Aktuelle Nachrichten Europa – Deutsches Todesopfer nach Havarie der "Costa Concordia" bestätigt – Frances D'Emilio und Trisha Thomas / AP
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Vermisstenzahl unklar Deutsches Todesopfer nach Havarie der "Costa Concordia" bestätigt

Frances D'Emilio und Trisha Thomas / AP

22.01.2012

Die genaue Zahl der Vermissten ist immer noch unklar – ein weiteres Todesopfer wurde aus dem Wrack des vor Italien havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" geborgen. Foto: AP Photo/Carabinieri
Die genaue Zahl der Vermissten ist immer noch unklar – ein weiteres Todesopfer wurde aus dem Wrack des vor Italien havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" geborgen.

Foto: AP Photo/Carabinieri

Giglio/Italien – Mindestens ein Deutscher ist bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" vor der italienischen Küste ums Leben gekommen. Das bestätigte ein Sprecher der italienschen Polizei am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Insgesamt seien acht Leichen identifiziert worden, sagte Rocco Carpentieri. Bei den weiteren Toten handle es sich um vier Franzosen und je ein Person aus Spanien, Italien und Ungarn. Etwa 24 Menschen werden noch vermisst. Ihre genau Zahl ist allerdings unklar, weil auch Menschen an Bord waren, die nicht auf den offiziellen Passagierlisten verzeichnet waren.

"Es könnte (eine unbekannte Anzahl von) Personen geben, von denen wir nichts wissen, die blinde" Passagiere waren, sagte der Leiter des Krisenstabs, Franco Gabrielli. Bisher seien insgesamt zwölf Leichen geborgen worden. Von den vier nicht identifizierten Todesopfern sei nicht bekannt, ob sie auch offiziell als vermisst gelten.

So sei eine Ungarin von ihrer Familie bei der Botschaft als vermisst gemeldet worden. Die Frau habe vom Schiff aus Angehörige angerufen. Seit dem 13. Januar hätte sie jedoch nichts mehr von ihr gehört. Möglicherweise handele es sich bei der Leiche, die am Samstag von Tauchern geborgen wurde, um die nicht registrierte Passagierin.

Unterdessen setzten Spezialkräfte am Sonntag die Suche im Wrack der "Costa Concordia" vor der Insel Giglio fort. Insgesamt seien 643 Menschen im Einsatz, darunter 65 Marinetaucher, sagte Gabrielli. Nach Bewegungen in der Nacht im Bug des Kreuzfahrtschiffes waren die Arbeiten vorübergehend unterbrochen worden.

Weitere Frauenleiche geborgen

Taucher haben am Sonntag eine weitere Frauenleiche aus dem Wrack des vor Italien havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" geborgen. Das Opfer habe eine Rettungsweste getragen und sei im unter Wasser liegenden Heck des Schiffes gefunden worden, sagte Zivilschutzsprecherin Francesca Maffini. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 13, von denen bislang acht identifiziert wurden. Etwa 20 Menschen wurden noch vermisst. Die "Costa Concordia" war am 13. Januar vor der toskanischen Insel Giglio auf einen Felsen aufgefahren und leckgeschlagen.

Taucher suchen im Restaurantbereich nach Vermissten

Der Einsatzleiter der Feuerwehr, Cosimo Pulito, erklärte, die Einsatzkräfte hätten erneut Bullaugen eingeschlagen und gesprengt. Sie suchten besonders den Bereich des Restaurants ab. Dieser sei jedoch nur schwer zugänglich, weil zahlreiche Gegenstände das Vorankommen behinderten. Die Taucher müssten in dieser schwierigen Mission an ihre Grenze gehen, sagte Pulito.

Aus dem havarierten Schiff traten bisher keine Kraftstoffe in nennenswertem Umfang aus, wie Einsatzleiter Gabrielli erklärte. Zwar seien Reinigungs- und Desinfektionssubstanzen im Wasser um das Schiff festgestellt worden, die Werte im Hafen von Giglio seien jedoch normal. Ein Einsatzteam einer niederländischen Spezialfirma wartet auf das Ende der Such- und Bergungsarbeiten, um mit dem Abpumpen der etwa 2.200 Tonnen Treibstoff zu beginnen.

Taucher der Polizei schwammen am Samstag zur Kabine des Kapitäns Francesco Schettino, um dessen Safe, Gepäck und Dokumente aus dem Wrack zu holen. Der Kapitän steht weiter unter Hausarrest, während die Polizei gegen ihn wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt. Auf dem Schiff befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls etwa 4.200 Passagiere.

Zuletzt hatte die Kreuzfahrtlinie Costa Crociere, eine Tochter des US-Unternehmens Carnival Cruise Linees, erklärt, Schettino sei ohne Erlaubnis von der ursprünglichen Route abgewichen und habe die "Costa Concordia" nah an die Insel heran gesteuert, offenbar um die Passagiere zu beeindrucken.

Weitere Passagiere wollen offenbar Schadensersatzforderungen geltend machen

In Deutschland wollen nach dem Schiffsunglück offenbar weitere Passagiere Schadensersatzforderungen geltend machen. Zu den fünf Touristen, die bereits Ansprüche in Höhe von rund 100.000 Euro gestellt hätten, würden in der kommenden Woche wohl noch weitere hinzu kommen, sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt.

In den nächsten Tagen führe er Gespräche mit mehreren Touristen, die beabsichtigen, sich Geld zurückzuholen. Die bisherigen Forderungen kämen von zwei Ehepaaren und einer Frau aus Nordrhein-Westfalen. "Allein für die psychische Beeinträchtigung werden 2.500 Euro Schmerzensgeld pro Person geltend gemacht", sagte Reinhardt.

Auf Kreuzfahrten hätten viele Touristen ihr gesamtes Hab und Gut dabei. "Schmuck, Kreditkarten, wichtige Dokumente – nach so einem Unfall ist alles weg", erläuterte der Anwalt das Zustandekommen der Gesamtforderung von 100.000 Euro. Generell müssten Passagiere ihre Ansprüche innerhalb von vier Wochen nach einer Reise geltend machen.

In den USA droht dem Eigner der "Costa Concordia" zudem eine Sammelklage. Die italienische Verbraucherschutzorganisation Codacons wolle gemeinsam mit zwei US-Kanzleien Klage gegen das Unternehmen einreichen, berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC am Samstag. Sie verlangten für jeden Passagier eine Entschädigung von 160.000 Dollar (124.000 Euro). (dapd)

 

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