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PISA-Bildungsstudie Deutschland Deutsche Schüler holen langsam auf

Christiane Jacke

05.12.2010

Berlin – Die deutschen Schüler holen im internationalen Vergleich offenbar langsam auf. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Wochenende vorab berichtete, bescheinigt die neue PISA-Bildungsstudie Deutschland deutliche Fortschritte gegenüber der ersten Untersuchung aus dem Jahr 2000. Bei dem internationalen Bildungsvergleich hatten die 15-Jährigen im Land damals extrem schlecht abgeschnitten.

Bei der jüngsten Untersuchung von 2009 hätten die Jugendlichen in Mathematik und Naturwissenschaften nun besonders gute Leistungen geliefert, berichtete das Magazin. Zufriedenstellend seien auch die Resultate bei der Lesekompetenz. Die Ergebnisse werden am Dienstag veröffentlicht.

"Es geht in die richtige Richtung"

Der Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann wertete die leichte Verbesserung als echten Fortschritt. Auch wenn sich Deutschland nur langsam nach oben arbeite, sei ein kontinuierlicher Anstieg viel wert. "Es bewegt sich in die richtige Richtung", sagte Hurrelmann im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Der PISA-Schock 2001 habe viele Schulen und Lehrer "in ihrer Ehre getroffen". Der Schrecken über das schlechte Abschneiden deutscher Schüler habe damals Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt und "Ehrgeiz angestachelt".

Die erste PISA-Studie 2000 hatte in Deutschland einen Schock ausgelöst. Die Leistungen der deutschen Schüler lagen damals in allen abgefragten Testfeldern deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Etwa 20 Prozent der 15-Jährigen konnten nur auf Grundschulniveau lesen und rechnen. Und: In kaum einem anderen Land hing die Leistung der Schüler so stark von ihrer sozialen Herkunft ab wie hier.

Nach dem PISA-Schrecken vor zehn Jahren hatte die Politik zahlreiche Reformen angestoßen – unter anderem die Stärkung der frühkindlichen Bildung und den Ausbau der Ganztagsschulen. Die Neuerungen brauchen jedoch Zeit, um zu wirken. Einige Änderungen dürften sich erst in den kommenden Jahren bei der Untersuchung niederschlagen.

Probleme sind inzwischen erkannt

Die Probleme im deutschen Bildungssystem seien inzwischen erkannt, sagte Hurrelmann. Zum Teil gehe es aber noch "zu langsam und halbherzig" vorwärts. Der Ausbau der Ganztagsschulen etwa komme nur schleppend voran. Auch die Sprachförderung werde nicht immer konsequent umgesetzt. Hier gebe es Nachholbedarf.

Bei der PISA-Studie werden die Leistungen von Schülern im Alter von 15 Jahren analysiert und international verglichen. Das Kürzel PISA steht für "Programme for International Student Assessment". Forscher erstellen die Studie seit 2000 in einem Rhythmus von drei Jahren. Die Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gilt als einziger internationaler Leistungsvergleich von Schülern gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit.

Bei jeder Untersuchung wird ein bestimmter Schwerpunkt abgefragt. 2000 stand die Lesekompetenz im Mittelpunkt, 2003 mathematische Kenntnisse und 2006 das naturwissenschaftliche Verständnis der Jugendlichen. 2009 lag der Fokus erneut auf dem Lesen.

Schlechte Chancen für sozial Schwache

Deutschland hatte sich bei der zweiten Studie von 2003 ins Mittelfeld vorgearbeitet. 2006 erreichten die deutschen Schüler in Naturwissenschaften sogar erstmals einen Rang oberhalb des OECD-Durchschnitts. In der Mathematik und beim Lesen blieben sie dagegen Mittelmaß.

Auch an einem anderen Punkt änderte sich kaum etwas: Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien haben in der Schule noch immer deutlich schlechtere Chancen als ihre Mitschüler aus bessergestellten Familien. Bildungsexperten gehen davon aus, dass sich hieran auch in der neuen Studie wenig geändert hat. Hurrelmann sagte, die Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien sei nach wie vor ein großes Problem.

Für die jüngste Studie wurden rund 470.000 Schüler in 65 Ländern getestet – darunter alle 34 OECD-Länder. In Deutschland beteiligten sich rund 5.000 Jugendliche an 223 Schulen. PISA 2009 ist die größte der bisherigen vier Studien. (dapd)

 

 

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