Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
14.01.2009
Frankfurt/Main – Finanzmarktkrise und Weltrezession haben Ende 2008 für den stärksten Konjunktureinbruch in Deutschland seit 21 Jahren gesorgt. Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt, BIP, im vierten Quartal um 1,5 bis 2,0 Prozent gegenüber dem dritten Vierteljahr. Ein stärkeres Minus gab es zuletzt Anfang 1987 mit minus 2,5 Prozent. Im Gesamtjahr stieg das BIP dank starken Jahresauftakts noch um 1,3 Prozent. Gegenüber dem Plus von 2,5 Prozent im Jahr 2007 hat sich das Wachstum damit aber fast halbiert.
Der Export als Konjunkturmotor fiel 2008 aus. „Das Wirtschaftswachstum wurde von den Bruttoinvestitionen und vom Staatskonsum getragen. Vom Außenhandel kamen keine Wachstumsimpulse“, erklärte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die Exporte, die in der Vergangenheit das Wachstum getragen hatten, legten zwar um 3,9 Prozent zu, die Importe wuchsen allerdings stärker mit 5,2 Prozent. Die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen verbesserten sich um 5,3 Prozent. Die Bauinvestitionen stiegen um 2,7 Prozent. Der Staatskonsum stieg um 2,2 Prozent. Der Privatkonsum stagnierte dagegen.
Dem Bundesamt zufolge wuchsen im vergangenen Jahr alle Wirtschaftsbereiche. „Das Produzierende Gewerbe und einzelne Dienstleistungsbereiche haben aber deutlich an Schwung verloren“, sagte Egeler. Im Produzierenden Gewerbe schwächte sich das Wachstum deutlich auf 0,7 Prozent ab, nach einem Plus von 5,2 Prozent. Der Bereich Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister wuchs um 1,7 Prozent, 2007 waren es noch 3,6 Prozent gewesen.
„Die im vergangenen Jahr durch die globale Finanzmarktkrise und den weltweiten Wirtschaftsabschwung verursachte Rezession macht sich bereits in den Wirtschaftsdaten des abgelaufenen Jahres 2008 deutlich bemerkbar,“ erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Nach den Ergebnissen der Statistiker dürfte sich die deutsche Wirtschaft seit dem zweiten Halbjahr 2008 in einer Rezession befinden.
Gute Nachrichten gab es vom Staatshaushalt und dem Arbeitsmarkt. Der Staatshaushalt war 2008 nahezu ausgeglichen. Das Finanzierungsdefizit der öffentlichen Haushalte lag nach vorläufigen Berechnungen bei 1,6 Milliarden Euro oder 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ohne Stützungsmaßnahmen für die Finanzbranche und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale hätte der Staat den Angaben zufolge einen Überschuss von 8,5 Milliarden Euro oder 0,4 Prozent des BIP erzielt.
Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Jahresdurchschnitt auf 40,4 Millionen. Das waren 1,5 Prozent mehr als 2007 und der höchste Beschäftigungsstand seit der Wiedervereinigung.
Trotz der Krise konnte sich die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich gut behaupten, wie Egeler sagte. Er wies darauf hin, dass die Europäische Kommission für den gesamten Euro-Raum ein Wachstum von nur 1,2 erwartet.
Düster sind die die Aussichten für dieses Jahr. Konjunkturforscher rechnen mit der schwerste Rezession der Nachkriegszeit. Die Ausgangsbasis für 2009 sei angesichts des vierten Quartals sehr schlecht, erklärten Experten der Commerzbank. Die NordLB erklärte: „Die Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal regelrecht kollabiert.“ Finanzmarktkrise und die Weltrezession würden Deutschland noch einige Quartale im Griff halten. (AP)
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