Hamburg – Bundesforschungsministerin Annette Schavan will Deutschland zu einem Musterland für den Klimaschutz machen. „Wir brauchen jetzt einen Schub“, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag bei einem Spitzentreffen von 200 Experten in Hamburg. Ihr Ministerium werde in den kommenden drei Jahren 255 Millionen Euro für die Forschung zum Klimawandel zur Verfügung stellen, sagte Schavan. Bis Mitte Oktober solle eine nationale High-Tech-Strategie zum Klimaschutz vorliegen.
„Ich bin überzeugt, dass ein wesentlicher Schlüssel zur Lösung bei Wissenschaft und Wirtschaft, bei Forschung und Entwicklung liegt“, betonte die CDU-Politikerin. Ziel der High-Tech-Strategie sei es, einen Zeitplan zur verstärkten Entwicklung klimaschonender Technologien und Verfahren festzulegen. Außerdem solle das vorhandene Potenzial bei Umwelttechnologien für den Verkauf im Ausland genutzt werden.
Vor dem Gipfel hatte sich Schavan gegen einen schnellen Ausstieg aus der Atomtechnologie ausgesprochen. Der „Passauer Neuen Presse“ sagte sie, die Atomenergie werde als Brückentechnologie Bedeutung haben, „solange wir nicht genügend Energie einsparen und fossile sowie erneuerbare Energiequellen nicht ausreichen“. Es habe noch niemand eine Antwort darauf gegeben, ob sich die Klimaziele ohne Kernkraft erreichen ließen.
Auch im neuen UN-Klimareport, der am (morgigen) Freitag vorgestellt werden soll, wird die Atomkraft vermutlich als eine Energieoption zur Vermeidung von Treibhausgasen genannt. In Bangkok stritten die Delegierten des Weltklimarats (IPCC) noch über Einzelheiten des Berichtes. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, sagte, von chinesischer Seite komme erheblicher Widerstand gegen die geplanten Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen. Auch den USA gehen die geplanten Grenzwerte für die Treibhausgas-Emission zu weit.
Anders als Schavan sprachen sich Umweltschützer gegen eine längere Nutzung der von Atomreaktoren aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte, Atomreaktoren, CO2-freie Kohlekraftwerke oder das Verbrennen von Biosprit in ineffizienten Automotoren seien keine geeigneten Klimaschutz-Maßnahmen. Auch der frühere Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, sagte im Deutschlandradio Kultur, es stehe fest, dass mit der Kernenergie das Problem des Klimawandels nicht bewältigt werden könne. Gleichwohl sei die Atomkraft eine Brückentechnologie.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte, Maßnahmen im Kampf gegen die globale Erwärmung würden im Gesundheitswesen rasch Nutzen bringen. Der Einsatz „sauberer“ Treibstoffe könne Leben retten und Geld sparen, sagte WHO-Experte Diarmid Campbell-Lendrum. Die Luftverschmutzung in Städten kostet nach WHO-Angaben weltweit jährlich rund 800.000 Menschen das Leben, mehr als die Hälfte davon in China.
Wegen der für die Jahreszeit ungewöhnlichen Trockenheit rechnen die Bauern in Deutschland indes mit Ernteausfällen und steigenden Preisen. „Getreide, Mais und Rüben, aber auch Obst und Gemüse sowie unsere Wiesen und Weiden lechzen im wahrsten Sinne des Wortes nach Wasser“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, der „Berliner Zeitung“. (AP)