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Demoskopie Die Erotik der Daten

Stefan Lange

03.03.2010

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte am Mittwoch bei der Vorstellung des Wälzers in Berlin die Arbeit der Allensbacher, zeigte den Meinungsforschern aber auch deutlich ihre Grenzen auf. Foto: Herbert Knosowski/AP Photo
Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte am Mittwoch bei der Vorstellung des Wälzers in Berlin die Arbeit der Allensbacher, zeigte den Meinungsforschern aber auch deutlich ihre Grenzen auf.

Foto: Herbert Knosowski/AP Photo

Berlin (apn) 63 Jahre nach seiner Gründung hat das Institut für Demoskopie Allensbach sein zwölftes Jahrbuch herausgegeben. Auf mehr als 900 Seiten zeigen rund 2.000 Tabellen und Grafiken wieder, wie es um die Befindlichkeit der Deutschen bestellt ist. Und zum 20. Jahrestag der Einheit steht die Befindlichkeit von Ossis und Wessis im Mittelpunkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte am Mittwoch bei der Vorstellung des Wälzers in Berlin die Arbeit der Allensbacher, zeigte den Meinungsforschern aber auch deutlich ihre Grenzen auf.

Demoskopie könne aufklären, Maßstäbe zurechtrücken und helfen, eine öffentliche Diskussion zu versachlichen, sagte Merkel. Aber: „Demoskopen sollten sich davon verabschieden, durch Demoskopie gleich noch ein bisschen Politik mitzumachen.“ Die CDU-Vorsitzende mahnte allerdings auch ihre Kollegen in der Politik an. Diese sollten „nicht der Versuchung erliegen, mit Hilfe der Demoskopie ihre politischen Entscheidungen zu rechtfertigen.“

Allensbach-Chefin Renate Köcher sprach angesichts des Sammelsuriums mit Themen von Abfall bis Zuwanderung von der „Erotik der Daten“. Merkel, ganz Polit-Profi, nutzte die Daten allerdings fix und wie nebenbei zu einer weiteren Abrechnung mit ihrem Vizekanzler Guido Westerwelle und dessen umstrittene Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger und den Sozialstaat.

Die CDU-Vorsitzende verwies auf Seite 126 der Allensbach-Datenbibel und die dort per Umfrage ermittelte „Definition sozialer Gerechtigkeit“. Und siehe da: An erster Stelle steht das Thema Bildung, an zweiter Stelle die Notwendigkeit einer staatlichen Grundsicherung – und erst an dritter Stelle wollen die Deutschen, dass wer mehr leistet auch mehr verdient. Es könnte durchaus sein, dass Merkel dem FDP-Vorsitzenden Westerwelle bei der nächsten Kabinettssitzung eine Kopie dieser Umfrage in die Mappe legen lässt.

Ost und West wächst nicht so recht zusammen

Vielleicht sollte sich Westerwelle statt auf das Thema Sozialstaat auch besser auf das Thema Ost und West stürzen, denn da gibt es den Allensbachern zufolge noch Bedarf. Die Zuversicht, dass Ost und West zusammenwachsen, ist in den Jahren immer geringer geworden. Während 1993 noch 63 Prozent der Westdeutschen und 47 Prozent der Ostdeutschen der Meinung waren, das Zusammenwachsen werde gelingen, waren es 2009 nur noch 59 Prozent auf west- und 41 Prozent auf ostdeutscher Seite.

Kanzlerin Merkel zeigte sich ob der gelisteten Daten etwas verblüfft. Sie hätte gedacht, dass das „Verhältnis etwas homogener“ sei, sagte sie mit Blick auch auf weitere Umfrageergebnisse.

Im Register des zwölften Allensbach-Jahrbuches taucht „Merkel, Angela“ bemerkenswerterweise vor den Begriffen „Meysel, Inge“ und „Michel, deutscher“ auf. Die mittlerweile verstorbene Schauspielerin Meysel schaffte es im Februar 2009 bei einer Umfrage nach Deutschlands prägendsten Intellektuellen und Künstlern auf einen neunten Platz. Merkel belegte bei der Frage nach den prägendsten Politikern Platz acht, einen Rang hinter Franz-Josef Strauß (CSU), aber einen vor Altkanzler Gerhard Schröder (SPD).

Den deutschen Michel toppt Merkel den Allensbach-Zahlen nach übrigens locker. 57 Prozent hatten von der CDU-Vorsitzenden in einer Umfrage eine gute Meinung. Den Michel fanden hingegen nur 42 Prozent sympathisch.

http://www.ifd-allensbach.de/ (AP)

 

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