Düsseldorf – Trotz einer wachsenden Zahl von Arbeitskämpfen bleibt Deutschland im internationalen Vergleich einer Studie zufolge weiter ein streikarmes Land. So fielen zwischen 1995 und 2006 im Jahresdurchschnitt nur 3,6 Arbeitstage pro 1.000 Beschäftigte aus – dagegen waren es in Kanada 203,4 Arbeitstage, in Spanien 134,8, in Frankreich 91,4 und in Norwegen 74,3 Tage, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag in Düsseldorf mitteilte.
Auch in den USA, in Schweden und den Niederlanden liege die Streikquote um ein Mehrfaches höher als in Deutschland, berichtete die Stiftung anlässlich der Vorstellung des WSI-Tarifhandbuchs 2008. Lediglich die Schweiz habe die deutsche Quote zwischen 1995 und 2006 mit im Schnitt 2,8 Ausfalltagen unterboten.
Zudem habe die Zahl der Arbeitskampftage in Deutschland im langfristigen Vergleich abgenommen. Zwischen 2000 und 2006 seien im Jahresdurchschnitt 3,6 Arbeitstage je 1.000 Beschäftigte durch Streiks und Aussperrungen ausgefallen. Dagegen seien es in den 90er Jahren 11,2 Tage, in den 80er Jahren 25,2 Tage und in den 70er Jahren sogar 50,7 Tage gewesen – teilweise auch durch großflächige Aussperrungen.
WSI-Tarifexperte Heiner Dribbusch sagte, die Zunahme in den vergangenen Jahren falle auch deshalb so stark auf, weil es seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre eine Phase mit außergewöhnlich wenigen Arbeitskämpfen gegeben habe. Einiges spreche dafür, dass diese Phase nun zu Ende gehe, ohne dass Deutschland deshalb zu einer „Streikrepublik“ werde.
Als Gründe für die im internationalen Vergleich weiter niedrige Intensität von Arbeitskämpfen nannte Dribbusch das vergleichweise restriktive deutsche Streikrecht, das Modell der Mitbestimmung, das Prinzip der Einheitsgewerkschaft sowie das System der Flächentarifverträge. Veränderungen des Tarifsystems könnten laut dem WSI-Experten daher auch Auswirkungen auf Zahl und Intensität der Arbeitskämpfe haben. „Sollte etwa der Trend zu Firmentarifverträgen weiter zunehmen, wird auch die Zahl der Arbeitskämpfe davon nicht unberührt bleiben.“ (AP)
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