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Umfrage Deutschland steht ein Verteilungskampf der Generationen bevor

DAPD

25.11.2010

München – Deutschland steht nach einer Umfrage des Roman-Herzog-Instituts ein Verteilungskampf der Generationen bevor. Jeweils zwei Drittel der Deutschen lehnten geringere Rentensteigerungen, höhere Rentenbeiträge oder längere Lebensarbeitszeiten als ungerecht ab, ergab eine am Donnerstag in München veröffentlichte repräsentative Umfrage. Die große Mehrheit fordere den Erhalt des Status quo – was aber wegen der Alterspyramide unmöglich ist.

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski sagte der deutschen Gesellschaft einem umfassenden Wertewandel voraus. "Die fetten Jahre sind vorbei. Die Generation von morgen wird ärmer, aber nicht unglücklicher sein", sagte der Hamburger Wissenschaftler. Materieller Wohlstand und "das Anhäufen von Gütern" werde an Bedeutung verlieren.

Die heutigen Kinder und Enkel erwarte "ein konsumärmeres, aber beziehungsreicheres Leben." Der Wert persönlicher Netzwerke und der Familie über die Generationen hinweg steige, weil der Sozialstaat weniger werde leisten können, erklärte Opaschowski. So werde Kinderbetreuung durch die Großeltern, die Pflege der Urgroßeltern in der Familie oder pragmatische Solidarität auf Gegenseitigkeit wichtiger werden. "Der Trend zur Individualisierung geht zurück." Ehe sei wieder modern, die Scheidungsrate sinke seit Jahren.

Leistung und Lebensgenuss seien für die kommende Generation kein Gegensatz mehr. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben würden fließender. Von jedem werde künftig "eine unternehmerische Grundhaltung" gefordert, "am Arbeitsplatz genauso wie privat", sagte Opaschowski. Ein Zukunftstrend laute: "Arbeiten ohne Ende." Die nächste Generation der Alten seien nicht mehr "altes Eisen" und "master consumers", sondern "silver workers", die gebraucht würden. Um Altersarmut zu vermeiden und weiter zu tun zu haben, werde der Ruhestand verschoben.

Frauen würden auch in der Arbeitswelt künftig eine wichtigere, vielleicht sogar dominierende Rolle spielen. Mädchen hätten deutlich bessere Schulnoten als Jungen, und auch unter den Hochbegabten stellten sie die Mehrheit. Für die männlichen Helden der Arbeit werde die Luft auf der Karriereleiter dünner, sagte der Zukunftsforscher.

dapd/ro/kos (dapd)

 

 

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