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„Fußball ist nicht alles“ DFB-Chef fordert mehr Menschlichkeit und Respekt

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15.11.2009

Der Präsident der deutschen Fußball-Liga, Reinhard Rauball, links, und der Präsident des DFB, Theo Zwanziger, während der Trauerfeier für Robert Enke. Foto: AP Photo/Frank Augstein
Der Präsident der deutschen Fußball-Liga, Reinhard Rauball, links, und der Präsident des DFB, Theo Zwanziger, während der Trauerfeier für Robert Enke.

Foto: AP Photo/Frank Augstein

Theresa Enke, links, am Sarg im Stadion von Hannover 96.
Theresa Enke, links, am Sarg im Stadion von Hannover 96.

Foto: AP Photo/Frank Augstein

Die Fans halten ihre Schals hoch zum Abschied von Robert Enke.
Die Fans halten ihre Schals hoch zum Abschied von Robert Enke.

Foto: AP Photo/Frank Augstein

Hannover – Als Konsequenz aus dem Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke hat DFB-Präsident Theo Zwanziger zu mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander aufgerufen. Dies gelte insbesondere für die Welt des Fußballs, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bunds am Sonntag auf der Trauerfeier für Enke in Hannover. Die Fans forderte er mit Blick auf die häufig wenig thematisierten Schattenseiten des Lebens auf, das „Kartell der Tabuisierer und Schweiger“ zu durchbrechen.

Bei allem Ehrgeiz und Streben für eine gute Zukunft ihres Nachwuchses sollten auch Eltern daran denken: „Fußball ist nicht alles“, betonte Zwanziger: „Denkt nicht nur an den Schein“, der auch über die Medien transportiert werde. „Fußball darf nicht alles sein“, unterstrich Zwanziger, sagte aber auch: „Fußball ist ein starkes Stück Leben.“ Allerdings dürfe man nicht nur wie besessen Höchstleistungen hinterherjagen. Gewiss dürfe man sich anstrengen, „aber nicht um jeden Preis“. Werte wie Maß, Balance, Fair Play und Respekt seien gefragt – „in allen Bereichen des Systems Fußballs“, fügte der oberste deutsche Fußballfunktionär hinzu.

Seine kurze Rede wurde immer wieder von Applaus der Zehntausenden Trauergäste im Stadion unterbrochen – so auch als sich Zwanziger an Enkes Witwe Teresa wandte und den Mut und die Tapferkeit würdigte, die sie am Tag nach dem Selbstmord ihres Mannes auf einer Pressekonferenz in Hannover gezeigt habe. Seinen Respekt zollte der DFB-Chef auch der Nationalmannschaft, die gemeinsam mit dem Betreuerstab im Stadion versammelt war: „Jungs, ich bin stolz auf euch.“

"Die Welt ist nicht im Lot"

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hatte zuvor ein Umdenken in der Gesellschaft als Konsequenz aus dem Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke gefordert. „Die Welt ist nicht im Lot", sagte der CDU-Politiker am Sonntag vor Zehntausenden Menschen bei der Trauerfeier für Enke im Fußballstadion von Hannover. Nicht nur im Leistungssport, sondern auch in anderen Berufen sei der Leistungsdruck extrem. Und wer nicht funktioniere, werde schnell zum Versager abgestempelt.

„Wir brauchen doch keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften", sagte Wulff, der Enke als großartigen Menschen und überragenden Sportler würdigte. Er sei zugleich ein stiller, bescheidener und zurückgenommener Star gewesen - „ein Mensch kleiner Gesten, der einen Kreis um sich zog, der besonders war". Enke hatte jahrelang an schweren Depressionen gelitten, die er vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hatte. Am vergangenen Dienstag warf sich der 32-Jährige vor einen Zug.

„Wir können nur erahnen, wie hoch der Druck war, der auf ihm lastete", sagte Wulff. Der Druck habe Versagensängste ausgelöst, den Erwartungen nicht genügen zu können. Der Regierungschef verwies auf die überwältigende Anteilnahme in Deutschland: „Robert Enkes Tod hat das Land aufgewühlt." Viele Menschen empfänden, dass sich etwas ändern müsse. Doch ändern müsse sich jeder einzelne, betonte Wulff. Er rief dazu auf, Sportler nicht als Übermenschen oder Versager zu sehen - sondern mit ihren Stärken, aber auch mit ihren Fehlern und und Überforderungen.

In seiner Rede wandte sich Wulff auch persönlich an Enkes Ehefrau Teresa, der er seine Hochachtung für ihren Gang an die Öffentlichkeit nach dem Tod ihres Mannes aussprach: „In Ihrer Pressekonferenz am Mittwoch haben Sie sich mutig, stark und eindrucksvoll an die Öffentlichkeit gewandt. Dadurch ist für uns all das erst erkennbar geworden." (AP)

 

 

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