Prozent mit Ja.
Allerdings unterscheiden sich Manager und Politiker stark in ihrer Präferenz: Während bei den Wirtschaftsführern eine große Mehrheit von 76 Prozent Schwarz-Grün begrüßen würde, ist es bei den Politkern nur eine Minderheit von 37 Prozent.
Lob für Merkel und Steinmeier
Trotz der weit verbreiteten Skepsis gegenüber der SPD kommt ihr möglicher Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bei den Managern gut an. Nach Einschätzung von 70 Prozent der Befragten hat der Außenminister das Zeug, Bundeskanzler zu werden. 87 Prozent bescheinigen ihm, der aussichtsreichere Kanzlerkandidat als der SPD-Vorsitzende Kurt Beck zu sein. Gegenteiliger Meinung sind sechs Prozent.
Auch vor Angela Merkel, die nach wie vor eine große Mehrheit (76 Prozent) für eine starke Kanzlerin hält, muss Steinmeier sich nicht verstecken. Bei allen persönlich-politischen Eigenschaften schneidet er ähnlich gut ab wie sie. So erhalten sowohl Merkel als auch Steinmeier Lob für ihr Fingerspitzengefühl, ihre Vertrauenswürdigkeit und ihre strategische Klugheit.
http://www.capital.de/ (AP)
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